Das Notkässeli ist für die anderen: Promotion-League-Klubs wie der SC Brühl gehen bei den A-fonds-perdu-Geldern wohl leer aus

Der Kampf um A-fonds-perdu-Beiträge bei Sportklubs hat begonnen. Schlechte Karten haben Promotion-League-Teams wie der SC Brühl. Nun will sich die Liga bei der Politik aber Gehör verschaffen.

Ralf Streule
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Der Brühler Nicolas Eberle im letzten Heimspiel vor dem erneuten Meisterschaftsstopp.

Der Brühler Nicolas Eberle im letzten Heimspiel vor dem erneuten Meisterschaftsstopp.

Bild: Michel Canonica (10. Oktober 2020)

Wenn der Bund für die Sportklubs bald sein Portemonnaie öffnet und 115 Millionen Franken für entgangene Zuschauereinnahmen verteilt, werden Promotion-League-Klubs wie der SC Brühl leer ausgehen. Die Hilfe ist zwar für «professionelle und halbprofessionelle Klubs» gedacht, und eigentlich würden die Brühler zur zweiten Kategorie gehören. Da im Gesetzesentwurf aber nur die zwei obersten Ligen für Hilfsgelder vorgesehen sind (siehe Kasten), gucken die St.Galler in die Röhre.

Den Promotion-League-Klubs gehen ebenfalls grosse Zuschauereinnahmen verloren

Es ist für die Klubs der dritthöchsten Schweizer Liga eine unbefriedigende Situation, wie Brühls Finanzchef Mauro Pedone erklärt. Gegen 800 Zuschauer verfolgen in normalen Zeiten die Spiele der Brühler im Paul-Grü­ninger-Stadion. Die fehlenden Ticketeinnahmen fallen also ins Gewicht. In der Promotion League sind die Budgets und die Lohnstrukturen der Teams zudem bereits auf stattlichem Niveau. Der Halbprofistatus wäre gegeben, mindestens so sehr wie in der NLA anderer Sportarten wie Basketball oder Unihockey, wo die Klubs auf Hilfe des Bundes zurückgreifen können. Zudem stemmen viele Vereine der Liga, gerade auch der SC Brühl, grosse Nachwuchsabteilungen, in denen unzählige Stunden ehrenamtliche Arbeit geleistet wird. Pedone sagt:

«Wir würden ja nicht hunderttausend Franken brauchen, um die Saison zu retten.»

Die Liga will beim Bund vorsprechen

Seit Mitte Oktober steht die Meisterschaft wieder still. Und bereits der Ausfall der Rückrunde im Frühling habe den Klub viel gekostet, da neben Zuschauer- auch Sponsoringeinnahmen wegfielen, sagt Pedone. Als damals Bundesgelder für den Breitensport flossen, sei man ebenfalls leer ausgegangen, da der Brühler Liquiditätsengpass von den Behörden nicht als dramatisch eingeschätzt wurde. «67000 Franken hatten wir bis im Mai verloren, die Kurzarbeit konnte einiges davon abfedern.» Dank der Solidarität von Fans und Mitgliedern konnte man den Schaden in Grenzen halten. Dennoch musste Brühl im Sommer beim Kader sparen. Und mittlerweile taucht die Frage auf, wie lange die Vereinsmitglieder ohne Meisterschaftsbetrieb weiter bereit sind, Beiträge zu bezahlen. Immerhin: Die Liga sei daran, den Bund auf die Situation in der Promotion League aufmerksam zu machen, sagt Pedone.

Markus Hundsbichler, Vizepräsident Komitee Erste Liga

Markus Hundsbichler, Vizepräsident Komitee Erste Liga

Markus Hundsbichler, Vizepräsident im 1.-Liga-Komitee des Schweizerischen Fussballverbands, bestätigt dies. Die Liga habe das Bundesamt für Sport angeschrieben, sagt er. Dabei gehe es nicht nur um die finanzielle Hilfe. Sondern auch darum, dass die Promotion League den Spielbetrieb schnell wieder aufnehmen dürfe.

«Unser Hauptargument ist, dass die Promotion League eine sehr wichtige Funktion in der Nachwuchsförderung hat.»

So sind die U21-Teams von Basel oder Zürich Bestandteil der Promotion League, weiter haben Vereine wie Rapperswil-Jona oder der SC Brühl viele U21-Spieler in ihren Reihen. «Es ist existenziell für den Schweizer Nachwuchsfussball, dass diese jungen Spieler zum Einsatz kommen», sagt Hundsbichler. Auch aus der Sicht des Nachwuchses sähe er es gerne, wenn die Klubs finanziell unterstützt würden.

Wie der Bund die 115 Millionen unter den Klubs verteilen will

Der Bund hat im November beschlossen, dass Profi- und Halbprofiklubs öffentliche Gelder erhalten sollen, um wegfallende Zuschauereinnahmen aufzufangen. 115 Millionen Franken sind dafür vorgesehen. Gelder beantragen dürfen bei den Männern die Fussball- und Eishockey-Klubs der zwei höchsten Ligen sowie NLA-Klubs in den Sportarten Basketball, Handball, Unihockey und Volleyball. Ebenso unterstützt werden Klubs im Frauenfussball und- eishockey der obersten Liga. Das Parlament dürfte das Gesetz heute absegnen, letzte Detailfragen wurden gestern geklärt. Die Beiträge sollen bis zu zwei Drittel der seit dem 29. Oktober 2020 entgangenen Zuschauereinnahmen abdecken. Als Referenz werden die Zuschauerzahlen der Saison 2018/19 herangezogen. Die Hilfe ist an Bedingungen geknüpft: Der Durchschnitt aller Löhne, die 148200 Franken übersteigen, muss um 20 Prozent gesenkt werden. In den nächsten fünf Jahren darf die Lohnsumme zudem nicht angehoben werden. Als Berechnungsgrundlage sollen die Löhne der Saison 2018/2019 dienen. Der Bundesrat kann aber auf Gesuch hin in speziellen Fällen auch die Löhne mit Stichtag am 13. März 2020 berücksichtigen. (rst)