Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Interview

Mundartsänger Kunz über seine Faszination fürs Schwingen: «Das ist wie sehr hartes Tanzen»

Kunz ist erfolgreicher Mundartmusiker und Schwingfan. Am Freitag tritt er an der Party des Innerschweizer Schwing- und Älplerfestes in Ruswil auf. Ein Gespräch über den Reiz des Sports, Gigantismus und Traditionen.
Michael Graber
«Mit Mundart wirst du wohl nie cool sein»: Marco Kunz in der Schwingarena in Ruswil. (Bild: Dominik Wunderli (Ruswil, 20. Juni 2018)

«Mit Mundart wirst du wohl nie cool sein»: Marco Kunz in der Schwingarena in Ruswil. (Bild: Dominik Wunderli (Ruswil, 20. Juni 2018)

Bei Kunz läuft es. Der 33-jährige Luzerner gehört zur oberen Liga der Mundartpop-Fraktion. Seine Lieder werden am Radio gespielt, seine Konzerte sind ausverkauft. Soeben ist er nach drei Monaten auf Reisen, unter anderem im Iran, wieder im Land und arbeitet derzeit am kommenden Album. Im nächsten Februar soll es erscheinen. «Momentan bin ich am Songsschreiben», sagt er. Zuerst spielt er an der Schwingerparty des Innerschweizer Schwing- und Älplerfests in Ruswil. Für die Party gibt es an der Abendkasse noch Tickets. Auch am Schwingfest selber wird Kunz zu Gast sein. Der Mauenseer ist seit langem Schwingfan.

Marco Kunz, woher kommt Ihr Interesse fürs Schwingen?

Der ehemalige Spitzenschwinger Vitali Werner war unser Nachbar in Mauensee. Ihm sind wir damals von Fest zu Fest nachgereist. Als Kind habe ich immer zu diesen Schwingern aufgeschaut.

Warum?

Das ist doch typisch Kind: Man will der Stärkste und der Grösste sein. Und diese Schwinger waren eben genau das: riesige Munis, die untereinander ausmachen, wer der Stärkste ist. Diese Kräfte, die da wirken, das hat auf mich eine ungeheure Faszination ausgestrahlt – bis heute.

Was ich lustig finde: Alle schauen Schwingen, aber fast niemand schwingt selber. Sind Sie selber mal in die Schwinghosen gestiegen?

Einmal machte ich bei einem Schnuppertraining mit. Seither war ich aber wieder nur Zuschauer.

Gehen Sie regelmässig an die Schwingfeste?

Nicht mehr so oft wie als Kind. An die Eidgenössischen gehe ich aber immer.

Gratis an die Schwingerparty

Wir verlosen 2-mal zwei Tickets für die Schwingerparty in Ruswil mit DJ Matty Valentino, Kunz und QL vom kommenden Freitag, 29. Juni. Die Party im Festzelt Rusmu beginnt um 18.30 Uhr (Abendkasse ab 17 Uhr).
0901 83 30 25 (1.50 CHF pro Anruf)
Und so einfach funktioniert’s: Wählen Sie heute bis 13 Uhr die oben angegebene Telefonnummer, oder nehmen Sie unter www.luzernerzeitung.ch/wettbewerbe an der Verlosung teil. Die Gewinner werden unter allen Teilnehmern ermittelt und informiert.

Wie viel verstehen Sie von diesem Sport?

Ich bin ein interessierter Beobachter. Ich könnte nicht alle Schwünge unterscheiden, aber ich sehe, warum es eine Note 10 oder eine 9,75 gibt.

Können Sie einem Schwinglaien wie mir erklären, was die Faszination von solchen Anlässen ist?

Der Sport steht noch im Vordergrund. Mir gefällt auch, dass man zusammen den ganzen Tag verbringt. Ab halb acht beim Anschwingen bis am Abend ist man da und schaut den Schwingern zu. Sonst bin ich eigentlich gar kein Fan von Kampfsport.

Ist Schwingen ein Kampfsport?

Ich weiss es nicht. Eher nicht. Es ist eher sehr hartes Tanzen, und man schaut, wer zuerst umfällt (lacht). Was ich auch faszinierend finde: Ausser dem ersten Gang weiss man nichts im Vorfeld. Da kann alles passieren.

Ist Schwingen nicht einfach längst Folklore?

Ich finde nicht, dass man Schwingen schauen gehen soll, weil man ein stolzer Schweizer ist. Sondern weil man ehrliche Sportler erleben will, die sich sehr fair untereinander messen. An einem Schwingfest wirkt all das Urchige wie Jodeln und Fahnenschwingen nicht aufgesetzt, sondern es ist integriert. Wenn da in einer Pause ein Jodelchörli singt, passt das. An vielen anderen Orten ist es künstliche und so ein bisschen aufgesetzte Swissness.

Aber Schwingen ist doch die totale Swissness.

