Das Wiler Märchen wird konkreter

In den ersten Wochen der Challenge-League-Saison schien das «Märchen für den FC Wil», wie es Vizepräsident Roger Bigger im Sommer bezeichnete, an Schwung zu verlieren.

Ralf Streule
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In den ersten Wochen der Challenge-League-Saison schien das «Märchen für den FC Wil», wie es Vizepräsident Roger Bigger im Sommer bezeichnete, an Schwung zu verlieren. Das Team stand dem Tabellenende näher als der Spitze – trotz der Millioneninvestitionen des Istanbuler Unternehmers Mehmet Nazif Günal. Das Umfeld schien zudem den türkischen Versprechen nicht richtig zu trauen. Zu oft waren in der Vergangenheit Schaumschläger aus dem Ausland bei Schweizer Fussballclubs im Einsatz, die bei Misserfolg absprangen. Gerüchte von Stadionausbau oder neuer Trainingsanlage schien man in Wil allmählich als Strohfeuer und unrealistische, allzu visionäre Pläne abzutun.

Nun aber macht der FC Wil Schritte, die hellhörig machen. Nicht nur sportlich hat sich der Club wieder an die Spitze gespielt. Offensichtlich ist die neue Führung daran, in Wil ein Grundstück für einen Trainingscampus zu erstehen (Ausgabe von gestern). Zudem möchte sich Wil im Ostschweizer Nachwuchsprojekt einkaufen und ebenbürtiger Partner des FC St. Gallen sein. Dass dessen Präsident Dölf Früh dem FC Wil die Türen zumindest teilweise öffnet, ist Indiz für die Ernsthaftigkeit der Wiler Pläne. Glaubwürdigkeit gewinnt die neue Leitung zudem mit dem Trainerwechsel. Fuat Capa stolperte über seine kritischen Aussagen in türkischen Medien. Ob nun in der Entlassung Imagepflege mitschwingt oder nicht: Die Wahl Kevin Coopers dürfte eine rein sportliche sein, während Capa wohl auch von der Nähe zur Clubleitung profitiert hatte.

Keine Frage, der FC Wil macht ernst. Dennoch sind Fragen offen: Ist die Stadt, die Besitzerin des Stadions, bereit, den Umbau zuzulassen? Schwierige Eigentumsfragen wären zu klären. Und: Ist die Trainingsanlage samt vierstöckigem Gebäude so schnell bewilligungsfähig und umsetzbar, wie es sich der Club erhofft? Vor allem aber: Wie gross wird der regionale Rückhalt für das von aussen gesteuerte «Wiler Märchen» sein?

ralf.streule@tagblatt.ch