Der Altstar und das Eis

20 Monate nach seinem Rücktritt gibt Sergej Fedorow am Spengler Cup in Davos ein befristetes Comeback. Der 44jährige Stürmer steht beim 4:3-Sieg von ZSKA Moskau gegen Rochester bei zwei Powerplaytoren auf dem Eis.

Hansruedi Camenisch/Davos
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EISHOCKEY. Der Medienraum in Davos ist voll, als Sergej Fedorow eine Stunde nach dem Spiel mit ZSKA Moskau gegen Rochester Audienz gewährt. Nicht von ungefähr: Fedorow gilt als einer der grössten Eishockeyspieler aller Zeiten. Dreimal ist er mit der Sowjetunion beziehungsweise Russland Weltmeister geworden, dreimal hat er mit den Detroit Red Wings den Stanley Cup, die wichtigste Trophäe im Clubhockey gewonnen, nur Olympia-Gold blieb dem hervorragenden Techniker versagt. Die Schuld dafür trug er aber selbst. 1990, als der Eiserne Vorhang noch Bestand hatte, nutzte Fedorow ein Kräftemessen der weltbesten Eishockey-Nationen zur Flucht. Während der Goodwill Games im amerikanischen Seattle schlich er sich aus einem Hotelzimmer und nahm das Flugzeug nach Detroit. Als die GUS, die Gemeinschaft der inzwischen unabhängigen Sowjetstaaten, 1992 Olympiasieger wurde, musste sich Fedorow den Titelgewinn in Nordamerika am Fernsehen ansehen.

Ein Punkt pro NHL-Partie

Welch begnadeter Eishockeyspieler Fedorow war, beweisen die Zahlen. In der NHL bestritt der Stürmer zwischen 1990 und 2009 für die Detroit Red Wings, die Anaheim Ducks, die Columbus Blue Jackets und die Washington Capitals 1431 Partien. Für seine Torgefährlichkeit sprechen die insgesamt 1355 Skorerpunkte. Das bedeutet, dass sich der Osteuropäer im Schnitt pro Match fast einen Skorerpunkt notieren liess. 2009 wechselte Fedorow als 39-Jähriger in seine Heimat zu Metallurg Magnitogorsk, wo er nach drei Saisons in der KHL seine Spielerkarriere 2012 beendete. Danach kehrte er als General Manager zu seinen Wurzeln zurück, zu ZSKA Moskau, wo seine Laufbahn in der Spielzeit 1986/1987 mit dem ersten Titelgewinn seinen Anfang genommen hatte. Damals war ZSKA noch der Club der Roten Armee mit dem legendären Viktor Tichonow als unerbittlichem Coach. Mit dem Zerfall der Sowjetunion zerbrach auch die Erfolgserie von ZSKA Moskau. Der letzte nationale Meistertitel datiert aus dem Jahr 1989.

Fedorow macht sich jetzt als Manager daran, eine erfolgreiche Mannschaft aufzubauen. Dabei beschreitet er neue Wege. Head-Coach von ZSKA Moskau ist seit dieser Saison der Amerikaner John Torchetti. Und selbst als Konditionstrainer engagierte Fedorow einen Nordamerikaner. «Wir besitzen eine talentierte, entwicklungsfähige Mannschaft», sagt Fedorow. Eigentlich hatte er nicht mehr damit gerechnet, selber die Schlittschuhe zu schnüren. Verletzungspech mit dem Ausfall von bis zu sieben Stammspielern motivierte Fedorow dann aber, an seinem Comeback zu arbeiten.

Legendenspiel statt Final

Fedorow musste jedoch einsehen, dass er in Sachen Tempo und Physis nicht mehr in der KHL mithalten kann. Einen Einsatz am Spengler Cup liess er sich aber nicht nehmen. Ein allfälliger Spengler-Cup-Sieg wird ihm aber versagt bleiben, sollte Moskau das Turnier gewinnen. Fedorow reist vorzeitig aus Davos in die USA ab. Am 31. Dezember bestreitet der Russe im Vorfeld der NHL-Winter-Classic zwischen Detroit und Toronto ein Legendenspiel.

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