Nach dem Europa-Aus

Das Versagen in Zypern ist die Höchststrafe für den FC Basel und seine Führung

Der FC Basel hat europäisch versagt. Darum ist klar: Die Entlassung von Trainer Raphael Wicky kam entweder deutlich zu spät. Oder zu früh. Die Verantwortung dafür trägt die Klubführung des FC Basel.

Sébastian Lavoyer
Drucken
Teilen
Geschlagen trotten die FCB-Spieler nach dem Gang zu den Fans weg.
28 Bilder
Allen voran: Captain Fabian Frei – ihm ist die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben.
Impressionen aus dem Spiel FC Basel - Apollon Limassol (30.08.2018)
Eray Cömert am Boden. Im Hintergrund jubeln die Zyprioten.
Es hat nicht sollen sein. Sinnbildlich für die Niederlage sieht der eingewechselte Albian Ajeti gelb vom Schiedsrichter.
Charalambos Kyriakou schoss das entscheidende Tor und sorgte für das Ausscheiden vom FC Basel.
Wieder nichts: Torhüter Bruno Vale schnappt sich den Ball vor Basels Albian Ajeti. Für den FCB ist die internationale Saison in dieser Spielzeit schon wieder vorbei.
Sieger- und Verlierer-Trainer: Sofronis Avgousti, der Gewinner im Vordergrund; Marcel Koller, der Verlierer dahinter.
Es hat nicht gereicht. Enttäuscht schnäuzt Ricky van Wolfswinkel ins FCB-Trikot.
Die Apollon-Fans freuen sich mit ihrem Team über den Einzug in die Gruppenphase der Europa League.
Der eingewechselte Albian Ajeti (rechts) versuchte alles. Es reichte nicht...
Andre Schembri (rechts) ist vor Basels Agressivleader Serey Die am Ball.
Die Limassol-Spieler sind immer einen Schritt schneller. Hier ist es sinnbildlich Andre Schembri vor Ricky van Wolfswinkel.
Die Freude über den 1:0-Führungstreffer ist bei Apollon Limassol riesig.
Samuele Campo (links) gibt eines der wenigen offensiven Lebenszeichen der Basler ab. Hier wird er gerade noch von Georgios Vasiliou bedrängt.
Das schnelle FCB-Eigengewächs, Noah Okafor (rechts), versucht Facundo Pereyra abzuschütteln.
Die mitgereisten Basel-Fans im fast leeren Stadion von Apollon Limassol.
Ricky van Wolfswinkel versuchts mit einem Abschluss: Limassols Hector Yuste kommt einen Schritt zu spät.
FCB-Trainer Marcel Koller dürfte mit der gezeigten Leistung seiner Mannschaft in der ersten Halbzeit nicht happy sein.
Basels Innenverteidiger Eray Cömert ist vor Fotis Papoulis am Ball.
Serey Die weiss beim FCB wie immer in kämpferischer Hinsicht zu überzeugen. Hier holt er sich den Ball von Gegenspieler Anton Maglica.
Torhüter Bruno Vale von Apollon Limassol hat in der ersten Halbzeit wenig zu tun gegen die Basler Offensive.
Schwieriges Spiel für die Basler: Hier Ricky van Wolfswinkel (vorne) – im Hintergrund: Serey Die.
Silvan Widmer (links) wird hart bedrängt. Limassol hat mehr vom Spiel.
Captain Fabian Frei schirmt den Ball gegen zwei Limassol-Spieler ab.
Hier führt Charalambos Kyriakou den Ball. Fabian Frei (links) versucht ihn zu bedrängen.
Silvan Widmer (links) versucht Limassol-Spieler Georgios Vasiliou am rechten Flügel auszutanzen.
Das Spiel läuft: Apollos Charalambos Kyriakou (links) im Zweikampf mit Basels Luca Zuffi.

Geschlagen trotten die FCB-Spieler nach dem Gang zu den Fans weg.

GEORGIOS KEFALAS

Der FC Basel wurde während der vergangenen zwei Jahrzehnte zum Dauergast in Europa, zuletzt spielte er gar häufiger in der Champions League als in der Europa League. Das internationale Geschäft war selbstverständlich und prägte das Selbstverständnis der Basler.

Das Aus gegen Apollon Limassol bedeutet das Ende einer Ära, die noch in der letzten Saison ihren eigentlichen Höhepunkt fand. Mit vier Siegen in der Gruppenphase der Königsklasse, mit dem Rekordsieg gegen Benfica, dem Auswärtssieg gegen Pep Guardiolas Manchester City.

Ein Trümmerhaufen

Jetzt steht die Führung um Präsident Bernhard Burgener und Sportchef Marco Streller vor einem Trümmerhaufen. Einem Trümmerhaufen, den sie selbst zu verantworten hat. Nach bloss zwei Spielen feuerte man Raphael Wicky, noch bevor die Champions League ausser Reichweite war.

