Der Aufstand der Bauern

Ein Vierteljahrhundert nach dem erstmaligen Aufstieg in die höchste Liga klopft der HC Ajoie wieder an die Tür zur NLA. Das Dossier für einen Aufstieg ist eingereicht. Doch der NLB-Qualifikationssieger verfolgt andere Pläne als eine Promotion.

Matthias Hafen
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Ajoie-Goalie Matthias Mischler kassiert im Heimspiel gegen Lausanne einen der seltenen Gegentreffer. Er gehört wie Verteidiger Jordane Hauert (Mitte) zu den Stützen des Teams. (Bild: ky/Roger Meier)

Ajoie-Goalie Matthias Mischler kassiert im Heimspiel gegen Lausanne einen der seltenen Gegentreffer. Er gehört wie Verteidiger Jordane Hauert (Mitte) zu den Stützen des Teams. (Bild: ky/Roger Meier)

EISHOCKEY. Dem HC Ajoie wurde in dieser Saison das Verpassen des Playoff prophezeit. Nun steigt der Club aus der jurassischen Grenzregion als Qualifikationssieger in die NLB-Viertelfinals. Zuletzt gelang den Ajoulots 1992 ein solcher Erfolg. Es war das Jahr, in dem die Jurassier zum bislang letztenmal in die NLA aufgestiegen waren.

Auf die grössten Zeiten folgte aber die grosse Ernüchterung. Nach der Relegation aus der NLA im Jahr 1993 stieg die Equipe aus dem Städtchen Pruntrut zweimal in die 1. Liga ab. Der Club konnte nur dank mehrerer Rettungsaktionen am Leben erhalten werden. Im Jahr 2000 erfolgte die Rückkehr in die NLB, die für den HC Ajoie wie geschaffen scheint. Seither klassierten sich die mit bescheidenen Mitteln funktionierenden Jurassier in der zweithöchsten Spielklasse nur zweimal in der vorderen Ranglistenhälfte und nie unter den ersten drei. Überraschende Playoff-Vorstösse in die Halbfinals waren das Höchste der Gefühle.

Eine Eishalle, die rinnt

Gefordert wird auch in diesem Jahr nicht mehr. Präsident Patrick Hauert will Ajoie längerfristig unter den Topteams der NLB etablieren. Trotzdem reichte er zusammen mit Sportchef Vincent Léchenne vor wenigen Tagen ein Bewerbungsdossier für einen allfälligen Aufstieg in die NLA ein. «Ein Witz? Nein, keinesfalls», sagt Léchenne, der die grössten Erfolge des Clubs als Spieler mitprägte.

Für die NLA wäre ein neuerlicher Aufstieg des HC Ajoie aber das nackte Grauen. Die Anfahrt nach Pruntrut erweist sich auch im 21. Jahrhundert noch beschwerlich, die in den 1970er-Jahren erbaute Patinoire de Voyeboeuf entspricht in keiner Weise mehr einer zeitgemässen Eishalle. Das Dach rinnt, und die alte Ammoniak-Anlage zur Eisaufbereitung wurde vor nicht allzu langer Zeit behelfsmässig ersetzt.

Der HC Ajoie verfolgt mit dem geäusserten Aufstiegswillen politische Ziele. Bislang tat sich die öffentliche Hand schwer, bestehende Projekte einer neuen Eishalle oder einer Totalrenovation der bisherigen Anlage finanziell zu unterstützen. «Die Behörden im Jura sollen sehen, dass wir hier seriös und erfolgreich arbeiten», sagt Léchenne. Die wichtigsten Geldgeber des Clubs sind in der Uhrenindustrie tätig. Geht es dieser gut, geht es in der Regel auch dem HC Ajoie gut. Dennoch müssen die Jurassier mit einem jährlichen Budget von 2,5 Millionen Franken auskommen. Das ist halb so viel, wie etwa dem aufstiegswilligen Ligakonkurrenten Lausanne zur Verfügung steht.

Kümmelwurst und Kuchen

Doch die Ajoulots lieben die Aussenseiterrolle wie ihre Saucisse mit Kümmel oder ihren Totché-Kuchen. In den städtischen Gebieten der Romandie gelten die Jurassier ohnehin als Paysans, als Bauern. Deshalb sind Siege für den HC Ajoie gegen Grossclubs wie Lausanne besonders süss. Die jurassischen Anhänger machen sich für diese Partien jeweils einen Spass daraus, mit Strohhut und Holzrechen zu erscheinen. Im äussersten Zipfel des Juras ist also gewissermassen ein Aufstand der Bauern im Gang. Die Frage wird sein, wie Ajoie im NLB-Playoff mit der Favoritenrolle zurechtkommt.