Women's Super League
Ballsicherheit und Physis als Mankos: St.Gallen-Staad verliert beim Rückrundenauftakt gegen Zürich mit 0:3

Die Fussballerinnen von St.Gallen-Staad zeigen sich gegen die Zürcherinnen zu wenig sicher im Spiel mit Ball. Nicht nur die sportliche Leistung sorgt für Gesprächsstoff.

Nico Conzett
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Es gibt zu tun: Die St.Gallerinnen um Ronya Böni (rechts) müssen nicht nur gegen Zürich viel arbeiten, sondern auch in den kommenden Trainingswochen.

Es gibt zu tun: Die St.Gallerinnen um Ronya Böni (rechts) müssen nicht nur gegen Zürich viel arbeiten, sondern auch in den kommenden Trainingswochen.

Bild: Ralph Ribi

Nur gerade sieben Minuten waren beim Rückrundenauftakt der Frauen des FC St.Gallen-Staad gegen den FC Zürich gespielt, als sich die Schiedsrichterin gezwungen sah, die Partie zu unterbrechen und einige ernste Worte an die Spielerbank der St.Gallerinnen zu richten. Sie galten Cheftrainer Marco Zwyssig, der sich fluchend und wild gestikulierend über einen ausgebliebenen Pfiff der Unparteiischen enervierte.

Mühe mit dem Zürcher Pressing

Gut möglich, dass es sich bei Zwyssigs Gebaren weniger um eine Reaktion auf die vermeintliche Fehlentscheidung handelte als vielmehr um einen emotionalen Ausbruch aufgrund des wenig vielversprechenden Starts seines Teams in die Partie. Die St.Gallerinnen bekamen in den Anfangsminuten kaum Luft zum Atmen. Die Rekordmeisterinnen und aktuell drittplatzierten Zürcherinnen standen von Beginn weg extrem hoch und setzten das Heimteam stark unter Druck.

Konnten die St.Gallerinnen einen Angriff unterbinden, mussten sie den Ball spätestens nach zwei Passversuchen wieder abgeben – die Zürcherinnen dominierten das Mittelfeld. So entstand auch die erste Grosschance des Spiels. Die Ostschweizerinnen blieben ein weiteres Mal am Zürcher Gegenpressing hängen, woraufhin der Ball zu Nationalspielerin Meriame Terchoun gelangte, welche das Spielgerät aus gut 20 Metern Entfernung an die Lattenoberkante hämmerte.

Das Problem mit den ruhenden Bällen

Die Wucht von Terchouns Lattenknaller schien die St.Gallerinnen zu wecken. Nach zehn Minuten hatten sie die erste längere Ballbesitzphase, tauchten erstmals in der Hälfte des Gastteams auf – und erzielten mit dem ersten schnörkellos vorgetragenen Angriff direkt den Führungstreffer.

Dieser enthielt einen kleinen, jedoch bedeutenden Schönheitsfehler: Passgeberin Serena Li Puma stand vor ihrem Zuspiel für Stephanie Brecht hauchdünn im Abseits. Anschliessend mussten sich die St.Gallerinnen wiederum vermehrt auf das Verteidigen beschränken, was sie mit viel Einsatzfreude machten.

Undankbarer Abend: Die St.Galler Torhüterin Fabienne Oertle hat nicht viel zu tun - muss aber trotzdem dreimal hinter sich greifen.

Undankbarer Abend: Die St.Galler Torhüterin Fabienne Oertle hat nicht viel zu tun - muss aber trotzdem dreimal hinter sich greifen.

Bild: Andy Müller/Freshfocus

In der 19. Minute jedoch hatte Trainer Zwyssig erneut Grund zu hadern, denn ein altbekanntes St.Galler Problem bescherte den Zürcherinnen die Führung: Ein stehender Ball von FCZ-Mittelfeldstrategin Martina Moser segelte durch den St.Galler Strafraum und fiel den Zürcherinnen gleich zweimal vor die Füsse. Den ersten Versuch parierte Torhüterin Fabienne Oertle auf der Linie, beim zweiten war auch sie machtlos.

Taktische Umstellungen tragen Früchte

Zwyssig versuchte im Anschluss an das Gegentor mit einem Systemwechsel auf ein 5-4-1 Einfluss zu nehmen, um die nach wie vor vorhandene Unterlegenheit im Mittelfeld zu kompensieren. Und die Massnahme zeigte Wirkung. Das Heimteam wirkte stabiler, liess kaum weitere vielversprechende Zürcher Angriffe zu. Im Mittelfeld entschieden Géraldine Ess und Jennifer Wyss nun mehr Zweikämpfe für sich.

