Glosse

Deluxe-Angebot am «Engadiner» ist kein Kassenschlager

Die Organisatoren des Engadin Skimarathon bieten für 500 Franken ein Deluxe-Programm an, mit Zmorge und vereinfachtem Startprozedere ohne Warten. Doch das Angebot kommt schlecht an. Langläufer haben es lieber ungemütlich.

Ralf Streule
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Anstehen in der Wartebox? Kein Thema für Deluxe-Läufer. (Bild: Gian Ehrenzeller/KEY - 9. März 2015)

Anstehen in der Wartebox? Kein Thema für Deluxe-Läufer.
(Bild: Gian Ehrenzeller/KEY - 9. März 2015)

Der Schnee in den Bergen ist da. Weihnachten ebenfalls. Zeit für die Organisatoren des Engadin Skimarathon, auf eine Geschenkidee hinzuweisen: Ein Wohlfühl-Paket für Teilnehmer des Engadiners im kommenden März. Der Name: «Marathon Deluxe». Mit Zmorge im Hotel beim Startgelände, mit Zmittag im Ziel und ohne das lange Anstehen im Startblock. Mit 500 Franken erkaufen sich Läufer damit nicht nur einen Zmorge und Wärme, sondern wohl auch eine etwas schnellere Laufzeit. Denn während die Kategoriengegner im Sportlergehege mit klammen Fingern und blauen Backen auf ihren Start warten, machen sich Deluxe-Langläufer als erste ihrer Stärkeklasse um einiges entspannter auf den Weg.

Langläufer leiden leidenschaftlich gerne

Ein Deluxe-Paket für Langläufer zu Weihnachten? Das ist, als legte man Bruce Willis ein rosa Frottee-Pyjama unter den Christbaum. Oder als schenkte man Reinhold Messner eine Wanderung auf die Hundwiler Höhe. Wir wissen doch alle: Langläufer leiden leidenschaftlich gerne. Sie fühlen sich erst wohl, wenn an ihren Bärten gefrorene Speichelreste kleben. Sie mögen es, vor dem Engadiner in der Höhenlage schlecht zu schlafen, viel zu früh aufzustehen und sich in einen nach Dul-x riechenden, überfüllten RhB-Zug zu setzen, mit Tunnelblick und den Ski des mürrischen Nebenmannes im Gesicht. Am Start dann das Ausharren in der Kälte, eingepfercht in der Startbox. «Das gehört zum Erlebnis!», sagen Engadiner-Jubilare.

Nur 30 von 100 Plätzen sind bisher verkauft

Richtig geraten: Der Erfolg mit dem Deluxe-Programm ist bisher ausgeblieben. Das Angebot läuft seit mehreren Wochen, von den 100 feilgebotenen Plätzen sind bisher erst rund 30 verkauft, wie Catherine Fischer sagt, die stellvertretende Engadiner-Geschäftsleiterin. 30! Das entspricht 0,3 Prozent der jährlich etwa erwarteten rund 10 000 Teilnehmer. Abschreiben will man die Idee dennoch nicht. Vielleicht erhält das Angebot ja erst Zuspruch, wenn die herkömmlichen Plätze wie im vergangenen März ausverkauft sein sollten.

"Käuflich sind wir nicht!"

Die schwierige Suche nach Sponsoren habe die Verantwortlichen auf die Deluxe-Idee gebracht, sagt Fischer. Man sehe das Ganze quasi als Gönner-Aktion für den Volkslauf. Wer das Programm wählt, unterstützt gleichzeitig den Engadiner. Als Gegenleistung erhalte der Gönner, wie bei vielen anderen Veranstaltungen halt, ein paar Supplements. Es bleibt die Frage: Ist es legitim, dass sich Langläufer Vorzüge in einem sportlichen Wettbewerb erkaufen können? Es sei wohl tatsächlich ein Vorteil, ohne Stress an den Start gehen zu können, gibt Fischer zu. Dieser Vorteil sei aber sportlich gesehen klein. «Käuflich sind wir nicht!», sagt Fischer. Schon oft hätten sich Hobbysportler in vordere Startkategorien einkaufen wollen, was man natürlich nicht mitgemacht habe. Kritik an der Aktion habe es von Läufern nicht gegeben, zuweilen gebe es aber die Rückmeldung, dass sich ein Deluxe-Läufer doch um einen wichtigen Teil des Anlasses bringe. Eben: «Das Leiden gehört zum Erlebnis!» Vielleicht gehört 2019 für den Normalo-Läufer ja auch zum Erlebnis, von der Wartebox aus die Deluxe-Läufer auszupfeifen. Sofern es die klammen Finger zulassen.