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Volley Amriswil: Das Spiel der letzten Chance

Beinahe wäre Matevz Kamnik Weltcup-Skifahrer geworden, der Slowene entschied sich aber für Volleyball. Mit Amriswil liegt er im NLA-Playoff-Final gegen Lausanne 0:2 zurück. Heute zählt nur ein Heimsieg.
Pascal Koster
Matevz Kamnik (im blauen Trikot) versucht sich im NLA-Qualifikationsspiel gegen Lausanne mit einem Smash. Bild: Mario Gaccioli

Matevz Kamnik (im blauen Trikot) versucht sich im NLA-Qualifikationsspiel gegen Lausanne mit einem Smash. Bild: Mario Gaccioli

Das Gastspiel in der Romandie stand für Volley Amriswil von Anfang an unter einem schlechten Stern. Schon beim Aufwärmen zog sich der slowenische Mittelblocker Matevz Kamnik eine Rückenverletzung zu. Später, im Spiel, verschenkten die Amriswiler gleich mehrmals einen Vorsprung durch ärgerliche Annahmefehler.

Lausanne nutzte die Chancen und entschied eine umkämpfte Partie in vier Sätzen für sich. Damit zogen die Waadtländer in der Playoff-Finalserie auf 2:0 davon und könnten am Dienstag in der Amriswiler Sporthalle Tellenfeld Meister werden.

Was wäre wohl gewesen, hätte Kamnik Spiel zwei bestreiten können? Hätte er die knappe Niederlage gar abgewendet? Schwer zu sagen. Zweifellos zählt der 31-Jährige seit Wochen zu den Leistungsträgern im Amriswiler Team. Ist er fit, spielt er im Normalfall. So wohl auch am Dienstag ab 19.30 Uhr im Spiel der letzten Chance. Die Rückenverletzung ist auskuriert.

Ein Knorpelschaden mit verheerenden Folgen

Dass Kamnik schon zu den Schlüsselfiguren gehört, ist doch erstaunlich. Erst im vergangenen Sommer wurde er vom Thurgauer NLA-Club verpflichtet. Ein Risiko-Transfer, denn der Slowene hatte vorher eine zweijährige Pause vom Aktiv-Volleyball nehmen müssen.

Wegen eines Knorpelschadens am Kniegelenk war die Profikarriere in Gefahr. Der Vertrag mit seinem damaligen Arbeitgeber, dem türkischen Spitzenverein Arkas, wurde aufgelöst, obwohl er noch vier weitere Jahre Gültigkeit gehabt hätte. «Ohne die Verletzung würde ich heute noch dort spielen», ist sich Kamnik sicher.

Nach der Vertragsauflösung musste er seine Zukunft neu planen – und mit allem rechnen. Kamnik sagt:

«Ich wusste wirklich nicht, ob ich je wieder auf hohem Level spielen kann.»

Während der Auszeit engagierte er sich als Trainer in der Heimat. Im ersten Jahr coachte er die NLA-Mannschaft seines Stammvereins Maribor, im zweiten betreute er Formis, eine Frauenequipe, die ebenfalls in der höchsten Liga des Landes spielt.

Nach den zwei Jahren Pause hatte sich das Knie gut erholt. So fühlte er sich im Sommer 2018 bereit, wieder in den Aktivsport einzusteigen. Das Angebot Amriswils kam gerade recht. Schliesslich arbeitete seine slowenische Freundin damals schon als Fitnessinstruktorin in der Schweiz und wohnte in Wil.

Mit der Abfahrts-Weltmeisterin trainiert

Er könne sich gut vorstellen, hier eine Familie grosszuziehen, sagt der 2,02-Meter-Hüne. «Die Schweizer sind diszipliniert und gut organisiert, genau wie ich. Das gefällt mir. Ausserdem will ich an einem Ort wohnen, wo ich im Winter Ski fahren kann.»

Die Aussage kommt nicht von ungefähr. Lange war der alpine Skisport Kamniks grosse Passion. Er schaffte es gar in das B-Kader des slowenischen Nationalteams. Dort trainierte er unter anderen mit den jetzigen Weltcup-Fahrern Bostjan Kline und Klemen Kosi sowie der zweifachen Abfahrts-Weltmeisterin Ilka Stuhec.

Ein Sommer verändert alles

Das Skifahren mag Kamnik bis heute, allerdings hat ihn als Jugendlicher gestört, dass man gegen die eigenen Teamkollegen antreten musste. Viel lieber wollte er mit einer Mannschaft gewinnen, nicht allein

Eines Sommers entdeckte Kamnik Beachvolleyball. Zuvor hatte er das Spiel kaum gekannt. Kamnik sagt:

«Mit 16 Jahren hielt ich das erste Mal überhaupt einen Volleyball in den Händen.»

Die Regeln, die Technik, alles lernte er nach und nach. Er war derart fasziniert, dass er auch im Winter Volleyball spielen wollte. Seine Betreuer im Sportgymnasium Maribor versuchten, ihm den Wechsel auszureden. Zu spät sei es. Doch der Teenager liess sich nichts sagen und setzte seinen Kopf durch.

Die Gymnasiumleitung stellte ihm deshalb ein Ultimatum: Wenn es Kamnik innert einem Jahr nicht in ein Nationalteam schaffen sollte, müsste er zurück in eine normale Klasse. Tatsächlich benötigte Kamnik nur sechs Monate, um in eine Nachwuchsauswahl zu kommen.

In kürzester Zeit startete er durch. Kaum 18-jährig, wechselte Kamnik zu Volley Ljubliana, dem erfolgreichsten Männerteam des Landes. In der ersten Saison lief er noch für die zweite Mannschaft auf. Eine Spielzeit später stand er schon im A-Kader. Als 21-Jähriger debütierte Kamnik für die Nationalmannschaft.

Bester Mittelblocker Europas

Mit Volley Ljubliana stiess er 2010 bis ins Final Four der Champions League vor. Nach dem Turnier wurde er zum besten Mittelblocker Europas gewählt. 2013 schloss er sich Unterhaching an. Nach einem Jahr zog er weiter zu Arkas. Der Rest der Geschichte ist bekannt.

Kürzlich hat Kamnik den Vertrag mit Amriswil um ein weiteres Jahr verlängert. Was im Sommer 2020 sein wird, weiss er noch nicht. «Wenn es nächste Saison wieder so gut läuft, warum sollte ich aufhören», sagt der 31-Jährige. Jedoch dürfte er bei neuerlichen Vertragsverhandlungen auf die Auflösung einer ganz bestimmten Klausel pochen. Dieser nämlich, die ihm und den anderen Amriswiler Profis das Skifahren verbietet.

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