Es war die beste Phase des Heimteams in der bisherigen Partie – und ausgerechnet in dieser erzielten die Zürcherinnen das zweite Tor. Ein Sonntagsschuss oder eine verunglückte Flanke - je nach Interpretation - von Seraina Piubel segelte über Torhüterin Oertle hinweg ins lange Eck.

Wenig ereignisreiche zweite Hälfte

Die Ausgangslage für die zweite Halbzeit war damit denkbar ungünstig. Zwyssig versuchte mit den Einwechslungen von Toptorjägerin Ardita Iseni und der erst im Winter zum Team gestossenen Nachwuchsspielerin Yael Aeberhard für den dringend benötigen Schwung in der Offensive zu sorgen. Im Vergleich zu seiner Systemumstellung in der ersten Halbzeit trugen die neuerlichen taktischen Massnahmen keine Früchte. Die Einwechselspielerinnen kamen nicht über einige gute Akzente hinaus.

Gute Akzente, aber nicht mehr: Toptorjägerin Ardita Iseni (vorne) kommt zur Pause.

Gute Akzente, aber nicht mehr: Toptorjägerin Ardita Iseni (vorne) kommt zur Pause.

Bild: Ralph Ribi

Das Spiel plätscherte damit in den zweiten 45 Minuten grossmehrheitlich vor sich hin – die Gäste aus Zürich suchten nicht mehr mit aller Konsequenz den Weg nach vorne, erzielten aber dennoch nach einer schönen Kombination den dritten Treffer, wodurch der Spielausgang besiegelt war.

Es fehlt eine Mittelfeldstrategin

Für Ronya Böni, die in der Innenverteidigung nach ihrer Verletzungspause ein gutes Spiel zeigte, war nach der Partie klar, wo ihr Team Steigerungspotenzial hat:

«Wir müssen unbedingt mehr Kontrolle im Spiel mit Ball hinbekommen.»

Während die Zürcherinnen mit der 129-fachen Schweizer Nationalspielerin Martina Moser eine Strategin hatten, die sich stark zwischen den Linien bewegte und als Schnittstelle zwischen Offensive und Defensive fungierte, fehlte bei den St.Gallerinnen an diesem Abend ein Akteurin mit solchen Qualitäten. Géraldine Ess und Jennifer Wyss sowie Yael Aeberhard in der zweiten Halbzeit waren zwar bemüht, glänzten aber eher mit ihrer Einsatzbereitschaft als mit der Spielgestaltung.

Géraldine Ess überzeugt mit ihrer Einsatzbereitschaft, offensiv gelingt ihr aber nicht viel.

Géraldine Ess überzeugt mit ihrer Einsatzbereitschaft, offensiv gelingt ihr aber nicht viel.

Bild: Ralph Ribi

Trainer Zwyssig sah nebst der fehlenden Ballsicherheit einen weiteren Grund für die Niederlage:

«Die Vorbereitung war zu kurz, wir sind physisch noch nicht auf dem erforderlichen Level.»

Ihm sei bewusst, dass die Zürcherinnen gleich lang Zeit hatten, sich vorzubereiten. Jedoch fielen bei seinem Team physische Defizite mehr ins Gewicht, da sie in solchen Spielen viel defensive Arbeit verrichten müssten.

Die Baustellen sind erkannt

Positiv ist aus St.Galler Sicht die an sich solide Defensivleistung – die Zürcherinnen erspielten sich über die gesamte Partie vier gute Chancen, von denen sie drei verwerten - und dass die Baustellen erkannt sind. Viel Zeit diese zu beheben, bleibt indes nicht. Bereits am nächsten Samstag steht die Partie gegen Tabellennachbar GC an, welche nicht nur aufgrund der Tabellensituation Zündstoff birgt (siehe unten).

GC sorgt für Unmut bei der Konkurrenz

Mehreren Spielerinnen verschiedener Teams der Women’s Super League liegen lukrative Angebote des Grasshopperclubs Zürich vor, darunter auch der St.Galler Toptorjägerin Ardita Iseni. Die Rede ist von monatlichen Gehältern von bis zu 6000 Franken, für den Schweizer Frauenfussball enorme Summen.

Die St.Galler Sportchefin Sandra Egger begrüsst grundsätzlich, dass ein Verein in den Frauenfussball investieren möchte, wie sie gegenüber SRF erklärt. Der Zeitpunkt der Angebote, kurz vor Rückrundenstart, und die Absicht, die Spielerinnen per sofort zu verpflichten, erhitzt aber die Gemüter, nicht nur bei den Ostschweizerinnen. Auch Akteurinnen des FC Zürich und des FC Luzern sollen Angebote erhalten haben.

St.Gallen-Stürmerin Iseni zeigte sich indes erfreut über das Angebot, betonte aber auch, dass sie sich gut überlegen müsse, wie sie entscheide.