DATENLECK: Fussball-Weltstars in Steuerskandal verwickelt?

Auf dem grünen Rasen sind sie Superstars. Nun geraten Top-Kicker wie Cristiano Ronaldo oder Mesut Özil wegen angeblicher Steuertricksereien in die Negativschlagzeilen. Sie sollen Millionen vor dem Fiskus versteckt haben.

Drucken
Teilen
Macht abseits des grünen Rasens von sich reden: Cristiano Ronaldo. (Bild: MARISCAL (EPA EFE))

Macht abseits des grünen Rasens von sich reden: Cristiano Ronaldo. (Bild: MARISCAL (EPA EFE))

Daten im Umfang von 1,9 Terabyte habe die Enthüllungsplattform Football Leaks dem "Spiegel" zur Verfügung gestellt, schrieb das deutsche Nachrichtenmagazin am Freitagabend auf seiner Website. Das entspreche dem Datenumfang von 500'000 Bibeln. Im Material sollen sich 18,6 Millionen Dokumente befinden - so beispielsweise Originalverträge von Fussballstars, aber auch Nebenabsprachen, Mails oder sonstige Dokumente. "Spiegel"-Mitarbeiter haben die Daten gemeinsam mit rund 60 weiteren Journalisten eines Recherchenetzwerks ausgewertet - und legen nun erste Ergebnisse vor.

Werberechte verkauft
Laut den Erkenntnissen des "Spiegel" soll Cristiano Ronaldo, Superstar von Real Madrid und der portugiesischen Nationalmannschaft, jahrelang eine Briefkastenfirma auf den British Virgin Islands genutzt haben. Über diese habe er Werbeeinnahmen in der Höhe von rund 75 Millionen Euro kassiert, schreibt der "Spiegel". Steuern soll Ronaldo auf diese Beträge so gut wie keine bezahlt haben. "Kurz bevor Ronaldos Steuerprivileg Ende 2014 auslief, verkaufte er ausserdem im Voraus seine Werberechte bis 2020 an zwei weitere Briefkastenfirmen auf den British Virgin Islands. Der Erlös, noch einmal knapp 75 Millionen Euro, landete auf seinem Konto bei einer Schweizer Privatbank", heisst es im "Spiegel"-Artikel.

In Spanien laufe derzeit eine Steuerprüfung gegen Ronaldo - wie auch gegen andere Sportstars, berichtet das deutsche Magazin unter Berufung auf eine Anwaltskanzlei, die den Portugiesen vertritt. Man gehe aber davon aus, dass die Behörden keine Beanstandungen hätten, so die Anwaltskanzlei.

Auch Özil in der Bredouille
Auch der deutsche Nationalspieler Mesut Özil, von 2010 bis 2013 Cristiano Ronaldos Teamkollege bei Real Madrid, soll Probleme mit dem Fiskus haben. Die spanische Steuerbehörde habe von ihm eine Nachzahlung von über 2 Millionen Euro verlangt und ihm auch einen Strafzuschlag von gegen 800'000 Euro aufgebrummt, berichtet der "Spiegel". Hintergrund: Als Özil im Sommer 2010 zu Real Madrid wechselte, soll der Verein Özils Berater für zwei Spielzeiten ein Honorar von insgesamt 1,2 Millionen Euro garantiert haben. Nach Özils Wechsel zu Arsenal im Jahr 2013 soll der britische Verein mit dem neuen Berater des Offensivakteurs ebenfalls ein Honorar vereinbart haben. Wie die spanischen Steuerbehörden finden, wäre es an Özil persönlich und nicht an seinen Klubs gewesen, die Spielerberater zu entlöhnen. "Folglich werteten sie diese Zahlungen als Einkommensvorteil für Özil, den der Fussballprofi zu versteuern habe", schreibt der "Spiegel".

Die Steuernachzahlung inklusive Verzugszinsen habe Mesut Özil zunächst beglichen, heisst es im "Spiegel"-Artikel. Die Strafzahlung sei hingegen ausgesetzt worden, weil Özil Widerspruch gegen die Nachzahlung eingelegt habe. (red.)