Das gute Gefühl ist zurück

Die Schweiz agierte beim 2:2 im Test gegen Polen gefällig. Wie beim 4:0 in St. Gallen gegen Litauen machte es Spass, ihr beim Spielen zuzusehen. Das war nicht immer so. Die Akteure haben unter Vladimir Petkovic begonnen, die vom Trainer geforderte Lust auf dem Platz zu leben.

Christian Brägger
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Die Schweiz hat mit Nationaltrainer Vladimir Petkovic an Flughöhe gewonnen. (Bild: ky/Gian Ehrenzeller)

Die Schweiz hat mit Nationaltrainer Vladimir Petkovic an Flughöhe gewonnen. (Bild: ky/Gian Ehrenzeller)

FUSSBALL. Erste und letzte Eindrücke bleiben haften. Der Mensch funktioniert so, und diese Eigenschaft kommt auch in den Gedanken über die Schweizer Nationalmannschaft zum Tragen. Im August, als Trainer Vladimir Petkovic ihre Führung übernahm, war das Empfinden vorsichtig positiv. Der Inhalt seiner Worte klang zwar fremd, weil da einer redete, der seiner Mannschaft so viel zutraute. Und weil da einer davon sprach, dass er von seinem Team eine dominante Spielweise forderte. Gegen jeden Gegner notabene. Solche Töne hatte man in den sechs Jahren zuvor unter Ottmar Hitzfeld nicht gehört. Für den Deutschen stand nur das «Was» an oberster Stelle, das «Wie» war ihm egal – Resultatfussball halt.

Trotz Lichtblicke kein guter Start

Vorerst nur im Ansatz liess die Schweiz den Worten von Petkovic im EM-Qualifikationsstart gegen ein solides England Taten folgen. Sie verlor trotz guter Momente 0:2, gar ein zweites Mal einen Monat später im Oktober gegen Slowenien. Bereits versammelten sich die Kritiker und zählten den Nationaltrainer an. Dabei übersahen sie, dass das Team die geforderte Verwandlung zum lustvollen, dominanten Spielstil bereits initiiert hatte; wegen fehlender Effizienz haperte einfach die Umsetzung.

Allein der Glaube versetzt bekanntlich Berge. Umso wichtiger war es, dass die zwei 4:0-Siege gegen San Marino und Litauen den Schaden in der laufenden EM-Qualifikation minimierten. Mittlerweile nimmt die Schweiz in der Gruppe E den dritten Platz ein und ist in Lauerstellung für den zweiten Rang der punktgleichen Slowenen, der den direkten Weg nach Frankreich bedeuten würde. Wohl hatte man in dieser Gruppe mehr erwartet. Wichtiger aber ist, dass die Spieler den Worten des Trainers nun wieder Glauben schenken.

Allein der Glaube zählt

Dies tun sie inzwischen. Anders kann der letzte Auftritt in Polen vor der knapp fünfmonatigen Pause der Nationalmannschaft nicht interpretiert werden. Selten sah man eine Schweiz so beschwingt auftreten wie beim 2:2. Es war ein gutes Gefühl, das einem beim Zuschauen überkam. Vielleicht also könnte es doch etwas werden mit diesem Fussballtrainer. Vielleicht gelingt der Sprung auf die nächste Stufe ja doch, die über dem Resultatfussball steht.

Petkovic ging seinen Weg bisher unbeirrt, er blieb manchmal wohl auch zu seinem Selbstschutz undurchschaubar. Aber der 51-Jährige versprühte diese Lust am Spiel, die im Fussball tatsächlich so wichtig ist. In Polen und davor gegen Litauen zeichneten seine Spieler endlich dieses Bild. Das verspricht Hoffnungsvolles für die Zukunft. Denn Xherdan Shaqiri, sofern er denn von Bayern München weggeht, dürfte als die zentrale Figur im Schweizer Spiel bei regelmässigen Einsätzen in einem neuen Club noch besser werden – und damit auch die Darbietungen des gesamten Teams. In der Tat belegen die Spiele der Nationalmannschaft im Jahr 2014 diese These. An der WM in der Partie gegen Honduras, zuletzt gegen Litauen und Polen. Es ist jetzt dieser Eindruck, der zählt.