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«An meinen Sieg in Alpe d’Huez erinnern sich fast alle»: Als Beat Breu allen davonfuhr

In der zehnten Etappe wartet die berühmteste Steigung im Radsport auf das Peloton. Wie immer kommen Hunderttausende Zuschauer an die 14 Kilometer lange Bergstrasse. Viele sind schon seit Tagen vor Ort.
Daniel Good
1982 fuhr Beat Breu an der Tour de France allen davon. (Bild: AFP Photo)

1982 fuhr Beat Breu an der Tour de France allen davon. (Bild: AFP Photo)

Es ist Anfang der 1950er-Jahre. In Alpe d’Huez stehen einige Skilifte und Hotels. Im Winter läuft einiges. Aber sonst gar nichts. Um das Sommergeschäft anzukurbeln, dachten die umtriebigen Touristiker aus Alpe d’Huez an die Tour de France. Eine Bergankunft sollte im Juli Leben ins Dorf bringen. Als Gegenleistung boten sie eine kostenlose Übernachtung für den ganzen Tross an.

Der Start zur Premiere war in Lausanne

Man kam ins Geschäft und am 4. Juli 1952 endete zum ersten Mal eine Etappe in Alpe d’Huez. Der Sieg ging an Fausto Coppi. Gestartet zur zehnten Etappe wurde in Lausanne. Zu bewältigen waren bei brütender Hitze 266 Kilometer. Der Italiener Coppi sass während beinahe neun Stunden im Sattel. Er gewann auch die Tour 1952. Wegen Verletzungen fehlten Ferdy Kübler und Hugo Koblet, die beiden Vorgänger Coppis als Gesamtsieger.

Erfolgreiche Niederländer

Heute gastiert die Tour de France zum 30. Mal in Alpe d’Huez. Rekordsieger sind die Niederländer mit acht Erfolgen. Am schnellsten – in 36 Minuten und 40 Sekunden – fuhr 1985 der Italiener Marco Pantani durch die 21 Kurven im 13,8 Kilometer langen Anstieg. Mit Beat Breu triumphierte auch ein Schweizer in Alpe d’Huez. Am 20. Juli 1982 feierte der kleine St. Galler den grössten Sieg seiner Karriere. Breu erinnert sich:

«Ich war in Form. Die Etappe war nur 123 Kilometer lang, was mir gelegen kam»

Der damals 24-jährige Breu war zum ersten Mal zur Tour de France gestartet. Er wusste fast nie, wo er war. Breu hatte den berühmten Berg noch nie gesehen. Erst während der Etappe bekam er das Monument zu Gesicht.

Alle erinnern ich an den legendären Sieg

«Von weitem sah ich Tausende Zuschauer und Felsen», so Breu. Er hatte in jenem Jahr schon eine Etappe in den Pyrenäen für sich entschieden. «Das war ebenfalls grossartig und sicher genauso hart, aber Alpe d’Huez zählt viel mehr», sagt Breu. In jeder Kurve steht eine Tafel mit den Namen eines Etappensiegers. Breu hat die 14, Coppi die 21. Breu hat einiges gewonnen, was in Vergangenheit geraten ist, «aber an meinen Sieg in Alpe d’Huez erinnern sich fast alle».

Faszination Alpe d’Huez: Fahrer und Publikum setzen die letzten Energien frei. (Bild: Charlie Crowhurst/Getty (Alpe d’Huez, 18. Juli 2013))

Faszination Alpe d’Huez: Fahrer und Publikum setzen die letzten Energien frei. (Bild: Charlie Crowhurst/Getty (Alpe d’Huez, 18. Juli 2013))

Auch Olympische Winterspiele

Am steilsten ist der Anfang mit maximal elf Prozent. Durchschnittlich sind 7,8 Steigungsprozente zu bewältigen. Die Höhendifferenz beträgt 1090 Meter. Das Ziel befindet sich auf 1850 Meter über Meer. Die Steigung beginnt im Dorf Bourg d’Oisans.

Im Februar 1968 fanden in der Nähe von Alpe d’Huez im Rahmen der Olympischen Winterspiele in Grenoble die Bobrennen statt. Doppelsieger wurde mit Eugenio Monti – wie Coppi – ein Italiener. Seither ist der Bobsport in Alpe d’Huez in Vergessenheit geraten.

Sie kommen sich vor wie Eddy Merckx

In den beiden vergangenen Jahren machte die Tour de France einen Bogen um Alpe d’Huez. Sieger 2015 war der Franzose Thibaut Pinot. Die Tour-Organisatoren sind auch Marketingstrategen. Eine Überdosis mindert den Reiz. Heute führt die Strecke über 175 Kilometer von Bourg-St-Maurice via die Alpenpässe Col de la Madeleine und Col de la Croix de Fer ins Ziel.

Schon Tage vor der Etappe belagern Radsportanhänger verschiedenster Nationalitäten die Bergstrasse nach Alpe d’Huez. Hunderttausende – annähernd eine Million – sind jeweils dabei. Gerne kommen sie in Wohnmobils mit reichlich Proviant. Andere schlagen schon fünf Tage vor der Tour das Zelt auf.

Wer es am Renntag mit dem Auto versucht, bleibt im Stau stecken und hat keine Chance mehr, einen komfortablen Platz zu finden. Viele reisen deshalb mit dem Velo an und fahren Stunden vor den Stars den Berg hoch – und kommen sich vor wie Eddy Merckx.

Obwohl der Anstieg nach Alpe d’Huez weder der längste noch der steilste ist, will ihn jeder meistern. In den berühmten Kurven steckt mehr Radsportgeschichte, als ganze Länder vorweisen können.

Wenn von hinten Gefahr drohte, ertönte die Hupe

In der Kurve sieben feiern die Niederländer wie die Wilden – neben einer Kirche mit Friedhof. Der letzte Sieg eines Landsmannes ist zwar schon fast 30 Jahre her: Gert-Jan Theunisse war 1989 zuerst im Ziel. Das tut der Begeisterung der Niederländer jedoch keinen Abbruch. Aber auch heute werden die Holländer wohl leer ausgehen.

Ohne die Tour de France wäre Alpe d’Huez uninteressant. Viele bezeichnen den Ort als «hässliche Retortenstation». Aber die Tour hat das Gebirgsdorf und einige Rennfahrer weltberühmt gemacht. Häufig ist in der Berichterstattung vom «mythischen Berg» die Rede.

Beat Breu wird den 20. Juli 1982 nie mehr vergessen

Breu wird den Tag jedenfalls nie vergessen, als er als Erster über die Ziellinie fuhr. Er griff an, nachdem seine Mannschaft wie «die Irren» in die Steigung gefahren war. Ein Franzose leistete dem Führenden aus der Ostschweiz hartnäckig Widerstand. Wenn er zu nahe kam, hupte der Sportliche Leiter im Begleitauto und Breu setzte nochmals zu.

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