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Das wertvollste Spiel der Fussballwelt

Im Schatten des Finals der Champions League spielen Fulham und Aston Villa um den Premier-League-Aufstieg. Es locken 250 Millionen Franken.
Sergio Dudli
Fulhams Ryan Sessegnon gilt als grösstes Talent Englands. Bild: Liam McAvoy/Imago

Fulhams Ryan Sessegnon gilt als grösstes Talent Englands. Bild: Liam McAvoy/Imago

Der Fussball ist eine Gelddruckmaschine – und die grösste Anlage der Welt steht in England. Sie trägt den Namen «Premier League» und schüttete den 20 Clubs der höchsten englischen Liga in der Saison 2017/2018 mehr als drei Milliarden Franken an TV-Geldern aus. Meister Manchester City strich dabei über 200 Millionen ein, der Tabellenletzte West Brom erhielt immerhin noch 130 Millionen Franken. Zum Vergleich: Der deutsche Meister Bayern München kassierte in der kürzlich abgelaufenen Spielzeit 15 Millionen weniger als Absteiger West Brom. Ein weiteres Beispiel: Der Sieger des Champions-League-­Finals zwischen Real Madrid und Liverpool in Kiew erhält 18 Millionen Franken.

Knapp 2200 Kilometer vom Olympiastadion in Kiew entfernt liegt das ­legendäre Wembley-Stadion in London. Drei Stunden bevor Cristiano Ronaldo und Mohamed Salah in der Ukraine den Platz betreten, machen die beiden englischen Traditionsclubs Fulham und ­Aston Villa vor 90000 Zuschauern den letzten Platz in der Premier League unter sich aus. Dem Aufsteiger winken Mehreinnahmen von 250 Millionen Franken. Diese setzen sich zusammen aus den TV-Geldern für die nationale und internationalen Übertragungsrechte, dem grösseren Zuschaueraufmarsch und Pauschalzahlungen der Liga. Eine Summe, die den Final der Königsklasse wie ein Schülerturnier wirken lässt.

Offensivspektakel hier, Abwehrriegel dort

Der Weg von Fulham und Aston Villa in den Final war lang und steinig. In der Championship, der zweithöchsten Liga Englands, spielen 24 Mannschaften. Die beiden erstplatzierten Teams steigen ­direkt auf, jene zwischen Rang drei und sechs ermitteln in Playoff-Spielen den letzten Aufsteiger. Fulham beendete die Saison als Tabellendritter und verpasste den direkten Gang in die Premier League um zwei Punkte. Die Mannschaft von Trainer Slavisa Jokanovic gilt als sehr spielstark und bevorzugt einen gepflegten Offensivfussball. Die Londoner spielten die meisten Pässe der Championship, verzeichneten im Durchschnitt am meisten Ballbesitz und erzielten die zweitmeisten Tore. Das Gesicht des Clubs ist Ryan Sessegnon. Der Flügelspieler mit Jahrgang 2000 ist ein Produkt der eigenen Nachwuchsabteilung und ist mit 15 Toren und 8 Vorlagen der beste Skorer des Teams. Lange wurde gemunkelt, der vergangene Woche 18-jährig gewordene Sessegnon könnte an der WM für die Engländer dabei sein. Doch Nationaltrainer Gareth Southgate entschied sich gegen das aufstrebende Talent, da der Schritt wohl zu früh gekommen wäre. Im Playoff-Halbfinal verlor Fulham das Hinspiel gegen Derby 0:1. Ein Treffer und ein Assist von Sessegnon beim 2:0-Heimsieg im Craven-Cottage-Stadion brachte die Londoner aber doch noch in das Endspiel.

Aston Villa beendete die Meisterschaft fünf Punkte hinter Fulham auf Rang vier. Im Kader der Mannschaft aus Birmingham steht mit John Terry ein alter Bekannter. Der langjährige Spieler von Chelsea und ehemalige Captain des englischen Nationalteams wechselte auf diese Saison hin zum Team von Trainer Steve Bruce. Ebenfalls bei Aston Villa engagiert ist der ehemalige Basler Birkir Bjarnason. Im Gegensatz zu Fulham liegen die Stärken des letztjährigen Premier-League-Absteigers in der Defensive. Mit 42 Gegentoren aus 46 Meisterschaftsspielen wies die Mannschaft die zweibeste Abwehr der Championship auf. Nur die beiden Aufsteiger Wolverhampton und Cardiff waren mit jeweils 39 kassierten Treffern stabiler. Aston Villa setzte sich im Halbfinal des Playoffs gegen Mitabsteiger Middlesbrough durch. Bezeichnend für die Spielweise der Birminghamer: In den zwei Spielen fiel nur ein einziger Treffer.

Fulhams erster Auftritt im Wembley seit 1975

Vor dem Spiel um den ganz grossen Geldtopf lassen sich die beiden Trainer nicht in die Karten blicken und werfen stattdessen mit Floskeln grosszügig um sich. «Es wird ein schweres Spiel. Fulham spielt sehr guten Fussball», sagte Aston Villas Trainer nach dem Halbfinal gegenüber englischen Medien. Und sein Gegenüber Jokanovic? «Wir glauben an unseren Spielstil und wollen den Final geniessen.» Bei Aston Villa hoffen die Anhänger auf die Erfahrung ihres Trainers. Bruce, der als Spieler viele Jahre für Manchester United auflief, kann in seinem Lebenslauf bereits vier Aufstiege vorweisen. Zuletzt gelang ihm das vor zwei Jahren mit Hull. «Je länger du als Trainer tätig bist, desto besser wirst du, weil du für verschiedene Szenarien ­Lösungen kennst. Ich hoffe, diese Erfahrung hilft uns», sagte Bruce.

Fulham hingegen setzt auf seine spielerische Klasse. «Gegen Derby im Halbfinal haben wir das Spiel kontrolliert, uns Chancen erarbeitet, waren gut organisiert und haben nicht viel zugelassen. Das will ich auch im Final sehen», so Trainer Jokanovic. Was Fulham besonders motiviert: Für den Club ist es der erste Auftritt im Wembley seit 43 Jahren. Im Stadion finden traditionellerweise die Finalspiele der Cupwettbewerbe statt. Fulham stand letztmals 1975 in einem Endspiel. Jokanovic: «Das ist ein grosser Erfolg und eine zusätzliche Motivation für den Club und seine Fans. Aber nur im Wembley zu spielen reicht nicht – denn am Ende wird man sich nur an den ­Namen des Siegers erinnern.»

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