Interview
Abfahrer Ralph Weber ist in der Form seines Lebens, als er schwer stürzt: « Ich habe nicht zu viel riskiert.»

Aber ein schwerer Sturz bremst den Gossauer Weltcupfahrer und ehemaligen Junioren-Weltmeister. Andere würden aufhören. Im Interview spricht Ralph Weber über den Sturz und seine Motivation, unbedingt weiter zu fahren.

Daniel Good
Merken
Drucken
Teilen
Sturz in der Abfahrt von Saalbach-Hinterglemm wegen einer schlecht präparierten Piste.

Sturz in der Abfahrt von Saalbach-Hinterglemm wegen einer schlecht präparierten Piste.

Alain Grosclaude/Agence Zoom / Getty Images Europe
  • Der Gossauer Abfahrer Ralph Weber rast in diesem Winter so schnell zu Tal wie noch nie.
  • Platz zehn am Lauberhorn in Wengen und die erste Trainingsbestzeit im Weltcup.
  • Aber Ralph Weber stürzt in der vergangenen Woche in Saalbach-Hinerglemm schwer.
  • Er erleidet einen Innenbandriss im linken Knie und muss die Saison abbrechen.
Ralph Weber vor dem Saisonstart

Ralph Weber vor dem Saisonstart

Michel Canonica

War die Piste schuld am Sturz oder war es ein Fahrfehler?

Ralph Weber: Schlussendlich ist es immer ein Fahrfehler, sagt man. Aber die Abfahrtsstrecke war schlecht präpariert. Als ich mit 120 Stundenkilometern zur Kurve ansetzte, geriet ich in 15, 20 Zentimeter hohe Schneehaufen, die beim Training nicht dort waren. Da war ich natürlich verloren.

«Wenn die Fahrer mit den höheren Startnummern wie ich kommen, nehmen es die Pistenarbeiter in den Rennen halt nicht mehr so genau.»

Die ganze Konzentration gilt den Spitzenfahrern. Das dürfte an einem Ort, der sich um die WM 2025 bewirbt, nicht passieren. Der Sturz hätte nicht sein müssen.

Haben Sie zu viel riskiert?

Nein, auf keinen Fall. Ich weiss schon, was es bei diesen hohen Tempi leiden mag. Meine Linienwahl in jener Passage war sicher vertretbar.

Wie geht es Ihnen ein paar Tage nach dem schweren Sturz?

Körperlich geht es einigermassen, ich bin mit Krücken und Schienen unterwegs. Für den Kopf war es aber schon schwierig. Ich war doch so gut aufgestellt in dieser Saison wie noch nie. Das gibt mir aber zugleich Mut für die Rehabilitation.

Zuerst gaben Sie Entwarnung. Dann stellte sich heraus, dass es doch schlimmer ist.

Nach dem Sturz tat mir so gut wie nichts weh. Aber das hatte wahrscheinlich mit dem Schock zu tun. Es gelang mir, im Fallen den Kopf und die Knie zu schützen. Ich fuhr mit den Ski noch bis ins Ziel. Dort spürte ich, dass etwas instabil war im Knie. Ich hatte schon einmal einen Innenbandriss und weiss, wie sich das anfühlt. Anderntags ging ich in Zürich zu einer MRI-Untersuchung. Ich bin noch gut davon gekommen.

«Weil ich physisch so stark bin, ist nicht mehr passiert.»

Ich bin froh, dass es keine Schäden am Meniskus oder am Kreuzband gab. Ich kam ja auch um eine Operation herum.

Trotz des erneuten Sturzpechs denken Sie nicht ans Aufgeben. Woher nehmen Sie die Motivation?

Vorab aus dieser Saison. Ich weiss mittlerweile, dass nur noch wenig bis zur absoluten Spitze fehlt. Ich war auch in Kitzbühel gut: bester Schweizer im Abschlusstraining und unter den ersten zwanzig im Rennen. Aber Wengen war natürlich der Höhepunkt. Mit all’ diesen Emotionen.

Ralph Weber am Hundschopf in der Lauberhorn-Abfahrt

Ralph Weber am Hundschopf in der Lauberhorn-Abfahrt

Jean-Christophe Bott / KEYSTONE

Es gibt nichts Schöneres, als am Lauberhorn eine Spitzenklassierung zu erreichen. So etwas werde ich nach der Karriere wohl nie mehr erleben.

Müssen Sie jetzt sechs Wochen liegen? Ab wann können Sie wieder leicht trainieren?

Zum Glück habe ich daheim im Keller einen Kraftraum. Bereits diese Woche steige ich mit den Krücken hinunter und beginne mit der Kräftigung des Oberkörpers. Wichtig ist, dass das Knie lange genug geschont wird. Ich habe den Umfang der Oberschenkel am Tag des Unfalls gemessen. Ich bin gespannt, um wie viel die Muskulatur abnimmt und wie schnell ich sie wieder aufbauen kann.

Wann stehen Sie wieder auf den Ski?

Ich hoffe sehr, dass ich im April mit der Schweizer Mannschaft wieder auf Winterschnee in St.Moritz trainieren kann. Sonst wäre die Pause bis im August schon sehr lange.

Haben Sie keine Angst vor einer Blockade im Kopf nach den schweren Stürzen? Ihre Sportart ist ja nicht gerade ungefährlich.

Nein, es war ja ein Sturz, an dem ich nur zum Teil schuld bin. Wichtig ist, nicht zu früh wieder Ski zu fahren und dann unter Belastung das Gefühl zu haben, irgendetwas stimme nicht im verletzt gewesenen Knie.

Sie sind erst 26-jährig. Welche Ziele haben Sie noch im Sport?

Ich bin schon lange im Weltcup. Einige denken wohl, der ist schon ewig dabei. Für einen Rennfahrer bin ich aber recht jung. Andere wie der mittlerweile sehr erfolgreiche Mauro Caviezel lösten den Knoten in einem Alter, das ich vor mir habe. Auf jeden Fall mache ich weiter, solange ich Freude habe.

Der Flachländer im alpinen Weltcup

Zum ersten Mal international auf sich aufmerksam machte Ralph Weber an der Junioren-WM 2012, als er Gold im Super-G und Silber in der Abfahrt holte. Im Super-G liess er heutige Grössen wie Aleksander Aamodt Kilde und Henrik Kristoffersen hinter sich. 2012 war er Nachwuchssportler des Jahres. Ein Jahr später wurde der 26-jährige Gossauer Europacupsieger in der Abfahrt. Im Weltcup kam Weber zweimal unter die ersten zehn. Immer wieder machten ihm Verletzungen zu schaffen. (dg)