Del Curto: "Du musst das Siegen lernen"

Vielen Experten zum Trotz feierte der HC Davos mit einem 3:0-Auswärtssieg gegen die ZSC Lions den 31. Meistertitel. Die Bündner präsentieren sich als hungrige und ausgeglichene Mannschaft mit einem überragenden Goalie und letztlich einem zerschlagenen Pokal.

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Der zerbrochene Pokal. (Bild: Keystone)

Der zerbrochene Pokal. (Bild: Keystone)

Arno Del Curto hatte vor der Saison einmal mehr tiefgestapelt und die Wahrscheinlichkeit, in den Playoff-Viertelfinals zu scheitern, als grösser eingestuft, als die Halbfinals zu erreichen. Die sogenannten Experten pflichteten ihm diesmal auf Grund des Umbruchs in der Mannschaft bei. Der HCD schien schwächer zu sein. Allerdings spürte Del Curto bereits im September, dass "hier etwas entsteht. Die Mannschaft war breiter besetzt, der vierte Block stärker." Wie schnell alles ging, überraschte allerdings auch den Erfolgscoach, der den HCD zum sechsten Mal zum Meistertitel geführt hat. "Du musst das Siegen lernen", so Del Curto.

Es zeigte sich, über welch guten Riecher Del Curto verfügt, schlugen doch die neu verpflichteten Spieler allesamt ein. Mauro Jörg beispielsweise hatte zuvor in einer NLA-Qualifikation nie mehr als fünf Tore erzielt, diesmal schoss er nicht weniger als 14 Tore (total 16). Einen noch grösseren Leistungssprung machte der 20-jährige Dario Simion, der alleine in den Playoffs fünf Tore und vier Assists erzielte. Insgesamt kam er auf 36 Skorerpunkte. Der Königstransfer war aber Félicien Du Bois. Del Curto bezeichnete den Verteidiger als "letztes Puzzlestein". Dank ihm sei es für die jungen Defensivspieler einfacher gewesen zu wachsen. "Mit den neuen Spielern ist der Hunger mehr zurückgekommen", sagte Captain Andres Ambühl.

Weniger Verletzungen
Hilfreich war zudem, dass es beim HCD weniger Verletzungen gab, was auch auf zwei zusätzliche Physiotherapeuten zurückzuführen ist. Im Weiteren wurde der zurückgetretene Michel Riesen als Schusstrainer verpflichtet und Besa Zinzadse als Powerskating-Coach eingestellt. All diese Optimierungen zahlten sich aus. "Wir wussten, dass wir nicht so schlecht sind, wie alle gesagt hatten", so Ambühl.

Die Davoser überzeugten als starkes Kollektiv, was durch die Statistik unterstrichen wird. Nicht weniger als 18 Spieler trugen sich in den Playoffs in die Torschützenliste ein - alle punkteten. "Wenn die eine Linie keinen so guten Tag hatte, dann ist die nächste eingesprungen. Es ist schwieriger für den Gegner, wenn es jede Linie in der Offensive richten kann. Es war eine grossartige Teamleistung", sagte Ambühl. In die gleiche Richtung äusserte sich der ebenfalls zu den Routiniers gehörende Beat Forster: "Die Jungen haben sensationell gespielt, ergänzten uns erfahrene Spieler sehr gut." Der Mix in der Mannschaft sei fantastisch gewesen.

Einer ist aber dennoch hervorzuheben, nämlich Torhüter Leonardo Genoni. Der 27-Jährige brachte es während den gesamten Playoffs auf eine Abwehrquote von 94,29 Prozent, im Final hielt er 94,25 Prozent aller Schüsse. Das sind exzellente Werte. "Er ist ein unglaublicher Goalie", sagte Ambühl. Für Forster war Genoni "das wichtigste Puzzlestein. Er hat uns einige Partien in den drei Serien gerettet."

"Das Glück war auf unserer Seite"
Genoni selber gab sich bescheiden: "In den Playoffs ist ein Ruck durch die Mannschaft gegangen. Es ist alles für uns gelaufen. Das Glück war auf unserer Seite." Das Glück hat sich die Mannschaft allerdings erkämpft. Es ist kein Zufall, wenn eine Equipe jedes Mal gewinnt, wenn es zu einer Verlängerung oder einem Penaltyschiessen kommt - dies war in den 15 Playoff-Spielen viermal der Fall. "Jeder hat daran geglaubt", so Forster. "Wir wollten den Sieg in allen Serien mehr als der Gegner. Darum wurden wir verdient Meister."

Der zerbrochene Pokal. (Bild: Keystone)

Der zerbrochene Pokal. (Bild: Keystone)

Weniger Glück hatte die Mannschaft mit ihrem Pokal. Dieser Zerschlug in Stücke, nachdem ihn ein Davoser fallen liess. Es handelte sich um Paul Berry, ein HCD-Urgestein im Betreuerstab. Die Spieler nahmen das Missgeschick mit Humor - schliesslich ändert ein kaputter Pokal auch nichts daran, dass der Titel für die Spieler eine spezielle Bedeutung hat: Forster fand es schön, dass sie die Kritiker in die Senkel hätten stellen können, nachdem sie zuvor drei schwierige Jahre gehabt hätten. Ambühl bezeichnete den Titel deshalb als "speziell und cool für die Zukunft, weil ihn uns niemand zugetraut hatte." Er blickte jedoch bereits voraus: "Aber wir wissen auch, dass es in der nächsten Saison vielleicht einiges schwieriger wird."

Nicht umsonst gelang es letztmals den Lions im Jahr 2001, den Titel erfolgreich zu verteidigen. Es wird spannend zu sehen sein, wie die jungen HCD-Spieler mit dem neuen Druck umgehen, ob sie weiter so hungrig bleiben wie Del Curto. "Ich rede immer von einer Sinfonie, und die haben wir noch nicht ganz geschafft. In dem Moment, in dem wir hart spielen, verlieren wir das Tempo und das 'Tiki-Taka'. Heute (Samstag) haben wir im zweiten Drittel nur gespielt und dafür die Härte verloren. Das muss man lernen." Für die Gegner klingt das wie eine Drohung. (si/jar)

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