Das Ziel der Swiss Football League: Geisterspiele vermeiden

Heute Montag besprechen die Liga und ihre Vereine in Bern, wie sie vorgehen wollen, so lange es keine Corona-Virus-Entwarnung gibt.

Markus Brütsch
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Claudius Schäfer, CEO der Swiss Football League.

Claudius Schäfer, CEO der Swiss Football League.

Freshfocus

Das erste Wochenende ohne Schweizer Fussball ist vorbei. Die Profis des FC Sion etwa haben am Samstag trainiert, am Sonntag frei gehabt und beginnen die neue Woche mit verdoppeltem Trainingsaufwand. «Die Situation ist für alle gleich. Es ist wichtig, die Konzentration hochzuhalten», sagt Trainer Ricardo Dionisio.

Auch der Portugiese wird heute wie alle Fussballinteressierten nach Bern blicken, wo sich die Swiss Football League mit den Vereinen trifft, um die Situation zu analysieren und das weitere Vorgehen zu besprechen. Bis jetzt haben mit einer Ausnahme sämtliche Protagonisten den am Freitag verkündeten Entscheid des Bundesrates gutgeheissen. In der Sendung «Heimspiel» des Teleclubs, einem Fussballtalk, sagte Alain Sutter mit dem Abstand von zweieinhalb Tagen, es sei von der Liga richtig gewesen, sich mit der Absage der ganzen Runde etwas Zeit zu verschaffen und nicht mit einem Schnellschuss auf die Schiene «Geisterspiele» einzuschwenken. «Für einen Klub wie den FC St. Gallen bedeutet es wirtschaftlich viel, ohne Publikum zu spielen», sagte der Sportchef des Tabellenführers der Super League.

Der frühere Goalie Martin Brunner unterstützte in der Sendung ebenfalls den Entscheid von Politik und Liga, hält es aber für möglich, dass man später einmal zur Einsicht kommen könnte, die Anordnung sei überzogen gewesen. Aber wer weiss das schon?

Ausser natürlich der Präsident des FC Sion. Christian Constantin jedenfalls sagte dem «Blick»: «Ganz ehrlich: ich verstehe diese Extremreaktion nicht. Da gibt es ganz viele Fragezeichen, die ungeklärt sind. Zum Beispiel jene, welchen Sinn es macht, ein Spiel in einer engen Halle mit 500 Fans abzuhalten. Aber eines in einem grossen Fussballstadion, das im Freien ist, mit Zuschauern, die teils weit voneinander entfernt sind, nicht.» Und schwer auf dem Magen liegt Constantin auch, dass er die traditionelle Sauerkraut-Gala am 14.März verschieben muss.

Die Zukunft wird zeigen, ob es eine Überreaktion war

Dass in Deutschland, England, Spanien und Frankreich das Vollprogramm abgespult wurde und nur das vom Virus am Stärksten betroffene Italien ein paar Spiele auf einen späteren Termin verlegte, dürfte jene in der Schweiz bestärken, die von einer Überreaktion sprechen. Vielleicht aber werden sie bald eines Besseren belehrt. Wer weiss das schon?
Klar ist, dass die Situation heikel ist. SFL-CEO Claudius Schäfer wies in der «SonntagsZeitung» darauf hin, dass die Schweizer Klubs weit mehr auf die Matcheinnahmen angewiesen seien als Vereine in den grossen europäischen Ligen, die ungleich höhere Fernseheinnahmen verbuchen. «Wenn es zu vielen Geisterspielen kommt, besteht die Gefahr, dass einige Klubs an den Rand des Ruins gelangen», sagte Schäfer. Er hält es für möglich, dass nach einer allfälligen Corona-Virus-Entwarnung dicht gestaffelte Spieltage, zum Beispiel im Dienstag-Freitag-Sonntag-Rhythmus, angesetzt würden, da es wegen der EM kaum Möglichkeiten gebe, die Saison zu verlängern.