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«Das schönste Kleintheater»

Das Phönix-Theater hat Weggefährten und getreue Gäste eingeladen und seine ersten dreissig Jahre gefeiert: mit persönlichen Gedanken und einem entrückenden Zusammentreffen von Pink Floyd und Ray Bradbury.
Dieter Langhart
To the dark side of the moon: «Sie waren alle allein», schreit Daniel Rohr im Phönix-Theater Steckborn. (Bild: Dieter Langhart)

To the dark side of the moon: «Sie waren alle allein», schreit Daniel Rohr im Phönix-Theater Steckborn. (Bild: Dieter Langhart)

Steckborn. Ohne Hut, aber mit gewagter Frisur steht La Lupa vor dem Phönix-Theater und nennt es «das schönste Kleintheater, das ich kenne». Sie singt «Grazie alla vita» und überlässt die Reden denen, die nicht singen mögen: Präsidentin Cornelia Komposch etwa und Theaterleiter Philippe Wacker, Stadtammann Roger Forrer und Kaspar Schläpfer.

Der Regierungspräsident erinnert an die Zürcher Jugendunruhen, die im Thurgau («da verlief alles zum Glück viel friedlicher») den Wunsch nach urbaner, zeitgenössischer Kultur ausgelöst und zur Gründung von Löwenarena und Theagovia, Büx und Gong und Eisenwerk geführt haben. Der Kanton war der Kulturpflege verpflichtet, die Gemeinden hielten sich vorerst zurück; doch inzwischen wird Kultur auch als Wirtschaftsfaktor erkannt. «Kulturelle Projekte sind identitäts- und gemeinschaftsstiftend», sagt Kaspar Schläpfer und gibt die Bühne frei für eine Reise zum Sinn des Lebens.

Rockoper für Kleintheater

«To the dark side of the moon» heisst sie, und ausgeheckt hat sie Daniel Rohr, Schauspieler und Leiter des Zürcher Theaters Rigiblick, im Januar letzten Jahres. Ein Geniestreich, diese Rockoper für Kleinbühnen, und das Publikum im Phönix-Theater klatscht und stampft und pfeift gar: drei Vorhänge für Daniel Rohr und die fünf Musiker.

Da capo. Dunkel die Bühne, weltalldunkel. Wie leise Maschinen klingen Piano und Streicher, streben nach harmonischer Auflösung. Aus dem Off dringt eine Stimme: Breathe, breathe in the air. / Don't be afraid to care. / Leave but don't leave me. / Look around and choose your own ground. Das versteht nicht jeder im Publikum, an den Text erinnert sich auch nicht jeder: «Breathe», 1973, erstes Lied auf dem Album «Dark Side of the Moon» von Pink Floyd.

Nach wenigen Takten ist die Erinnerung da. Sie wird im Ohr hängenbleiben, und der Verstand wird staunen, dass eine gute Stunde lang nie der Wunsch nach dem Original auftaucht. Daniel Fueter hat Pink Floyds ausgeklügelte und überbordende Elektronik ausgehebelt, hat die Musik nicht gecovert, sondern radikal neu arrangiert für vier Streicher und präpariertes Klavier. Wie die Pianistin Eriko Kagawa und das Galatea Quartett (Yuka Tsuboi, Sarah Kilchenmann, David Schneebeli, Julien Kilchenmann) die Melodien interpretieren und Rhythmus erzeugen, ist ebenso einfallsreich wie virtuos.

Mehr noch. Daniel Rohr hat Parallelen entdeckt zwischen den Songs und einer Erzählung des Amerikaners Ray Bradbury – und verzahnt beides zu einem meisterhaften, schlüssigen Ganzen.

Weltraum als Metapher

In «Kaleidoskop» werden Astronauten ins All katapultiert, nachdem ihr Raumschiff zerstört worden ist. Sie driften auseinander, sind aber noch durch Funk verbunden. Verzweifelt, sarkastisch, ausfällig reagieren sie auf den unausweichlichen Tod. Daniel Rohr redet in die Musik hinein, liest die Geschichte szenisch, gibt jeder Figur ihre eigene Stimme. Und dahinter ziehen Johannes Novohradskys Videobilder ihre Bahn.

Wie der Mond hat der Mensch seine dunklen Seiten; denn als die Astronauten «in die unendliche Tiefe des Schweigens» stürzen, verschmelzen menschliche Würde und Niedertracht. Während Roger Waters vom Wahnsinn singt (There's someone in my head but it's not me), kehrt Hollis als einziger zur Erde zurück. Wie, erzählt die Pointe am Schluss des Abends.

Do, 29.9., 20.15. phoenix-theater.ch

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