Das Herz noch immer im Sand

Der frühere Europameister Sascha Heyer zieht die Fäden an der Beachvolleyball-EM in Biel. Mit dem heutigen Turnierbeginn hofft der Frauenfelder auf trockenes Wetter und ein erfolgreiches Abschneiden der einheimischen Teams.

Matthias Hafen
Drucken
Teilen
OK-Chef Sascha Heyer steht im Sand, aus dem die Spielfelder für die EM gewalzt werden. (Bild: Bieler Tagblatt/Reto Probst)

OK-Chef Sascha Heyer steht im Sand, aus dem die Spielfelder für die EM gewalzt werden. (Bild: Bieler Tagblatt/Reto Probst)

BEACHVOLLEYBALL. Zehn Jahre dauert die Durststrecke der Schweizer Männer an der jährlich stattfindenden EM schon. Seit 2006 und der bronzenen Auszeichnung von Heuscher/Kobel gewann kein Duo mehr eine Medaille. Und es sieht nicht so aus, als würde sich das am diesjährigen Heimturnier ändern. Von heute bis Sonntag findet die EM am Ufer des Bielersees statt. Eine Sternstunde könnte es 2016 jedoch für Forrer/Vergé-Dépré und Heidrich/Zumkehr geben. Die guten Aussichten bei den Frauen, die schon 2014 auf Sardinien mit Goricanec/Hüberli im EM-Final vertreten waren, sind mit ein Grund, weshalb sich Swiss Volley intensiv um die Austragung der kontinentalen Titelkämpfe bemüht hat.

«Es wird auf jeden Fall spektakuläre Spiele geben», verspricht Turnierdirektor Sascha Heyer, «denn die europäische Elite ist fast deckungsgleich mit der Weltelite.» Der in Frauenfeld wohnhafte frühere Profi vertritt in Biel die organisierende 4Sports & Entertainment AG. Von den insgesamt acht Kandidaturen kamen drei von der Zuger Agentur. Nebst Biel ging Heyer mit den Dossiers «Lausanne» und «St. Gallen/Arbon» ins Rennen. Als Thurgauer macht er keinen Hehl daraus, dass er gerne die Ostschweizer Variante verwirklicht hätte. «Aber die Aufteilung auf zwei Spielorte war wohl nicht ideal», so Heyer.

2001 in Jesolo triumphiert

Nun organisiert Heyer die Titelkämpfe im Berner Seeland – und das nicht nur mit viel Einsatz, sondern auch mit Herz und Seele. Heyer weiss, was er tut. 2001 gewann er im spanischen Jesolo an der Seite von Markus Egger EM-Gold. In der Ostschweiz wurde der über zwei Meter grosse Hüne später vor allem als langjähriger Spielpartner des Frauenfelders Patrick Heuscher bekannt. Gemeinsam nahmen sie an den Olympischen Spielen 2008 in Peking teil.

Heute, mit 43 Jahren, steht Heyer wieder im Sand. Allerdings nur noch, um sich als OK-Chef ablichten zu lassen. Dennoch kennt er viele aktuelle EM-Teilnehmer persönlich, begrüsst sie per Handschlag, wenn sie die provisorische Turnier-Arena für 3200 Zuschauer inspizieren. Das wechselhafte Wetter und die teils starken Winde sind die grösste Herausforderung für ihn. «Wir brauchen nicht 35 Grad und prallen Sonnenschein. Dann machen die Leute anderes als Beachvolleyball schauen.» Trotzdem wünscht sich Heyer gut 20 Grad Celsius und keinen Regen. «Dann wird es ein Fest.»

«Männer brauchen Freiheiten»

Drei Millionen Franken Budget stehen dem Frauenfelder zur Verfügung. Nicht wenig für einen viertägigen Anlass. Den Erfolg der einheimischen Teams kann sich der ehemalige Europameister damit aber nicht kaufen. «Bei den Frauen sehe ich keinen Nachholbedarf. Dort spielen wir an der absoluten Spitze mit.» Hingegen laufe bei den Männern nicht alles rund. Ein Knackpunkt ist für Heyer das nationale Trainingszentrum der Beachvolleyballer in Bern. «Das scheint für die Frauen zu funktionieren. Doch aus eigener Erfahrung weiss ich, dass die Männer mehr Freiheiten brauchen, nicht alles stur nach Regeln und Plänen machen wollen», so Heyer. Deshalb würde ihn in Biel eine Nullnummer nicht überraschen. Und: «Ich denke, dass sich auch kein Schweizer Männerteam für die Olympischen Spiele in Rio qualifizieren wird.»

Aktuelle Nachrichten