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DENKWÜRDIG: Der Schock sitzt zu tief

Einen Tag nach dem Anschlag auf den Teambus verliert Dortmund das Viertelfinal-Hinspiel in der Champions League gegen Monaco 2:3. Trainer Thomas Tuchel kritisiert die Neuansetzung.
Daniel Theweleit, Dortmund
Dortmunds Pierre-Emerick Aubameyang (rechts) gegen Monacos Kamil Glik. (Bild: Jan Hübner/imago)

Dortmunds Pierre-Emerick Aubameyang (rechts) gegen Monacos Kamil Glik. (Bild: Jan Hübner/imago)

Daniel Theweleit, Dortmund

Es war noch einmal eine neue Dimension, in die Hans-Joachim Watzke das Spiel vor dem Anpfiff hievte. Der Geschäftsführer von Dortmund bedankte sich bei der Mannschaft, «dass sie sich zur Verfügung stellt», und fügte an: «Weil unsere Demokratie und unsere freiheitliche Grundordnung auf dem Prüfstand stehen.» Am Tag nach dem Bombenanschlag auf den Mannschaftsbus sollten die Spieler nicht einfach nur ein Fussballspiel absolvieren, die Aufgabe bestand darin «ein Signal an die Welt zu senden», so Watzke.

Doch die Erlebnisse haben wohl doch tiefe Spuren hinterlassen. Dortmund fand lange nicht in dieses Spiel, produzierte ungewohnt schlimme Fehler und verlor am Ende mit 2:3. Die Chancen, den Halbfinal zu erreichen, sind eher kleiner geworden in dieser komplizierten Woche. Da ist es ein schwacher Trost, dass die Dortmunder an einem Tag, an dem sich alle irgendwie nach Normalität sehnten, tatsächlich eine sehenswerte Partie spielen konnten.

«Wir hätten uns mehr Zeit gewünscht»

Es sei auch darum gegangen, «uns abzulenken, etwas zu tun und im Fussball aufzugehen», sagte Dortmunds Trainer Thomas Tuchel, aber sie hatten sehr lange gebraucht, bis sie wirklich in diesem Spiel angekommen waren. Man habe «gemerkt, dass wir am Anfang nicht so frei spielen konnten, wie gewohnt», sagte Julian Weigl. Nach 19 Minuten bekamen die Monegassen einen Elfmeter zugesprochen, den sicher nicht jeder Unparteiische pfeift, doch Fabinho setzte den Penalty in der 16. Minute neben den Pfosten. Drei Minuten später gingen die Gäste mit 1:0 in Führung, Kylian Mbappé hatte den Ball am Ende eines Konters ins Tor bugsiert, allerdings war dem Treffer eine Abseitsstellung voraus gegangen. Und als Sven Bender kurz darauf ein spektakuläres Eigentor geköpfelt hatte, war klar, was Tuchel gemeint hatte, als er die Ansetzung der Partie keine 24 Stunden nach dem Anschlag kritisierte. Dass irgendwelche Uefa-Funktionäre zu einem Zeitpunkt Entscheidungen trafen, als das ganze Ausmass des Anschlages noch gar nicht absehbar war, enttäuschte den Trainer. «Wir hätten uns mehr Zeit gewünscht, aber die haben wir nicht bekommen.»

Wobei das Gefühl der Ohnmacht in der zweiten Halbzeit mehr und mehr einer bestens vertrauten Dortmunder Wucht wich. Christian Pulisic und Nuri Sahin waren nun im Spiel, und irgendwie schien die ganze Schwere von den Spielern abzufallen. Nach knapp einer Stunde traf Ousmane Dembélé zum 1:2 und der französische Leader stand nun unter Dauerdruck. Jedenfalls bis Lukasz Piszczek ein fürchterlicher Fehlpass unterlief, den Mbappé abfing und in der 79. Minute zum 1:3 nutzte. Shinji Kagawa gelang zwar noch das 2:3, über das Sahin später sagte, es sei «Gold wert», aber natürlich schmerzt diese Niederlage. Doch dieser Abend der Solidarität setzte zu spät beflügelnde Kräfte frei.

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