«Der Charme fehlt»

Dass der Thurgauer Dialekt schweizweit nicht sonderlich beliebt ist, ist nicht neu. Aber was halten eigentlich die Thurgauer von ihrem Dialekt? mostindia hat in Frauenfeld junge Passanten nach ihrer Meinung gefragt.

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Tina Inglin (Bild: stm)

Tina Inglin (Bild: stm)

«Ich werde oft nachgeäfft», sagt Tina Inglin aus Pfyn. Die 24-Jährige geht in Zürich zur Schule, zusammen mit angehenden Rettungssanitätern aus der ganzen Deutschschweiz. Da unterhalte man sich automatisch über Dialekte. «Nur die Appenzellerin in meiner Klasse muss sich noch mehr Spötteleien anhören als ich», erklärt Tina. Sie selbst möge den Thurgauer Dialekt auch nicht besonders. Vor allem, wenn sie im Radio Thurgauer Moderatoren höre, verstehe sie, warum kaum jemand den Dialekt mag.

So schlimm sei der Thurgauer Dialekt gar nicht, findet der 20jährige Steven Haug aus Frauenfeld. In Zürich werden am meisten Witze über die Thurgauer und ihre Sprache gemacht, davon ist er überzeugt. Auch im Militär sei niemand vor Witzen sicher. Dies sei aber nicht nur bei den Thurgauern so, auch über andere Dialekte werde da gelacht. «Berndeutsch gefällt mir besonders, weil es sehr entspannt klingt», sagt er. Da ist es ihm auch egal, wenn er als Thurgauer die Berner häufig nicht richtig versteht.

«Mir gefällt der Thurgauer Dialekt», sagt Laura Ceballos selbstbewusst. Vor allem, weil er gut verständlich ist und sie darum bei Gesprächen mit Landsleuten aus anderen Kantonen kein Problem habe, sich zu verständigen. Die Frauenfelderin findet sogar, dass die Thurgauer den schönsten Dialekt haben. Weil sie von den anderen Schweizer Dialekten Berndeutsch und Walliserdeutsch schlecht versteht, gefallen sie ihr nicht. Von den Zürchern hochgenommen wird aber auch sie, weil sie in Zürich arbeitet.

Der Thurgauer Dialekt sei sicher nicht der schönste, das findet auch Lukas Gamper. Im Militär treffen Junge aus der ganzen Schweiz zusammen. Darum erstaunt es nicht, als er erzählt, dass besonders da viele Witze über die Dialekte gemacht werden. Auch in der Schule ist er vor Spässen über seinen Dialekt nicht geschützt. Besonders gut gefällt Lukas der Walliser Dialekt. «Der ist speziell», sagt der 24-Jährige aus Stettfurt. Dass er von anderen schwer verstanden wird, scheint ihn nicht zu stören.

«Im Vergleich mit anderen ist der Thurgauer Dialekt sicher nicht schön», sagt Carina Uhlmann aus Wigoltingen. «Mir fehlt der Charme daran, und er ist mir auch zu deutlich», findet die 19-Jährige. Besser gefallen ihr hingegen die Mundart der Berner und der Bündner. Während ihrer Lehre in Winterthur wurde auch sie oft von ihren Kollegen für ihren Dialekt ausgelacht. Carina findet aber die Mundart der Zürcher noch schlimmer als ihre eigene. Auch der Basler Dialekt gefällt ihr gar nicht. Umfrage: sam/stm

Steven Haug (Bild: sam)

Steven Haug (Bild: sam)

Laura Ceballos (Bild: sam)

Laura Ceballos (Bild: sam)

Lukas Gamper (Bild: sam)

Lukas Gamper (Bild: sam)

Carina Uhlmann (Bild: sam)

Carina Uhlmann (Bild: sam)

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