Interview

Der Appenzeller Bob-Olympiasieger Beat Hefti macht den Jungen Beine

Zwei Jahre nach dem Rücktritt wird Beat Hefti Schweizer Meister. Das spricht nicht für die nächste Generation der Bobsportler im Land.

Interview: Daniel Good
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Die Schweizer Zweierbob-Meister Beat Hefti und Dominik Schläpfer.

Die Schweizer Zweierbob-Meister Beat Hefti und Dominik Schläpfer.

Bild: Yves Solenthaler
  • Zurzeit ist Bob-WM. Früher ein Höhepunkt im helvetischen Sportkalender.
  • Heute kaum mehr beachtet, weil in Altenberg in Deutschland nicht mit Medaillen der Schweizer zu rechnen ist.
  • Keiner im Land versteht mehr vom Bobsport als Beat Hefti, der Olympia-Goldmedaillengewinner von 2014.
  • Der letzte der vielen Schweizer Siegfahrer wurde vor gut zehn Tagen nochmals Schweizer Meister.
  • Als 42-Jähriger stellte er in St.Moritz mit Hintermann Dominik Schläpfer auch die besten Startzeiten auf.

Eigentlich hätte man Sie für die WM selektionieren sollen, oder nicht?

Beat Hefti: Weshalb fragen Sie das? Ich bin doch vor mehr als zwei Jahren zurückgetreten.

Sie wurden in diesem Winter Schweizer Meister vor vielen jüngeren Konkurrenten.

Ach so. Ja, wegen der EM, die gleichzeitig stattfand, fehlten zwei starke Schweizer Mannschaften.

Weshalb waren Sie als 42-jähriger mit Hintermann Dominik Schläpfer auch in der Startspur der Schnellste?

Gut, ich versuche schon, mich fit zu halten und trainiere seit Dezember zweimal in der Woche. Den Grossteil zu den guten Startzeiten trug aber Dominik Schläpfer bei. Ich kümmere mich seit anderthalb Jahren um ihn. Er ist einer wie Alex Baumann oder Thomas Lamparter, die früher zu den besten Hinterleuten der Welt gehörten.

Trotzdem kann da doch etwas nicht stimmen?

Dass wir die Schnellsten am Start waren, dürfte schon nicht passieren. Die Startzeit ist in unserer Sportart von sehr grosser Bedeutung. Ich habe mir die jungen Anschieber an der Schweizer Meisterschaft genau angeschaut, weil mich das interessiert und weil ich meine Karriere auch als Anschieber begonnen habe. Den Jungen fehlt in den entscheidenden Momenten am Start die innere Sicherheit. Das hängt meiner Meinung nach stark mit dem Coaching zusammen.

Wir haben jetzt ein bisschen schwarzgemalt. Immerhin holte Simon Friedli eine EM-Medaille und Michael Vogt fuhr im Weltcup aufs Podest. Ist dieser Aufwärtstrend im Schweizer Bobsport nachhaltig?

Die Schweiz hat gute Chancen, wieder ganz vorne mitzufahren. Denn auf vielen Bahnen ist das internationale Niveau zurzeit recht ausgeglichen. Aber viele Schweizer müssen noch mehr Biss und Willen zeigen. Sie dürfen nicht damit zufrieden sein, regelmässig im Weltcup zu starten. So können sie nicht das Letzte aus sich herausholen. Im Bobsport muss der Athlet sehr viel trainieren für etwa 30 Minuten Wettkampfzeit in einer ganzen Saison. Das ist eine besondere Herausforderung.

 Beat Hefti rast mit Hintermann Alex Baumann in Sotschi zum Olympiasieg.

Beat Hefti rast mit Hintermann Alex Baumann in Sotschi zum Olympiasieg.

Jean-Christophe Bott / KEYSTONE

Am Wochenende findet in Deutschland die Viererbob-WM statt. Seit Jahrzehnten fahren die Schweizer mit wenigen Ausnahmen mit dem Zweierbob schneller als mit dem Vierer. Weshalb?

Das hängt mit dem Schweizer Verbandssystem zusammen. Ich mache ein Beispiel: Es gibt sieben Piloten und drei gute Anschieber. Dann werden diese starken Hinterleute auf drei Schlitten verteilt, was die Schlagkraft der Schweizer Viererbobs wesentlich schwächt. Nur für grosse internationale Meisterschaften werden die drei besten Anschieber in einen Schlitten gesetzt. Das funktioniert aber nicht, weil die Automatismen fehlen. Die Harmonie ist am Start wichtiger als Kraft und Schnelligkeit.

Wann holt wieder ein Schweizer eine Medaille an einer WM?

Zurzeit muss es zu 150 Prozent aufgehen, damit es ein Schweizer Schlitten aufs WM-Podest schafft. Also Glück, viele Schwächen der Konkurrenz und eine herausragende Tagesform. Allgemein müssen die Schweizer Bobfahrer einen Zacken zulegen, um an Grossanlässen wieder wie früher zu reüssieren.

Eine helvetische Erfolgsgeschichte

Früher produzierte die Schweiz im Bobsport Weltmeister im Dutzend. Kein Verband war erfolgreicher auf internationaler Ebene. In den 1980er-Jahren stellte die Schweiz mit den Steuerleuten Erich Schärer, Hans Hiltebrand, Ralph Pichler, Silvio Giobellina und Ekkehard Fasser fünf Weltmeisterpiloten, obschon damals an einer WM bloss zwei Mannschaften desselben Verbandes startberechtigt waren. Schärer 1980 und Fasser 1988 gewannen auch Olympiagold. Auf die glorreichen fünf folgte nahtlos die erfolgreiche Karriere von Gustav Weder. Der Diepoldsauer wurde als einziger Schweizer Steuermann zweimal – 1992 und 1994 – Olympiasieger im Eiskanal. Es dauerte nach der Ära Weder 25 Jahre, bis wieder ein Schweizer Bobsportler Olympiagold erhielt. Dem Appenzeller Beat Hefti wurde 2019 nachträglich die Goldmedaille von 2014 zugesprochen, weil der russische Sieger Alexander Subkow gedopt war. (dg)