Dem Nachwuchs vermehrt Schub geben

BOB. In St.Moritz fand die erste offizielle Monobob-Schweizer-Meisterschaft statt. Mit diesen Einzelbobs möchte Swiss Sliding den Nachwuchs fördern. In St. Moritz waren aber auch Ältere dabei: Etwa die für den Bobclub Frauenfeld startende Edith Burkhard (23).

Stephanie Martina
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Alleine durch den Eiskanal: Wer Monobob fährt, ist Anschieber, Fahrer und Bremser. (Bild: pd)

Alleine durch den Eiskanal: Wer Monobob fährt, ist Anschieber, Fahrer und Bremser. (Bild: pd)

Wenn es um die Nachwuchsförderung geht, hat jede Sportart ihr eigenes Rezept. Im Bobsport tut man dies seit einiger Zeit mittels Schlitten für eine Person. Mit dem sogenannten Monobob versucht Swiss Sliding in die Nachwuchsrekrutierung zu investieren. «Der Monobob macht jungen Bobinteressierten den Einstieg einfacher, da die Athleten nur für sich selbst verantwortlich sind», erklärt Reto Götschi, Geschäftsführer Swiss Sliding. Der Monobob sei ideal, um erste Erfahrungen im Eiskanal zu sammeln. Er sei leichter zu fahren als grössere Bobs und etwas langsamer. Zudem soll der geplante Einheitsbob einen späteren Umstieg zum Zweier- oder Viererbob erleichtern.

Mittel zur Nachwuchsförderung

Ob sich der Monobob im Bobsport durchsetzen wird, sei derzeit noch ungewiss. «Ich könnte mir vorstellen, dass auch Zweier- oder Viererbobfahrer auf den Monobob umsteigen würden, wenn der Sport attraktiver werden würde, indem es beispielsweise Preisgelder zu gewinnen gäbe», sagt Götschi. Doch vorerst wolle man damit in erster Linie den Nachwuchs fördern. Derzeit fahren in der Schweiz elf junge Athleten Monobob. «Das sind viele im Vergleich zu anderen Ländern», betont Götschi.

Der Verband sei bestrebt, bis zum kommenden Winter ein Team von zehn bis zwölf Jugendlichen im Alter von 15 bis 18 Jahren zusammenzustellen. «Mit diesen Jugendlichen wollen wir einen Winter lang sauber arbeiten, um sie auf die Jugendolympiade vorzubereiten, die 2016 im norwegischen Lillehammer stattfindet. Dort wird der Monobob erstmals eine olympische Disziplin sein», erklärt Götschi.

«Ein ganz anderes Fahrgefühl»

Edith Burkhard vom Bobclub Frauenfeld hat den Monobob bereits für sich entdeckt. «Ich habe im vergangenen Jahr damit begonnen», erklärt die Innerschweizerin. Seither bestritt sie einige Wettkämpfe. Anfang Monat nahm sie an der ersten offiziellen Monobob-Schweizer-Meisterschaft in St. Moritz teil und erreichte den elften Rang im Schlussklassement. «Es ist ein ganz anderes Fahrgefühl als im Zweierbob, weil man weniger Gewicht im Schlitten hat», sagt Burkhard.

An der Jugendolympiade 2016 kann die 23-Jährige altersbedingt nicht mehr teilnehmen. Doch Burkhard fiebert einem anderen internationalen Grossereignis entgegen: Den Olympischen Winterspielen 2018 in der südkoreanischen Stadt Pyeongchang.

Burkhard hat es sich zum Ziel gesetzt, nach den Rücktritten von Caroline Spahni und Fabienne Meyer in deren Fussstapfen zu treten. «Bisher fuhr ich Europacuprennen im Zweier. Geplant ist, dass ich kommende Saison im Weltcup mitfahren kann», sagt sie. Gemäss Reto Götschi hat Edith Burkhard gute Chancen, nächsten Winter ins A-Kader vorzurücken.

Für Junge und alle anderen

Nicht nur Junge haben den Monobob für sich entdeckt. Auch ältere Bobfans unternehmen gerne eine Fahrt im Einerbob. So auch Stephan Ritzler von der Technischen Kommission des Bobclubs Frauenfeld. «Der Monobob ist eine bequeme Art, um Bob zu fahren. Ich kann das Gefährt in St. Moritz mieten, fahren und anschliessend wieder abgeben», erklärt er.

Dadurch, dass kein Transport von Frauenfeld nötig sei, könne das Hobby mit wenig Aufwand und geringen Kosten betrieben werden. Ein weiterer Vorteil des Monobobs sei, dass Nachwuchsleute nicht zuerst als Anschieber oder Bremser beginnen müssten, sondern gleich selbst fahren könnten. Um Jungen einen Einblick in den Sport zu geben, veranstaltet der Bobclub Frauenfeld während der Saison regelmässig Schnuppertage in St. Moritz.