Das Märchen geht weiter

Martina Hingis gewinnt an der Seite der Inderin Sania Mirza die Doppelkonkurrenz in Melbourne. Für die 35jährige Trübbacherin ist es bereits der 21. Siegerpokal an einem Grand-Slam-Turnier.

Rolf Bichsel/sda
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TENNIS. Vor anderthalb Jahren stellte das zweite Comeback von Martina Hingis noch eine Sensation dar. 2001 hatte Hingis infolge der körperlichen Abnützungserscheinungen als fünffache Grand-Slam-Turniersiegerin im Einzel erstmals den Rücktritt erklärt. Es folgten Comebacks als Einzelspielerin, das zweite brachte sie in den Jahren 2006 und 2007 sogar zurück in die erweiterte Weltspitze und endete 2007 nach einem Dopingvergehen. Im Sommer 2014 wurde Hingis in die «Hall of Fame» aufgenommen, in die man frühestens fünf Jahre nach dem Karrierenende hineingewählt werden kann. Wenige Tage nach der Aufnahme kündigte sie an, als Doppelspielerin wieder auf die Tour zurückzukehren.

Das Comeback im Sommer 2014 lief erneut gut an, wurde von der breiten Öffentlichkeit jedoch nicht ernst genommen. Als Hingis vor einem Jahr in Melbourne dann ankündigte, für die Schweiz nach 17 Jahren wieder Fed Cup spielen zu wollen, um sich die Türe für die Sommerspiele 2016 in Rio offen zu halten, wurde dies belächelt. Damals belegte die Trübbacherin in der Weltrangliste Platz neun.

Mirza, die perfekte Partnerin

Mittlerweile belächelt niemand mehr die Jungseniorin Hingis. Seit sie im März 2015 mit der sechs Jahre jüngeren Inderin Sania Mirza eine Partnerin fand, die ebenfalls ausschliesslich Doppel spielt, geht die Post ab. Das Team Hingis/Mirza gewann die ersten 20 gemeinsamen Sätze. Und nachher lief es immer besser und besser. Mittlerweile sind die Ostschweizerin und die Inderin seit August ungeschlagen. Sie gewannen acht Turniere und 36 Doppelpartien hintereinander – das ist Rekord. «Es fühlt sich mittlerweile ähnlich an wie 1997 im Einzel», sagt Hingis. Damals gewann die Weltranglistenerste zwischen verlorenen Finals am Masters in New York und in Roland Garros 37 Spiele hintereinander. «Ich fühlte mich damals unschlagbar. Und so ist es jetzt auch im Doppel wieder. Wir werden vom Erfolg verwöhnt. Siege stellen mittlerweile eine Selbstverständlichkeit dar.»

An den Australian Open gerieten Hingis und Mirza, die seit Anfang Jahr beide die Weltrangliste im Doppel anführen, selten in Bedrängnis. Den Final gegen die Tschechinnen Andrea Hlavackova/Lucie Hradecka gewannen sie nach 100 Minuten 7:6 (7:1), 6:3, nachdem sie ab dem Tiebreak die Kadenz erhöht hatten. In vier der fünf Partien vor dem Final gaben Hingis/Mirza fünf oder weniger Games ab.

Noch weiterspielen

An den Australian Open triumphierte Hingis zum 21. Mal an einem Grand-Slam-Turnier. Fünfmal siegte sie im Einzel, zwölfmal im Doppel und viermal im Mixed. Diese 21 Titelgewinne verteilte die 35-Jährige über zwei Jahrzehnte – sie will auch nächstes Jahr weiterspielen.

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