«Der Athlet steht im Zentrum»

Gian Gilli ist in Sotschi letztmals Chef de Mission. Am letzten Tag der Spiele zieht der Bündner eine positive Bilanz zu den Winterspielen in Russland. Für ihn zählen nicht nur die Medaillen, sondern auch die Qualität der Delegation.

Stefan Klinger/Sotschi
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Bild: STEFAN KLINGER/SOTSCHI

Bild: STEFAN KLINGER/SOTSCHI

Was Gian Gilli künftig macht, weiss er noch nicht. Sicher ist nur: Der Bündner wird Swiss Olympic verlassen. Gestern präsentierte er seine Bilanz zu den Spielen von Sotschi.

Bewertung der Disziplinen: Die sportliche Ausbeute ist grundsätzlich sehr positiv. Aufgrund einer Potenzial-Einschätzung wollten wir hier zehn Medaillen holen – und haben nun elf. Im Eishockey hatten wir keine Medaille eingeplant, da liegen wir über den Erwartungen. Ich bin ganz speziell begeistert von der Frische und der Passion für die Mission bei den jungen Frauen. Andererseits war das frühe Aus der Männer enttäuschend. Aber das ebenfalls sehr frühe Aus der Russen zeigt, wie eng zusammengerückt das Leistungsniveau im Eishockey ist. Im Curling hatten wir eine Medaille geplant. Es wird sicher hart fürs Team von Mirjam Ott, das zu verarbeiten, dass sie wie 2010 nur Vierte wurden. Das junge Männerteam hat hier Lehrgeld bezahlt.

Im Ski alpin sind wir von zwei Medaillen ausgegangen, nun haben wir drei. Im Langlauf haben wir mit einer Medaille gerechnet. Dario Cologna hat uns gleich zwei beschert – das war eine phantastische Leistung einer ausserordentlichen Persönlichkeit. Im Biathlon hatten wir keine Medaille geplant und haben nun eine dank der ganz tollen Leistung von Selina Gasparin – Respekt! Ebenfalls eine mehr als geplant haben wir im Snowboard alpin. Hier hat mich vor allem beeindruckt, das Patrizia Kummer die Saison dominiert, zwei kleine und die grosse Kristallkugel gewinnt und hier dann auch noch eine Medaille holt – das ist ganz grosse Klasse.

Bei den Freestylern hatten wir mehr erwartet, da sind wir von drei Medaillen ausgegangen, vor allem von den Skicrossern hatten wir uns mehr erhofft. Und für den Bobsport war es wichtig, dass wir hier gezeigt haben, dass dieser lebt und Beat Hefti nach dem Nuller von Vancouver hier eine Medaille holt.

Sportliche Bilanz insgesamt: Nebst den Medaillen haben wir 26 Diplome geholt und standen elfmal auf Rang neun oder zehn. Das zeigt auch noch einmal ganz deutlich die Qualität dieser Delegation, weil wir in diesen beiden Bereichen auch besser sind als vor vier Jahren in Vancouver. Der Wintersport in der Schweiz lebt. Auffällig dabei ist, dass wie hier fünf Medaillen durch Frauen holen, in Vancouver war es nur eine einzige. Zudem haben wir bei 58 gestarteten Frauen 29 Top-ten-Plätze geholt, das ist eine starke Steigerung im Bereich Frauen. Gerade da haben wir in den letzten vier Jahren grosse Fortschritte gemacht. Da zahlt sich das Projekt «Women on the podium» aus.

Rahmenbedingungen: Bei diesen Spielen stand der Athlet im Mittelpunkt, und das haben die Sportler ganz deutlich gespürt. Für die Athleten waren es super Bedingungen. So gab es ausser für die Bobfahrer und Skispringer praktische keine Transportzeiten zu den Trainings- und Wettkampfstätten. Bei anderen Spielen waren dagegen auch mal 90 Minuten Fahrzeit keine Seltenheit. Dadurch haben die Athleten viel Energie gespart. Zudem waren die Sicherheitskontrollen so super gestaltet, dass die Athleten nie anstehen mussten und sie immer auf junge, freundliche und Englisch sprechende Volunteers getroffen sind. Das alles hat viel Hektik vermieden. Und ich möchte auch noch ein Kompliment an die Organisatoren aussprechen. All die Sicherheitsbedenken im Vorfeld waren hier überhaupt keine Frage. Ausserdem haben sie sich sehr lernfähig gezeigt. Wenn ein Transport nicht geklappt hat und wir uns darüber beschwert haben, lief ab dem nächsten Tag immer alles tiptop – das war auch nicht immer so.

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