Dem Weltrhythmus auf der Spur

FRAUENFELD. Im Naturmuseum Thurgau gastiert mit «Rhythm Nature Culture» eine Ausstellung über Schlaginstrumente, die man nicht nur sehen, sondern auch hören soll. Zusammengetragen haben die Sammlung zwei Südtiroler, Max Castlunger und Emanuel Valentin.

Severin Schwendener
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Schlagwerksammler Emanuel Valentin (l.) und Max Castlunger. (Bild: Reto Martin)

Schlagwerksammler Emanuel Valentin (l.) und Max Castlunger. (Bild: Reto Martin)

«Mit Musik kann man sich auch verständigen, wenn man keine gemeinsame Sprache spricht», sagt Max Castlunger, der den Löwenanteil jener über 300 Schlaginstrumente besitzt, die derzeit in der Sonderausstellung «Rhythm Nature Culture. Die Welt der Schlaginstrumente» im Museum für Archäologie und Naturmuseum Thurgau zu sehen sind. Doch nicht nur zu sehen. «Die Instrumente sind alle spielbar, es ist Sinn und Zweck der Ausstellung, dass die Besucher die Instrumente auch ausprobieren», sagt Castlunger. Damit möchten er und sein Cousin Emanuel Valentin den Besucherinnen und Besuchern zeigen, was für Schlaginstrumente es in den unterschiedlichen Kulturkreisen dieser Welt gibt.

Angefangen hat Castlunger allerdings wie so viele mit der Blockflüte. Die Perkussion hat er mit fünfzehn Jahren durch seinen Cousin entdeckt – seither machen die beiden gemeinsam Musik. Die Sammelleidenschaft gepackt hat allerdings nur Castlunger. Er ist es auch, der ganz von der Musik lebt; mit über hundert Konzerten und unzähligen Kursen jedes Jahr trägt er seinen Rhythmus in die Welt hinaus.

Südtiroler Planetentrommel

Emanuel Valentin hat den theoretischen Weg eingeschlagen und Ethnologie studiert. «Die Sammelleidenschaft von Max und meine Ethnologie passen jedoch hervorragend zusammen», sagt er. Er verbindet die gesammelten Instrumente mit ihrem kulturellen Hintergrund.

Entstanden ist aus dieser fruchtbaren Zusammenarbeit, die man Symbiose nennen könnte, eine überaus interessante Ausstellung: eine Reise in die Rhythmen und Klänge der verschiedenen Regionen dieser Welt. «Wir haben ungefähr 500 Instrumente in der Sammlung», sagt Castlunger, «und die einzelnen Kulturen sind gut vertreten. Trommeln gibt es nämlich nicht nur in Afrika.»

So steht in der Ausstellung auch eine sogenannte «Planet Drum», eine in Südtirol gefertigte Kugel aus glasiertem Ton, die zwei Löcher hat. Durch Klopfen auf die Kugel und Bedecken der Löcher kann man die unterschiedlichsten Töne hervorzaubern. «Diese Vasen wurden von einer Lehrerin entwickelt, bei der ich vor Jahren in der Klasse war und meine Instrumente vorgestellt habe», erzählt Castlunger. «Die Frau hat als Hobby mit Keramik gearbeitet und sich dann von den traditionellen Klangvasen aus Afrika dazu inspirieren lassen, etwas Eigenes zu entwickeln.»

So hat jedes Stück in der Ausstellung seine Geschichte, auch das vollständige, rund 70 Jahre alte Gamelan-Orchester aus Bali oder das integrale Hang, das von zwei Berner Musikbauern entwickelt worden ist und mit dem sich Klänge produzieren lassen, die fast so klingen, als stammten sie aus einem Synthesizer.

Donnerstags ist Konzert

Eine persönliche Geschichte hat auch ein rund 90 Jahre altes Balafon aus Afrika. «An unserer ersten Ausstellung in Olten lernten wir Arlette Denkinger kennen», sagt Valentin. «Sie arbeitete als junge Lehrerin vier Jahre in Afrika, hat Instrumente gesammelt und unzählige Fotos gemacht.»

Arlette Denkinger hat ihnen das Balafon für ihre Sammlung geschenkt und ist an der Ausstellung mit ihren Fotos ebenfalls präsent. So, wie auch Freunde aus aller Welt die Konzerte bestreiten, die donnerstags stattfinden. Oder wie Castlunger sagt: «Musik verbindet. Auch wenn man keine gemeinsame Sprache spricht.»

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