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Der 80-Millionen-Dollar-Mann aus der Schweiz hebt ab

Der 24-jährige Genfer Clint Capela steigt dank eines neuen Vertrags als Multimillionär mit den Houston Rockets in die neue NBA-Saison. Die ersten Spiele finden in der Nacht auf Dienstag statt.
Peter Herzog
Clint Capela (links) springt nach dem Ball. (Bild: AP)

Clint Capela (links) springt nach dem Ball. (Bild: AP)

Im Sommer 2011 spielte der damals 17-jährige, 2,08 m grosse Genfer Clint Capela noch mit der Schweizer U18-Nationalmannschaft am Schwarzen Meer im bulgarischen Varna an der EM der Gruppe B. Capela war damals ein dünner, scheuer Junge. Aber mit seiner Sprungkraft und Energie dominierte er unter den Körben und hatte sich stets mit zwei gegnerischen Spielern herumzuschlagen. Aber unter die ersten zehn Teams kam die Schweiz damals nicht. Seine Mitspieler hiessen damals Branislav Kostic, der nun beim NLA-Club Starwings Basel spielt, oder Vincent Gaillard von Vevey Riviera Basket. Andere haben die Basketballschuhe bereits an den berühmten Nagel gehängt oder tummeln sich in unteren Ligen.

Das Spiel mit den Millionen

Capela aber steht vor seiner fünften Saison beim NBA-Club Houston Rockets und hat im Sommer einen Megavertrag unterschrieben. Er soll 80 Millionen Dollar brutto in fünf Jahren verdienen, wie US-Medien präzisierten. Dabei hatte man sich bei den Houston Rockets Sorgen gemacht, Capela könnte enttäuscht sein, weil er nicht den Maximalvertrag erhalten hat. Dieser, so wurde kolportiert, hätte wohl über 100 Millionen betragen. Houstons General-Manager Daryl Morey kennt die Verhandlungen mit sogenannten «restricted free agents», wie Capela diesen Sommer einer war. Er hatte die Erlaubnis, Angebote von andern Clubs zu prüfen. Hätte Houston aber mit diesen Angeboten gleichgezogen, wäre die Konkurrenz aussen vor gewesen.

Doch diese Angebote kamen offenbar nicht. Es sei heikel, meinte Morey, wenn bei diesem Deal der Spieler mit enttäuschten Gefühlen zurückbleibe. Coach Mike D’Antoni rief Capela gleich am Tag des Vertragsabschlusses an, wie er einer Zeitung in Houston erzählte. Er habe damals Capela gesagt:

«Du weisst: Jetzt hast du dein Leben für immer verändert. Du hast zwar nicht alles erhalten, was möglich gewesen wäre. Aber das sind die Regeln. So funktioniert das Business.»

Der 500'000-Dollar-Bonus

Aber 80 Millionen sind bereits ein gewaltiger Betrag für einen jungen Mann, der in seiner Jugend in Genf die Armut erlebt hatte. Seiner Mutter hatte er bereits mit seinem Rookie-Vertrag Schulden von 300000 Franken bis auf den letzten Rappen beglichen. Die NBA ist ein Millionenspiel. Und Capela spielte sich vergangene Saison in andere Sphären. Er ist der erste Spieler in der NBA, der in lediglich 28 Einsatzminuten auf einen Schnitt von 13 Punkten, zehn Rebounds und 1,8 blockierten Würfen kam. Er verwertete 65 Prozent seiner Würfe und führt damit die NBA in dieser Kategorie an. Und auch seine Freiwurfquote von 56 Prozent wird besser. In seiner ersten Saison traf er nur vier von 23 Freiwürfen, was lamentable 17,4 Prozent Trefferquote bedeutete.

Aber mit eisernem Willen hat er auch an dieser Schwäche gearbeitet. Im neuen Vertrag hat er eine Klausel festgeschrieben. Er erhält einen 500000-Dollar-Bonus, wenn er bei den Freiwürfen auf mindestens 65-Prozent-Trefferquote kommt. Mit 15,3 Millionen Dollar ist Capela kommende Saison der drittbestbezahlte Spieler der Rockets. Nur die beiden Superstars James Harden und Chris Paul verdienen mit jeweils über 35 Millionen mehr.

Ein Mann mit vielen Stärken

Capelas Rolle wird sich auch mit dem neuen Millionenvertrag nicht verändern. Er werde auch in Zukunft mit derselben Energie spielen, das Spielfeld rauf- und runterrennen müssen, all die diversen Dinge in der Defensive erledigen müssen, erklärte Capela. Und er ergäntze:

«Ich hatte schon vergangene Saison viel Verantwortung zu tragen. Druck spüre ich nicht. Ich will in Zukunft noch mehr bringen.»

Im Angriff wird Capela weiterhin unter dem Korb arbeiten, auf die Zuspiele von Harden und Paul lauern, wobei er den Ball oft in der Luft in den Korb wuchtet. Zudem hat Capela auch die wichtige Rolle, Blocks zu stellen, damit das in der NBA so dominante Pick-and-Roll gespielt werden kann. Houston gilt als eines der spektakulärsten Teams der Liga. Die Frage ist, ob es im Playoff seine Defensivschwächen ausmerzen kann. Da fällt Capela eine wichtige Rolle zu. Houstons Coach D’Antoni ist voll des Lobes. «Vergangene Saison kam Clint mit ein bisschen Übergewicht aus der Sommerpause. Diesmal ist er topfit erschienen.» Bei einem Testspiel verstauchte er sich indes die rechte Hand und verpasste die folgende Trainingspartie. Aber nach dem Röntgen gaben die Ärzte Entwarnung. Capela ist also bereit.

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