Das Playoff-Fieber steigt: Welche Teams sind in der Eishockey-NLA bereit für die entscheidende Phase?

Zwölf Runden vor Schluss der NLA-Qualifikation sind die Rollen an der Spitze und am Ende der Tabelle verteilt. Dazwischen tobt das Wetteifern um die begehrten Playoff-Tickets. Welche Teams sind bereits auf Playoff-Temperatur?

Sergio Dudli
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Kann ZSC-Captain Pstrick Geering bald wieder jubeln? (Bild: Freshfocus)

Kann ZSC-Captain Pstrick Geering bald wieder jubeln? (Bild: Freshfocus)

1. Bern (79 Punkte)

Das Team verfügt über vier starke Linien, hat mit Leonardo Genoni den besten Goalie und kann jeden Gegner dominieren. Nie gab es mehr als zwei Niederlagen am Stück, die Defensive lässt die wenigsten Tore aller Clubs zu. Trainer Kari Jalonen will kein Hurra-Eishockey, sondern Resultate. Das liefern die Spieler. Die Qualifikation verkommt zum Schaulaufen. Ernst wird es erst wieder im Playoff – und da brennen sie in Bern auf Wiedergutmachung für das Halbfinal-Aus vergangene Saison.

2. Zug (77)

Die Zuger sind warmgelaufen mit Trainer Dan Tangnes. Der Norweger steht in seiner zweiten Saison und hat dem Club ein Spiel eingeimpft, das auf schnellen Vorstössen nach Scheibengewinn basiert. Das kommt den technisch versierten und flinken Spielern zugute. Das zeigt sich in der Statistik, sind die Zuger doch das torgefährlichste Team der Qualifikation. Am Wochenende setzte es aber zwei Niederlagen ab, es darf sich keine Genugtuung einschleichen. Dennoch: Zug ist bereit.

3. Biel (62)

Zu Beginn der Saison wirkte es, als könnte Biel ein ernstes Wörtchen um den Titel mitreden: Es gab sieben Siege aus den ersten acht Spielen, darunter ein 5:2 gegen Bern. Dieser Schwung ist längst verpufft, Licht und Schatten wechseln sich seither ab. So gelang es Biel seit Anfang Dezember nicht mehr, zwei Siege in Serie zu feiern. Dennoch bleiben die Bieler ein Geheimtipp, weil sie gerade in der Offensive über viel Qualität verfügen. Aber richtig auf Temperatur ist das Team nicht.

4. ZSC Lions (61)

Vieles erinnert beim Titelverteidiger an vergangene Saison, als das Team erst im Playoff in Fahrt kam. Die ZSC Lions stehen zwar auf Platz vier, der Vorsprung auf Rang neun beträgt aber nur sechs Punkte. Mitte Januar zogen die Verantwortlichen die Notbremse, entliessen Serge Aubin und zauberten Arno Del Curto aus dem Hut. Aus fünf Spielen unter ihm resultierten drei Siege, die frostige Stimmung ist dank seiner Person und Emotionalität einer vorsichtigen Aufbruchstimmung gewichen.

5. Ambrì (60)

Trainer Luca Cereda und Sportchef Paulo Duca haben in Ambrì eine Euphorie entfacht. Das Duo verstand es von Anfang an, junge und andernorts gescheiterte Akteure zu fördern. In ihrer zweiten Saison ernten sie den Lohn für ihre Mühen. Ambrìs Spiel ist frech und erfrischend offensiv. Das Sturm-Trio Dominik Kubalik, Dominic Zwerger und Marco Müller hat bereis weit über 100 Skorerpunkte gesammelt. Playoff-Spiele in der altehrwürdigen Valascia – dafür brennen sie in Ambrì.

