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Das kleine Marokko wittert Morgenluft

Wer richtet die WM-Endrunde 2026 aus? Aussenseiter Marokko oder die Allianz USA/Kanada/Mexiko? Das Rennen ist, auch dank Donald Trump, völlig offen. Selbst der Schweizer Verband weiss noch nicht, für wen er am 13. Juni stimmen wird.
Jürg Ackermann

Eigentlich war die Sache bis vor ein paar Monaten klar: Die WM-Endrunde 2026 wird in den USA, Mexiko und Kanada stattfinden. Die drei Länder verfügen über ein sehr solides Bewerbungsdossier. Sie scheinen am ehesten in der Lage, das bis dahin auf 48  Länder aufgeblähte Teilnehmerfeld zu bewältigen, zumal ein guter Teil der Infrastruktur bereits vorhanden ist. Und sie versprechen der Fifa nichts weniger als den Rekorderlös von fünf Milliarden Franken.

Gianni Infantino setzt sich vehement für die nordamerikanische Kandidatur ein. Bild: Ap/Evan Vucci

Gianni Infantino setzt sich vehement für die nordamerikanische Kandidatur ein. Bild: Ap/Evan Vucci

Doch technische Daten werden beim Fifa-Kongress in Moskau kaum den Ausschlag geben. Es geht wieder einmal um Politik, um Macht, um Ränkespiele und persönliche Fehden. Mittendrin Donald Trump. Der US-Präsident hat sich in den letzten Monaten als grosse Hypothek für die nordamerikanische Kandidatur erwiesen. Erst bezeichnete er afrikanische Staaten pauschal als «Dreckslöcher». Später sagte er, dass die USA jenen Ländern die Entwicklungshilfe streichen könnten, die am 13. Juni nicht für die Dreierkandidatur USA/Kanada/Mexiko stimmen. Nicht eben hilfreich ist auch, dass sich einige nordamerikanische Städte als mögliche Spielstätten selber aus dem Rennen nahmen – wie zuletzt Vancouver und Chicago. Die dortigen Behörden stören sich daran, dass die Fifa für jegliche Aktivitäten vor Ort Steuerfreiheit über zehn Jahre fordert.

Infantino braucht mehr Geld für die Fifa


"Trump will eine Mauer zu Mexiko bauen, gleichzeitig mit dem Land aber die Fussball-WM ausrichten. Das wirft viele Fragen auf», sagt ein gut vernetzter Fifa-Insider, der Marokko inzwischen «sehr intakte Chancen» einräumt. Beobachter gehen davon aus, dass nicht nur der afrikanische Verband fast geschlossen hinter der Kandidatur Marokkos steht. Das nordafrikanische Land darf auch auf Stimmen aus Asien (vor allem von moslemischen Ländern) und Europa hoffen. Spanien, Frankreich oder Belgien haben bereits signalisiert, dass sie für Marokko stimmen werden, weil das Land nahe bei Europa liegt und Afrika bisher erst eine Endrunde (2010 in Südafrika) austragen durfte. Noch unentschlossen ist der Schweizer Verband. «Wir werden bis kurz vor der Abstimmung die Zeit nutzen, um uns ein möglichst vollständiges Bild von den Kandidaturen zu machen», sagt Medienchef Marco von Ah. Weil erstmals sämtliche Mitgliedsländer und nicht mehr das Fifa-Exekutivkomitee über die WM-Vergabe bestimmen, dürfte es ein enges Rennen werden.

US-Präsident wird wegen seinen unbedarften Äusserungen zum besten Wahlhelfer für die marokkanische Kandidatur.

US-Präsident wird wegen seinen unbedarften Äusserungen zum besten Wahlhelfer für die marokkanische Kandidatur.

Klar ist, wo die Sympathien von Fifa-Präsident Gianni Infantino liegen: Bei der nordamerikanischen Kandidatur, die eine lukrativere Vermarktung verspricht. Infantino versucht mit allen Mitteln, zu mehr Einnahmen für die Fifa zu kommen, um sein Wahlversprechen (mehr Geld für die Mitgliederverbände) erfüllen zu können und den Boden für seine Wiederwahl 2019 zu legen. Wegen der vielen Korruptionsfälle der vergangenen Jahre ist die Sponsorensuche für den Weltfussballverband schwieriger geworden. Neue Geldgeber kommen praktisch nur noch aus dem chinesischen oder arabischen Raum. Diese sind es auch, die mit exorbitanten Summen eine neue Club-WM ins Leben rufen wollen – zusammen mit Infantino, der für seine Pläne aber bereits heftige Prügel von den europäischen Grossclubs einstecken musste. Diese wehren sich gegen eine weitere Aufblähung des Spielkalenders. Auf wenig Gegenliebe stiess Infantino auch mit dem Plan, die beiden Kandidaturen für die WM 2026 vorgängig von einer internen Taskforce überprüfen zu lassen. Schneidet ein Bewerber schlecht ab, kann er von der Wahl in Moskau kurzfristig ausgeschlossen werden.

Auch Sepp Blatter unterstützt Marokko

Es ist klar, dass diese Klausel vor allem Marokko treffen könnte. Die Bewerber aus Afrika lassen sich jedoch nicht aus der Ruhe bringen. Das Schwellenland will 16 Milliarden Dollar investieren, unter anderem in eine neue Fussballarena in Casablanca für 93000 Zuschauer. Dass viele marokkanische Meisterschaftsspiele derzeit vor wenigen tausend Zuschauern stattfinden, spielt eine untergeordnete Rolle. Dass nach der WM-Endrunde 2026 verlotternde Stadien drohen wie teils in Südafrika oder Brasilien ebenso.

Hinter den Kulissen weibelt auch der suspendierte Fifa-Präsident Sepp Blatter für Marokko, das sich bereits zum fünften Mal für eine WM-Endrunde bewirbt. «Nach der WM 2002 in Südkorea und Japan hat die Fifa beschlossen, Einzelkandidaturen aus organisatorischen Gründen zu bevorzugen», sagt Blatter auf Anfrage. Zudem setze er sich immer für die Schwächeren ein. Blatter würde es als Affront empfinden, sollte die Fifa Marokko nicht die Möglichkeit geben, sich am Kongress in Moskau zu präsentieren.
Doch es dürfte nicht nur seine Liebe für den schwarzen Kontinent sein, die den 82-jährigen Walliser antreibt. Blatter will vor allem auch seinem ungeliebten Nachfolger Gianni Infantino einen Stein in den Weg werfen. Dieser hatte vor zwei Jahren die exorbitanten Bezüge der ehemaligen Fifa-Führungsriege unter Blatter publik gemacht. Seither versucht Infantino, sich von der Vergangenheit zu distanzieren und sich als Retter zu inszenieren. Ohne den Fifa-Reformprozess wirklich voranzubringen.

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