Der Bildergeschichtenmaler

KLEINANDELFINGEN. Dem Reklame- und Schriftenmaler Thomas Kiene hat es nie an Phantasie gefehlt. Als Künstler lehnt er sich an den Phantastischen Realismus an, hat aber einen eigenen Weg gefunden, der reiche Assoziationen weckt – und er hat eine neue Maltechnik entdeckt.

Dieter Langhart
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Thomas Kiene erklärt seine Maltechnik am Bild «Nahendes». (Bild: Dieter Langhart)

Thomas Kiene erklärt seine Maltechnik am Bild «Nahendes». (Bild: Dieter Langhart)

Er hat einen wachen Blick – und wache Augen braucht, wer sich Thomas Kienes Bilder ansieht. Denn irgendwo ist eine winzige Schnecke auszumachen, die wie die winzige Signatur (stets links unten) zu jedem seiner Bilder gehört.

Lauter neue sind derzeit im Zürcher Weinland zu sehen, im Frühling stellte die Frauenfelder Galerie Kunst-Transfer ihn aus, im September macht Kiene in Wil mit an der Ausstellung der Künstlergruppe Laetare.

Alles greift ineinander

«Ich habe hundert Ideen im Kopf», sagt Kiene. «Wenn ich zu malen beginne, muss ich mich für eine entscheiden.» Das stimmt nicht ganz, denn mannigfach sind seine Einfälle, überlagern sich in jedem Bild, staffeln sich zu Bildergeschichten, die in die Tiefe gehen und ineinandergreifen. Und die sich nicht en passant erfassen lassen: Thomas Kiene verlangt Zeit vom Betrachter. Besonders bei den Aquarellen, aus denen fast immer Augenpaare blicken, in denen Vogelköpfe, Federn, Fischschwänze auftauchen, aus denen sich Blumen winden, in die sich Kerzenflammen schwingen. Für den Künstler sind die gemalten Motive wie Symbole des Lebens – also Spiegel unserer Wahrnehmung. So lebensnah er malt, so märchenhaft verweben sich die Bildinhalte zu neuen Welten, in denen sich alles verbinden darf.

Eigene Technik in Öl

Seine Ölbilder wirken anders. Da erschafft Thomas Kiene surreale, äusserst plastische Landschaften, die an Schottlands karge Heide erinnern mögen oder an eine offene Blüte. Er will seine Technik nicht verraten, nur so viel: Er verdünnt das Öl mit Terpentin, neigt minim die Leinwand, damit die Farbe fliessen kann. Trocknen, fliessen, trocknen, ohne Lack. Mäander entstehen und Mikrostrukturen, die wie Flechten aussehen; darüber malt Kiene den Kopf einer Kuh, aus deren Auge ein Vogel lugt; malt ein Kind hinein oder eine Malve im Vordergrund – ein stetes Spiel mit Gross und Klein. Bis zu zwanzig Schichten legt er übereinander und malt «bis kurz vor der Vernissage» und spricht von Leidensdruck und von komprimierter Energie.

Thomas Kiene, 1964 geboren, hat sich 1988 als Künstler selbständig gemacht. Seit zweieinhalb Jahren lebt und arbeitet er in Schmidshof. «Mir hat es nie an Phantasie gefehlt», sagt er. Seine Bilder laden ein, in phantastische Welten zu tauchen.

Galerie im Gemeindehaus, Kleinandelfingen; Fr 16–20, Sa 14–18, So 11–15 Uhr; bis 29.9.