Es wird zu dem gemacht, es wird ausgeschlachtet – gerade an den Eidgenössischen. Die sind so gross geworden. Ich finde Swissness eigentlich negativ behaftet. Mich stört diese Swissness dort, wo sie künstlich erzeugt wird. Dort, wo überall noch ein Schweizer Kreuz drauf muss und es eigentlich gar keinen Bezug gibt. Beim Schwingen sind diese Traditionen aber echt. Das ist unser Nationalsport, der wird nur hier gemacht. Darum finde ich es auch komisch, wenn eine Grossbank Werbung mit Schwingen macht. Schwingen ist für mich ein Genossenschaftssport.

In den letzten Jahren sind die Schwingarenen immer grösser geworden. Jetzt läuft gerade die WM, und mich als Fussballfan stört der Gigantismus.

Ich verstehe diese Bedenken und teile sie bei der WM auch. Aber gleichzeitig kann man an dieser Weltmeisterschaft Spiele sehen, von denen man denkt: Wow, das ist richtig guter Fussball. Die Qualität ist viel besser geworden. Das ist beim Schwingen in meinen Augen ähnlich – auch wenn ich sicherlich kein Experte bin. Die heutigen Spitzenschwinger beispielsweise können kaum mehr 100 Prozent arbeiten.

Ist das gut?

Ich glaube, das gehört zum Sport: Man will immer der Beste sein. Wenn jemand weniger arbeitet, um mehr zu trainieren, und er so besser wird, dann machen das andere Sportler auch. Natürlich könnte man das unterbinden und verbieten, aber so klemmt man eine Entwicklung ab. Dann sind wir beim Erhalten. Und ich glaube, dass eine stetige Entwicklung sinnvoll und wichtig ist. Erhalten tun Museen.

Etwa gleichzeitig wie mit dem Schwingen ist die Mundartmusik immer grösser geworden. Gibt es da einen Zusammenhang?

Ich glaube, dass die Leute im Moment gerne Dinge verstehen. Beim Schwingen ist es das Schnörkellose, und bei der Mundartmusik ist es, dass man keinen Umweg über eine Fremdsprache machen muss. Als ich ein Kind war, war englische Musik das Grösste. Michael Jackson war mein Held. Aber ich weiss bis heute nicht genau, was er eigentlich singt. Heute will man viel mehr verstehen, was gesungen wird.

Ihr erstes Album erschien, als Mundart noch nicht sonderlich cool war.

Von wegen cool. Mit Mundart wirst du wohl nie cool sein. Mundart bleibt bei den hippen Leuten eher eine nicht allzu ernst zu nehmende Welt.

Warum?

Das ist doch eine Tendenz, die man auch an anderen Orten im Leben hat. Alles, was nah ist, kann ja nicht wirklich neu und trendy sein. Uns fasziniert das Ferne deutlich mehr. Das ist geheimnisvoller. Mir geht das manchmal auch so.

Steht man irgendeinmal drüber, dass man nicht als cool angeschaut wird?

Absolut. Cool sein ist auch nie mein Anspruch. Ich möchte authentisch und ehrlich sein, ich will mit meinen Liedern etwas sagen. Und das kann ich besser auf Mundart.

Trotzdem: Mit Mundart schafft man es nie ins Ausland. Früher träumten doch alle Bands von grossen Touren durch England.

Da bin ich vielleicht viel zu pragmatisch. Es gibt Leute, die bessere Texte schreiben. Und es gibt Leute, die bessere Songs schreiben. Ausserdem: Ich habe schnell mal Heimweh.

Ist es ein Vorteil für Sie, dass Mundart so boomt?

Ich finde es gut. Mundartmusik findet jetzt auch im Radio statt und erreicht damit eine breitere Öffentlichkeit. Das hilft sicher.

Wie viel an dieser Swissness in der Mundartmusik ist echt?

Bestimmt nicht alles. Aber ich finde, man merkt es ja, wenn es jemand nicht ernst meint. Eine Band kann nicht einfach einen Mundartsong machen und alles läuft gut. Man muss diese Sache irgendwie gerne haben.

Aber wenn ich einige Lieder des Mundartsängers Trauffer höre, habe ich das Gefühl, dass da kein Schweizer Klischee ausgelassen wird.

Da muss man aber aufpassen. Er sagt selber, dass er mehr Entertainer als Musiker sei. Und das macht er fantastisch. Da darf man auch mal etwas übertreiben mit all den Elementen.

Ab Mittwoch wird gefeiert

Der Höhepunkt des 112. Innerschweizer Schwing- und Älplerfestes in Ruswil bildet natürlich das Schwingfest am Sonntag. Doch bereits zuvor läuft einiges auf dem Festgelände: Am Mittwoch um 17 Uhr wird der Gabentempel eröffnet, die Gabenbeiz mit musikalischer Unterhaltung ist bis 23 Uhr offen – genauso wie am Donnerstag (immer freier Eintritt). Am Freitag steigt die grosse Schwingerparty mit DJ Matty Valentino, Kunz und QL (Türöffnung 18.30 Uhr), auch in der Gabenbeiz wird bis 2 Uhr musiziert. Am Samstag sind die Gabenbeiz und das Schwingerdörfli von 10.30 bis 18 Uhr geöffnet. (red)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.