Das Landei punktet auf dem Land

KREUZLINGEN. In Bayern füllt sie Hallen, in der Schweiz kennt man sie weniger. Nun hat das KiK Martina Schwarzmann und ihr Programm «Gscheid gfreid» nach Kreuzlingen geholt. Sehr zur Freude des Publikums.

Severin Schwendener
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Burschikose Art als Markenzeichen: Martina Schwarzmann. (Bild: Reto Martin)

Burschikose Art als Markenzeichen: Martina Schwarzmann. (Bild: Reto Martin)

Sie redet frei von der Leber weg, wie ihr der Schnabel gewachsen ist; erzählt von ihren Kindern und den Hühnern oder lästert über die Verwandtschaft. Martina Schwarzmann aus Oberbayern ist eine Tochter vom Lande, ihre burschikose Art ihr Markenzeichen. Dass sie damit im ländlichen Thurgau auf offene Ohren stossen würde, durfte erwartet werden, und ihr Auftritt im Kulturzentrum Dreispitz in Kreuzlingen im Rahmen von Kabarett in Kreuzlingen (KiK) am Samstagabend wurde von über dreihundert Gästen begeistert aufgenommen.

Bezug zum eigenen Leben

Auch mit ihrer unkomplizierten Art und der teils etwas derben Sprache kann Schwarzmann jedoch nicht verbergen, dass sie eine exzellente Beobachterin ist und philosophischen Betrachtungen mehr als nur ein bisschen zugetan ist. Überhaupt ist gerade die Kombination aus scharfer Beobachtungsgabe und unzimperlicher Ausdrucksweise Schwarzmanns Geheimrezept, der Draht, den sie zum Publikum findet.

Denn was sie sagt kommt einem bekannt vor, kann man mit dem eigenen Leben in Bezug setzen; und ihre Sprache ist die Sprache, die man selbst im Alltag verwendet. Keine intellektuelle Kontemplation, keine Provokation durch bewusst eingesetzte Reizwörter, keine Schenkelklopfer auf Kosten anderer, sondern schlicht und einfach lachen über die Komik des Lebens an sich, über den Witz im simplen Alltag. Wie vertraut es einem doch ist, wenn Schwarzmann über Familientreffen lästert oder über die «Nachbesprechung» im Auto auf dem Heimweg. Köstlich, wenn sie den unverhofft im reifen Alter erhaltenen Nachwuchs als «Fleisch gewordene Menopause» bezeichnet oder das Intimleben einiger Verwandten lakonisch kommentiert: «Wenigstens verhüten's!»

Bayrisch phantastisch

Dazu singt Schwarzmann Lieder, begleitet sich selbst auf der Gitarre. Da ist das Lied vom internationalen Deppentag, an dem jeder Vollpfosten gerade das tut, was er tun möchte; oder das Lied von dem Tag, an dem Gott jeden einzelnen ihrer Gedanken in Tat umsetzt und der CEO von Monsanto folgerichtig beim Scheissen vom Blitz getroffen wird.

Es ist halt doch nicht so einfach, wenn «eines Wille geschieht», und schwupps ist Schwarzmann ernst geworden, singt von Träumen, die man im Leben scheint's haben muss. Muss man wirklich? Oder reicht es nicht völlig, wenn man zufrieden ist mit dem, was man hat? Wenn Tretbootfahren auf dem Ammersee gerade so gut ist wie eine Jacht in Monte Carlo? Wenn man selbst endlich wieder Lego spielen darf, weil die Kinder einem den perfekten Vorwand dafür liefern?

Manchmal Übersetzung nötig

Es ist die Zufriedenheit eines Landeis, die aus diesen Stücken und Sätzen spricht, und sie ist genauso authentisch und unverkrampft wie Schwarzmanns urchiges Bayrisch, das im Übrigen die Zuschauer hin und wieder vor echte Herausforderungen stellt. Mehr als einmal bleibt es nach Pointen verdächtig still – was nicht an der Lachfreude des Publikums liegt, das ansonsten gerne und laut lacht; ein, zweimal «übersetzt» Schwarzmann in «echtes» Hochdeutsch.

Am Ende bleibt der Eindruck von einer unglaublich phantasievollen, sympathischen Frau, die mit scharfem Blick aufs Leben schaut und von Herzen darüber lachen kann – darob aber nie vergisst, dass es Wichtiges gibt, über das nachzudenken es sich lohnt. Kein Wunder, klatscht das Publikum auch noch, als sie längst von der Bühne abgegangen ist, das Licht wieder brennt und die ersten den Saal bereits verlassen.

Fr, 21.3., 20 Uhr, Dreispitz: Mathias Richling, «Deutschland to go» kik-kreuzlingen.ch