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Der Antiheld aus Attinghausen

Marco Wyrsch stammt aus einer richtigen Schwingerfamilie. Seit der Ära seiner Onkel sind die Erfolge der Urner aber seltener geworden.
Claudio Zanini
Ein paar Glocken, ein paar Kränze: Marco Wyrsch zu Hause in seiner Wohnung in Attinghausen.

Ein paar Glocken, ein paar Kränze: Marco Wyrsch zu Hause in seiner Wohnung in Attinghausen.

Marco Wyrsch wird nach der E-Mail-Adresse gefragt. Wir wollen ihm seine verschriftlichten Aussagen zusenden – zum Gegenlesen. «Gute Frage», sagt der 25-jährige Schwinger aus Attinghausen. Er überlegt kurz, ehe er erklärend hinzufügt: «Ich brauche sie drum nicht so oft.» Er schicke die Adresse später per SMS, er müsse sie raussuchen.

Die Anekdote dient nicht dazu, um sich über Wyrsch lustig zu machen, sondern sie zeigt, wie unterschiedlich die Athleten sind, die gegeneinander im Sägemehl antreten. Es gibt Schwinger, die sind mediale Profis. Sie ziehen Firmen als Sponsoren an Land. Und sobald die Deals spruchreif sind, werden flächendeckend Medienmitteilungen versandt, um das Ganze publik zu machen.

Auf der anderen Seite gibt es aber auch ganz viele Figuren im Sägemehl wie Marco Wyrsch ohne eigene Webseite und weit weniger prominent. Sie investieren zwar auch viel Zeit fürs Schwingen, haben aber vielleicht nicht den ganz grossen Trophäenschrank zu Hause. Sie suchen die Öffentlichkeit nicht – und leben ganz gut damit.

Wer daraus folgert, dass Wyrsch wohl nur ein unterklassiger Schwinger sei und deswegen ein Schattendasein in dieser professionalisierten Sportart führe, der irrt. Hinter Wyrschs Namen stehen seit der letzten Saison zwei Sternchen. Klingt unspektakulär, ist aber eine hochwertige Auszeichnung im Schwingsport. Die Sternchen stehen stellvertretend für den Kranzgewinn an einem Teilverbandsfest. Wyrsch hat sich diesen am letzten Innerschweizerischen erkämpft.

Ein anderer Punkt im Leistungsausweis ist seine Teilnahme beim letzten Eidgenössischen. Kein alltägliches Erlebnis für ihn, darum überraschten ihn auch die Dimensionen so sehr. «Diese Arena, die vielen Leute. Ich hätte es nicht so gross erwartet», sagt er.

«Ich überlege mir nicht soviel»

Marco Wyrsch stammt aus einer richtigen Schwingerfamilie. Seine drei Onkel Josef, Walter und Robert sind alle eidgenössische Kranzschwinger. Sie prägten die goldene Urner Generation in den 1980er-Jahren. Auch sein Vater war zweifacher Kranzgewinner, er musste die Karriere allerdings früh abbrechen. Aktiver Schwinger war auch sein Bruder Raphael, der mittlerweile Präsident des Schwingklubs Attinghausen ist. Das ist derjenige Klub, der am Sonntag das Urner Kantonale durchführt.

Josef, Walter und Robert sind mittlerweile alle um die 60 Jahre alt. Marco Wyrsch blickt zu ihnen auf, nennt sie seine Vorbilder. «Die Urner waren dazumal wirklich sehr gut», sagt er. Heute hat der kleinste Kantonalverband der Innerschweiz nicht mehr eine solch breite Spitze wie damals. Seit der Ära der Onkel ist man nicht mehr vom Erfolg verwöhnt. Beleg dafür ist die Siegerliste des eigenen Kantonalfests: In den letzten 30 Jahren konnte nur dreimal ein Einheimischer das Fest gewinnen.

Marco Wyrsch gegen das Urner Aushängeschild Andi Imhof (in weiss). Das Bild entstand beim Haldischwinget im letzten Sommer. (Bild: PD)

Marco Wyrsch gegen das Urner Aushängeschild Andi Imhof (in weiss). Das Bild entstand beim Haldischwinget im letzten Sommer. (Bild: PD)

Wyrsch sagt, diese Durststrecke beschäftige ihn nicht. «Ich überlege mir nicht so viel. Für mich geht es nur darum, weitere Kränze zu gewinnen.» Das Teilnehmerfeld am Sonntag ist zwar nicht so stark besetzt – nur vier Eidgenossen kommen nach Attinghausen. Dennoch dürfte es schwierig werden für die Urner. Ausser Andi Imhof, der vor drei Wochen am Ob-/Nidwaldner triumphierte, gibt es kaum eigene potenzielle Festsieger.

Am Sonntag möchte Wyrsch den dritten Kranz in dieser Saison gewinnen. Kranzgewinne sind keine Selbstverständlichkeit für ihn. Zumal er im Frühling wegen einer Rippenverletzung fünf Wochen pausieren musste. «Ich hätte nicht gedacht, dass es trotzdem so gut läuft», sagt er. Beim Gegenlesen beanstandet er nichts. Er betont aber nochmals, dass «alles zusammenpassen» müsse, damit er das Eichenlaub gewinnen kann.

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