Das Schweizer Lebenszeichen

Die Schweizer Männer gewinnen in der WM-Abfahrt zwar keine Medaille. Trotzdem überzeugt die kriselnde Equipe mit drei Fahrern unter den ersten zehn. Dem sechstplazierten Silvan Zurbriggen fehlen nur vier Zehntelsekunden zu Bronze.

Christof Krapf/Schladming
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«Mich haben praktisch schon alle abgeschrieben»: Silvan Zurbriggen wenige Sekunden vor dem Ziel in Schladming. (Bild: EQ Images/Mario Kneisl)

«Mich haben praktisch schon alle abgeschrieben»: Silvan Zurbriggen wenige Sekunden vor dem Ziel in Schladming. (Bild: EQ Images/Mario Kneisl)

SKI ALPIN. «An einer WM zählen eigentlich nur die Medaillen», sagte der Schweizer Cheftrainer Osi Inglin nach der Abfahrt in Schladming. Einen Podestplatz erreichten die Schweizer zwar nicht. Das Mannschaftsresultat lässt aber für die Zukunft hoffen. Silvan Zurbriggen, Patrick Küng und Didier Défago belegten die Ränge sechs bis acht. «Das Rennen hat gezeigt, dass uns nicht viel für einen Podestplatz fehlt», sagte Inglin. «Es wäre aufgrund der Ausgangslage jedoch vermessen gewesen, eine Medaille zu erwarten.»

Besonders überraschend ist der Exploit von Zurbriggen. In diesem Winter war ein 19. Platz am Lauberhorn das beste Resultat des Wallisers gewesen. «Mich haben praktisch alle schon abgeschrieben. Der WM-Super-G und dass ich mich in der internen Qualifikation zur Abfahrt durchgesetzt habe, taten mir gut.» Zurbriggen – er hatte die Selektionskriterien des Verbandes nicht erfüllt – kamen in Schladming die Bedingungen entgegen. Auf der eisigen Planai fühlte sich der 31-Jährige wohl: Ihm fehlten vier Zehntelsekunden auf Bronze. Was Zurbriggen nicht mag, ist aggressiver Kunstschnee. «Ich muss nun herausfinden, wie ich bei solchen Bedingungen fahren muss.»

Gemischte Gefühle bei Défago

Während Zurbriggen die Erleichterung anzumerken war, schwankte Défago zwischen Freude und Enttäuschung. «Ich bin zufrieden und doch enttäuscht», sagte er. Auf Rang acht plaziert verlor der 35-Jährige 1,59 Sekunden auf die Siegerzeit des Norwegers Aksel Lund Svindal. «Ich habe mehr erwartet, denn ich habe mich gezielt auf diesen Tag vorbereitet», sagte der Walliser. Défago sprach davon, dass ihm das Vertrauen gefehlt hatte. «Ich konnte nicht mit einem guten Resultat von Kitzbühel und Wengen nach Schladming reisen. Dies fehlte mir. Vielleicht wäre es mir sonst gelungen, näher ans Podest zu kommen.»

Wertvolle Erfahrung für Sotschi

Die WM-Abfahrt ist für Défago mit Blick auf die kommende Saison und die Olympischen Spiele in Sotschi wertvoll. Dort wird er als Titelverteidiger starten. «Ich kann an einem bestimmten Tag bereit sein, wenn ich mich gezielt vorbereite. Dies hat mir die WM-Abfahrt gezeigt», sagte Défago. Wie für Zurbriggen bedeutete der achte Rang für ihn das beste Saisonresultat in der Abfahrt. Am erfolgreichsten war er zuvor in Beaver Creek gewesen, als er Zehnter wurde. Zum soliden Schweizer Teamergebnis trug auch Patrick Küng bei. Der Glarner – er kehrte auf diese Saison hin nach einem Kreuzbandriss wieder zurück – verzichtete auf das Abschlusstraining, um Kräfte zu schonen. «Diese Massnahme hat sich ausbezahlt», sagte der 29-Jährige.

Der grösste Stein fiel Chefcoach Inglin vom Herzen. Der Innerschweizer sieht sich in seiner Arbeit bestätigt. «Es war schwierig, in der Krise glaubwürdig zu bleiben und glaubwürdig weiterzuarbeiten», sagte er. «Wir haben hart gearbeitet, aber nur damit waren auf der Planai keine Medaillen zu holen.» Inglin ist mit dem Zwischenschritt aus der Krise aber trotzdem zufrieden.