6. Langnau (60)

Langnau arbeitet Eishockey. Der Fokus von Trainer Heinz Ehlers liegt auf der Defensive. Das Resultat: Hinter Zug und Bern weisen die Emmentaler die beste Abwehr sowie das beste Unterzahlspiel auf. Seit dem Aufstieg vor vier Jahren hat das Team das Playoff stets verpasst, die Erwartungen sind bescheiden. Daher kann Langnau befreit aufspielen. Mit dem grossen Ziel vor Augen steigt scheinbar die Nervosität. Vier Niederlagen aus den vergangenen sechs Partien zeugen davon.

7. Lausanne (60)

Es musste am vergangenen Wochenende ein verunsichertes Lugano herhalten, um die Serie von neun Auswärtsspielen ohne Sieg zu beenden. Mit einer solchen Schwäche lässt sich keine Playoff-Runde überstehen. In der vergangenen Saison musste das vom US-Milliardär Ken Stickney unterstütze Lausanne in die Platzierungsrunde. Die Akteure spüren Druck, die Geschichte darf sich nicht wiederholen. Lausannes Stärke: Sechs Spieler haben mehr als 20 Skorerpunkte – Bestwert.

8. Servette (58)

Servette hat dasselbe Problem wie der Rivale aus Lausanne – nämlich die Schwäche in der Fremde. Die Genfer sind hinter Bern die zweitbeste Heimmannschaft, auswärts ist aber nur Rapperswil-Jona mit fünf geholten Zählern schlechter als Servette mit deren 17 Zählern. Die Stimmung beim Team von Chris McSorley ist dennoch besser als in Lausanne. Warum? Weil niemand vor der Saison damit gerechnet hätte, dass Servette um einen Platz im Playoff spielt.

9. Lugano (55)

Greg Ireland ist Luganos 13. Trainer seit dem Meistertitel 2006. Bei der kurzen Zündschnur überrascht es, dass der Kanadier trotz der anhaltenden Misere immer noch im Amt ist. Die Probleme sind offensichtlich. Lugano steht trotz der zweitbesten Offensive auf dem drittletzten Rang. Das deckt die Abwehrschwächen schonungslos auf. Die Mannschaft wirkt oft kopflos, die 546 Strafminuten zeugen vom Frust und fehlender Abstimmung. Trotz intakter Playoff-Chancen wirken die Tessiner ratlos.

10. Fribourg (50)

Die Wundertüte der Liga. Da kann es vorkommen, dass auf einen 7:2-Sieg gegen die ZSC Lions eine 0:3-Niederlage gegen den Letzten Rapperswil-Jona folgt. Vor der Saison hatte sich Fribourg mit den Zuzügen von Reto Berra und Philippe Furrer als Transfersieger gefühlt, der Baubeginn der neuen Eishalle war ein Zeichen des Aufschwungs. Doch die Leistungsträger sind zu alt, die Ausländer zu schwach. So richtig warmgelaufen ist Fribourg nicht. Ein Playoff-Platz wäre aber immer noch möglich.

11. Davos (33)

Dass es schwierig wird, wussten sie in Davos. Dass es so schwierig werden würde, überrascht aber. Der Abgang von Arno Del Curto nach 22 Jahren war der traurige Höhepunkt einer Saison zum Vergessen. Unter Harjis Witolinsch sind kaum Fortschritte zu erkennen. Leistungsträger wie Andres Ambühl oder Enzo Corvi laufen ihrer Form hinterher, die Entwicklung der Talente stagniert. Erstmals seit dem Wiederaufstieg 1993 wird es in Davos kein Playoff geben. Die Stimmung ist frostig.

12. Rapperswil-Jona (23)

Die meisten Gegentore, die wenigsten erzielten Tore, die wenigsten Siege – die Liste geht noch weiter. In über der Hälfte der bisherigen Partien brachte Rapperswiler-Jona nicht mehr als einen Treffer zustande. Das Playout ist garantiert, die Ligaqualifikation wohl unvermeidbar. Das war aber zu erwarten, entsprechend ruhig bleiben die Ostschweizer. Die raren Höhepunkte sind die Partien im Cup. Dem Titelverteidiger gelang der Finaleinzug, am 3. Februar gastiert Zug in der Ostschweiz.