Der Diepoldsauer Captain sieht Rot

Nach einem torlosen Spiel gegen Phönix Seen rutscht Diepoldsau in der 2. Liga interregional wieder unter den Trennstrich. Captain und Teamleader Philipp Meyer wird vom Platz gestellt.

Beni Bruggmann
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FUSSBALL. Philipp Meyer, 31jähriger Verteidiger des FC Diepoldsau, erlebt einen friedlichen Sonntag: Nach dem Brunch macht er zusammen mit der Freundin einen Herbstspaziergang auf den Fünfländerblick. Sport, auch am Fernsehen, ist kein Thema. Abends schaut er nochmals auf den Samstag zurück. Der war weniger friedlich.

Diepoldsau gegen Phönix Seen, 90. Minute. «Ich machte ein taktisches Foul und wurde dafür verwarnt», sagt Meyer. «Ich habe leider reklamiert und den Unparteiischen einen Clown genannt. Das hat auch der Schiedsrichter aus der Romandie verstanden und mich vom Platz gestellt.» Meyer bereut seine Aussage. Und sie kommt ihn teuer zu stehen: «Vermutlich bin ich für die Spiele bis zur Winterpause gesperrt. Und die Mitspieler erwarten ein Nachtessen von mir.» Heute beim Training wird der Trainer die Angelegenheit wohl auch noch ansprechen. Ungemütliche Momente für einen Führungsspieler.

Routiniert und impulsiv

Keiner beim FC Diepoldsau ist so routiniert wie Meyer. Er war insgesamt neun Jahre Profifussballer, hat bei St. Gallen unter Roger Hegi und Marcel Koller gespielt, stieg als Captain mit Wil in die höchste Liga auf und hat in Österreich bei Austria Lustenau in der 2. Bundesliga gespielt. Nach einem Jahr Fussballabstinenz hat er vor sechs Jahren seine zweite Karriere begonnen: jene als Amateurfussballer. Zwei Jahre spielte er in Montlingen und nun bereits wieder vier Jahre in seinem Heimatdorf, beim FC Diepoldsau-Schmitter. Er hat, wie man sieht, grosse Erfahrung, aber er kann manchmal den Mund nicht halten.

«Wir hätten gegen Seen gewinnen müssen», blickt er zurück und kann die erfolgversprechenden Aktionen von Roger Meyer und Samir Garci in der zweiten Halbzeit genau schildern: «Rogers Direktabnahme ging daneben, und Samir wollte den Ball zuerst mit der Brust annehmen, statt ihn per Kopf direkt ins Netz zu lenken.» Diese Aktionen blieben daher nur Chancen. Dass mit dem 0:0 «seine» Abwehr diesmal erfolgreich war – erst das zweite Zu-Null-Spiel in dieser Saison – stellt ihn überhaupt nicht zufrieden: «Nur der Sieg zählt.» Und für den Sieg mangelt es laut Meyer manchmal an der Einstellung: «In den entscheidenden Momenten fehlt der Biss.» Das war wohl gegen Seen der Fall. Vor einer Woche bei der 0:5- Niederlage gegen Seuzach, der höchsten in der laufenden Saison, fehlte aber noch viel mehr: Es fehlte an allen Ecken und Enden.

«Ich bin noch nie abgestiegen»

Der FC Diepoldsau, jetzt wieder auf einem Abstiegsplatz, in einer ernsthaften Krise? Meyer winkt ab: «Nein, keinesfalls.» Und auch für die Zukunft ist dem Abwehrchef nicht bange: «Ich bin noch nie abgestiegen.»

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