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Daten im Skispringen: Dem Supersprung auf der Spur

Ein kleiner Sensor auf den Ski soll bald neue Erkenntnisse zum perfekten Sprung liefern. Die FIS sieht viele Vorteile – die Athleten sind noch zurückhaltend. Profitieren dürfte der TV-Zuschauer, der zunächst mit dataillierten Geschwindigkeits-Angaben, später mit ausführlichen Grafiken bedient werden soll.
Ralf Streule
Wie schnell, wie hoch? Sprünge wie jene von Simon Ammann, hier beim Weltcupspringen in Engelberg vor einem Jahr, sollen genaustens vermessen werden. (Bild: Gian Ehrenzeller/KEY)

Wie schnell, wie hoch? Sprünge wie jene von Simon Ammann, hier beim Weltcupspringen in Engelberg vor einem Jahr, sollen genaustens vermessen werden. (Bild: Gian Ehrenzeller/KEY)

Skispringen ist die Sportart mit weit mehr als sieben Siegeln. Jeder Athlet ist auf der Suche nach seinem ganz persönlichen «Flugsystem», wie es oft heisst. Armstellung, Ski-Anstellwinkel, Ski- und Schuhhärte, V-Öffnung – etliche Details spielen mit. Und auch erfahrene Athleten wie Simon Ammann stehen oft an, wenn es darum geht, das Geheimnis eines perfekten Fluges dem Sportinteressierten zu erklären. Genau jenes «Geheimnis des guten und schlechten Sprungs» soll in dieser Saison mit Hilfe der Technik gelüftet werden. So formulierte es kürzlich Walter Hofer, Renn­direktor der Skispringer beim internationalen Skiverband FIS.

Noch machen nicht alle TV-Stationen mit

Wenn die Athleten heute in Wisla in die Weltcupsaison starten, wird die Technik zwar noch nicht eingesetzt. Die Daten werden vorerst nur erhoben, wenn TV-Stationen den Datendienst von FIS und Swiss Timing überhaupt in Anspruch nehmen und dafür in die Tasche greifen wollen. In Wisla und in Ruka am folgenden Wochenende ist dies noch nicht der Fall, am 9. Dezember in Titisee-Neustadt soll dann Premiere sein. Später sollen die Springen der Vierschanzentournee, jene in Willingen, Lahti oder voraussichtlich die WM-Springen in Seefeld von der Technologie profitieren, sagt FIS-Sprecher Horst Nilgen.

Rote Dosen in der Grösse einer Streichholzschachtel werden dann an den Skis der Springer angebracht. Mittels Spezialkameras am Rand der Sprunganlage können Geschwindigkeit und Flughöhe ermittelt werden. Zudem werden Daten zur Skihaltung geliefert: zum Zeitpunkt, wann die Ski geöffnet werden, zum Winkel der V-Öffnung und zum Anstellwinkel. Detaillierter als bisher soll auch erhoben werden, ob der Athlet den Sprung am Tisch rechtzeitig auslöst.

Ammann: Skepsis verfliegt langsam

Während die FIS von einer Entschlüsselung des perfekten Sprungs spricht, war bei Athleten und Trainern lange Zurückhaltung zu spüren. Als die FIS im vergangenen Winter erste Tests durchführte, sprach Ammann in der «NZZ» von der Befürchtung, dass mit dem angebrachten Sensor das Schwingungsverhalten der Ski verändert werden könnte. Nun, da die Technik obligatorisch für alle Athleten eingeführt wird, sieht er vor allem das Positive der Neuerung. Auch wenn er selbst noch nie mit dem Sensor geflogen ist, sagt er: «Wir werden interessante Rückmeldungen erhalten.» Fragezeichen setzt er noch bei der Präzision der Daten.

Berni Schödler, Chef der Schweizer Skispringer, sagt: «Wir haben grundsätzlich ein grosses Interesse an Daten in unserem Sport.» Er weiss aber auch: «Meist werfen Daten mehr Fragen auf als dass sie beantworten.» Und Schödler spricht eine oft zu hörende Kritik an, auch wenn er sie selbst nicht unbedingt teilt: Viele Athleten befürchten, für die Konkurrenz besser les- und kopierbar zu werden. Zum Beispiel erhebt der deutsche Verband für seine Athleten schon länger genaue Daten – nun werden gewisse Informationen auch anderen Nationen zugänglich, da die FIS-Daten für alle Teams öffentlich zugänglich sein sollen. Ammann relativiert diese Problematik. «Am Ende ist entscheidend, was der Einzelne aus den Daten herauszieht.» Will heissen: Ein perfekter Flug eines Konkurrenten lässt sich kaum auf das eigene Flugsystem übertragen.

Machen die Daten das Skispringen sicherer?

Die FIS spricht davon, dass mit den Daten die Trainingssteuerung verbessert werden kann. Auch Schödler sieht Chancen fürs Coaching. Noch aber sind die Sensoren nicht fürs Training vorgesehen. In Einsiedeln soll es ab 2019 für die Schweizer allenfalls möglich sein, die Sensorentechnik auch ausserhalb der Wettkämpfe einzusetzen. Gemäss der FIS sollen die Daten mithelfen, die Sicherheit der Weltcup-Schanzen abzuschätzen – und allenfalls Anpassungen bei einzelnen Anlagen zu machen.

Grafiken für Zuschauer erst in einem zweiten Schritt geplant

Und nicht zuletzt soll auch der TV-Zuschauer profitieren, wenn auch vorerst noch im kleinen Mass. Die Fernsehstationen erhalten die Geschwindigkeitsangaben dann nicht nur beim Absprung, sondern auch in der Luft und bei der Landung geliefert, Kommentatoren erhalten weitere Daten. Langfristig sollen die Zuschauer auch in den Genuss von Grafiken wie Flugkurven-Vergleichen kommen. Inwiefern man dies alles in die Berichterstattung einfliessen lasse, sei noch offen, heisst es beim Schweizer Fernsehen. Es ist allerorts herauszuhören: Noch weiss niemand so richtig, wohin die Datenflut das Skispringen führt. Von heute auf morgen wird sie den Sport kaum revolutionieren. Bei der FIS ist man sich aber sicher: Die Datenerhebung wird sich durchsetzen - und langfristig flächendeckend im Weltcup und gar in Trainings zum Einsatz kommen.

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