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David hat's nicht leicht

Am Wochenende spielt im Cup wieder David gegen Goliath, wobei Montlingen mit dem FC Basel das grosse Los gezogen hat. Doch der vermeintliche Glücksgriff beinhaltet auch viele Unannehmlichkeiten.
Laura Inderbitzin
Fussball auf dem Land: Super-League-Vereine gastieren im Cup bei kleinen Dorfvereinen und sorgen für Wirbel. (Bild: Salvatore Di Nolfi/Keystone)

Fussball auf dem Land: Super-League-Vereine gastieren im Cup bei kleinen Dorfvereinen und sorgen für Wirbel. (Bild: Salvatore Di Nolfi/Keystone)

Ein grosser Super-League-Club zu Gast auf dem Rasen des Dorfclubs – davon träumt jeder Unterklassige im Cup. Dann heisst es Favorit gegen Aussenseiter, Nationalspieler gegen Hobbyfussballer, und eine ganze Region ist wie elektrisiert. In solchen Spielen kann Fussballgeschichte geschrieben werden.

Doch ein Traumlos wie zum Beispiel Zürich oder Basel kann für kleine Clubs auch schnell zur Last werden. «Der Aufwand ist sehr gross», sagt Fabian Elser, Leiter des zehnköpfigen Projektteams vom FC Montlingen. Das 2.-Liga-Team aus dem Oberrheintal spielt am Samstag um 18.15 Uhr gegen Basel.

Die Anforderungen rund um ein solches Cupspiel sind hoch und für einen Dorfverein manchmal fast nicht zu stemmen: Der bescheidene Fussballplatz wird in ein Mini-Stadion verwandelt, es braucht ein ausgereiftes Sicherheitskonzept und ein Polizeiaufgebot.

Kritik am Fussballverband

Das hat der FC Baden im vergangenen Jahr erlebt. Er traf im Cup auf St. Gallen. Doch wegen der hohen Kosten – der Präsident sprach von einem Betrag in sechsstelliger Höhe und kritisierte die hohen Anforderungen – hatte der Club aus der 1. Liga sogar erwogen, die Partie Forfait zu verlieren. Baden hat das Spiel dann trotz allem zu Hause durchgeführt. Doch nicht alle Unterklassigen sind bereit, solche finanziellen Risiken einzugehen. Vor zwei Jahren trat beispielsweise der SC Kriens sein Heimrecht an den FC Luzern ab.

Vielleicht ein Wunder

Im Cup schlägt die Stunde der kleinen Vereine. Hier haben sie die Chance, grosse Clubs zu fordern und sich in ihrem Dorf unsterblich zu machen. Für den FC Montlingen dürfte das aber besonders schwer werden: Der
FC Basel stolpert so gut wie nie über unterklassige Gegner, und in den vergangenen zwölf Jahren stand er achtmal im Cupfinal. «Die Favoritenrolle ist eindeutig verteilt. Aber wer weiss – im Cup ist alles etwas speziell. Vielleicht schaffen wir die Überraschung», sagt Fabian Elser, Projektleiter beim FC Montlingen. (lai)

Kriens ist kein Einzelfall. Es kam schon öfter vor, dass kleine Clubs auf ihr Heimrecht verzichtet haben. Der Schweizerische Fussballverband SFV stand deshalb schon mehrmals in der Kritik. Es hiess, die Anforderungen seien zu hoch und dass Dorfclubs deshalb ihr Heimrecht abtreten müssten, sei inakzeptabel. Das widerspreche dem Cup-Gedanken. «Hier gibt es immer mal wieder Diskussionen», bestätigt ­Daniel Eder, Projektmanager Schweizer Cup beim SFV. Aber grundsätzlich finde man meistens eine Lösung, und beim Spiel von Montlingen gegen Basel gebe es keine Probleme. «Es stand nie zur Diskussion, das Spiel nicht bei uns in Montlingen durchzuführen», sagt auch Elser.

Doch wo liegt der Unterschied zum FC Baden? Wieso beschwerte sich Baden über die Anforderungen und Montlingen hat nichts zu klagen? «Der SFV ist bei beiden Clubs gleich vorgegangen», sagt Eder. Allerdings würden sich die kantonalen Gesetze stark unterscheiden. «So werden die Sicherheitskosten überall anders abgerechnet.» Der FC Montlingen muss beispielsweise das Polizeiaufgebot nicht selber bezahlen. «Das ist aber nicht in allen Kantonen so. Deswegen können die Kosten der Clubs stark variieren – darauf hat der SFV keinen Einfluss.»

Der Kanton St. Gallen scheint zwar ein günstigeres Pflaster für solche Cupspiele zu sein. Und trotzdem: Das Cupspiel in Montlingen bedeutet viel Aufwand. Fabian Elser sagt auf die Frage, wie viele Stunden er und das OK schon investiert haben: «Viele, viele, unglaublich viele.» Es gebe unvorstellbar viel zu organisieren: Verpflegung. Toiletten. Stadion. Sicherheit. Medien. Verkehr.

Elser erwartet am Samstag auf dem Kolbenstein rund 4500 Zuschauer. An einem normalen Meisterschaftsspiel in der 2. Liga sind es 400. «Anstatt einen Grill, haben wir am Samstag fünfzehn. Und anstatt zehn Helfer sind es hundertzwanzig.»

Nur dank Freiwilligenarbeit

Elser sagt aber, dass sie gut auf das Spiel vorbereitet seien, das auch live auf SRF 2 übertragen wird. Die Auflagen vom SFV seien «human», sagt Elser. Wie erwartet, mussten sie eine Sicherheitsfirma engagieren, die Polizei aufbieten und für den Transport der Basler Anhänger zum Teil Strassen sperren. Im Stadion müssen zudem die heimischen Zuschauer von den Gästen getrennt sein. Montlingen löst das unkompliziert. «Wir stellen einen Verpflegungswagen als Barriere hin. Gitter wollten wir nicht. Es soll keine Festung sein.»

Elser erwartet, dass trotz allem ein kleiner Gewinn für Montlingen rausschaut. Er betont aber: «Das ist einzig und allein möglich, weil jeder vom Verein freiwillig mithilft.»

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