Alex Frei übernahm, holte zwar den ersten Punkt gegen Aufsteiger Xamax, tauchte aber mit 0:3 im Rückspiel gegen Paok Thessaloniki. Danach übernahm Altmeister Marcel Koller. Plötzlich waren die Siege zurück, die Verunsicherung aber schlummerte weiter in diesem Team.

«Zu viel für die jungen Spieler»

Drei Trainer in knapp zwei Monaten und als Resultat das historisch frühe Scheitern auf europäischem Parkett und sieben Punkte Rückstand auf Meister YB. «Das ist jedes Mal ein Umbruch. Da steht immer wieder eine andere Person vorne, mit einer anderen Ansprache und anderen Ansprüchen. Bei einem muss man mehr aufnehmen, bei einem weniger. Das war für viele Spieler, gerade die jungen, nicht einfach zu verarbeiten», sagt Marcel Koller selbst.

Die Entlassung von Wicky, das muss man im Rückblick sagen, kam entweder deutlich zu spät. Oder zu früh. Die Verantwortung dafür trägt die Klubführung. Und sie hat nun mit dem bitteren Aus gegen Apollon Limassol, die Nummer 125 im Uefa-Klub-Ranking, die Höchststrafe für ihr Handeln kassiert.

Basel entgehen nicht nur mindestens sechs internationale Spiele, in denen sich die Spieler präsentieren könnten, sondern auch rund zehn Millionen Franken an Einnahmen. Was das für langfristige Konsequenzen hat, ist schwer abzuschätzen. Sicher ist, dass nun kaum mehr Fehler erlaubt sind, will man verhindern, dass YB nicht über längere Zeit vorne liegt.

Die Spieler in der Einzelkritik:

Martin Hansen: Note 4,5 Beim Gegentor ist er machtlos, weil der Ball abgelenkt wird. Seine Parade in der 14. ist die beste Aktion eines Baslers an diesem Abend.
14 Bilder
Silvan Widmer: Note 3 Noch immer sind seine brauchbaren Flanken seit seinem Wechsel nach Basel an einer Hand abzuzählen. Wirkt total überspielt.
Eray Cömert: Note 4 In einer wackligen Defensive ist er noch der Beste. Benötigt aber in der 45. Glück, dass der Schiri bei seinem Tackling auf einen Penalty-Pfiff verzichtet.
Eder Balanta: Note 2,5 Wo ist der Balanta, der letzten Herbst europäisch so brillierte? In diesem Frühherbst ist er ein Unsicherheitsfaktor. Lenkt den Ball vor dem 0:1 ab.
Raoul Petretta: Note 3 Mal rutscht er weg, mal lässt er sich ausspielen, mal kommt er zu spät. Wirklich wunschgemäss bekommt er seine linke Seite nie in den Griff.
Geoffroy Serey Die: Note 3 Fängt zu Beginn zwar viele Bälle ab, verliert mit zunehmender Dauer aber noch mehr davon. Seine Distanzschüsse sind von schlechter Qualität.
Fabian Frei: Note 3 Statt die Mannschaft anzutreiben, wirkt auch der Stratege im Mittelfeld frappierend ratlos. Findet keine Räume und strahlt zu wenig Wille aus.
Samuele Campo: Note 3 Hat die beste Chance der ersten Halbzeit, muss dennoch in der Pause raus. Kann nicht verbergen, dass der Flügel nicht sein Wohlfühlgebiet ist.
Luca Zuffi: Note 3 Hat ihn die Pause gegen den FCZ aus dem Takt gebracht? Lässt die Genialität und Kreativität der letzten Spiele vermissen und muss in der 76. raus.
Noah Okafor: Note 4 Der Europacup-Debütant versucht viel, ist mutig und äusserst engagiert. Viel Zählbares schaut dennoch nicht heraus. Aber: Die Ansätze sind gut.
Ricky van Wolfswinkel: Note 3,5 Wird erst besser, als er Ajeti in der Spitze Platz macht und auf den Flügel wechselt. Hat die besten FCB-Chancen (75., 79.), sieht aber beide abgewehrt.
Albian Ajeti: Note 3 Kommt in der Pause für Campo ins Spiel und soll die lahme Offensive beleben. Erfüllt diesen Auftrag nicht und bleibt ungewohnt wirkungslos.
Afimicio Pululu: keine Note Er wird sein Europacup-Debüt nicht in guter Erinnerung behalten. Ersetzt in der 76. Zuffi und bewirkt nicht mehr als eine Systemumstellung.
Kevin Bua: keine Note Ersetzt in der 80. Minute Okafor positionsgetreu und versucht alles, um das Unheil abzuwenden. Zwingende Aktionen hat er aber keine.

Martin Hansen: Note 4,5 Beim Gegentor ist er machtlos, weil der Ball abgelenkt wird. Seine Parade in der 14. ist die beste Aktion eines Baslers an diesem Abend.

Zur Verfügung gestellt