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Der Krug ist zusammengeklebt: Das müssen Sie zum Frieden zwischen Shaqiri und Petkovic wissen

Xherdan Shaqiri hat sich mit Nationaltrainer Vladimir Petkovic versöhnt – was aber bleibt nach dem Zwist? Und welche Auswirkungen hat das belastete Verhältnis auf die Zukunft? Eine Analyse in vier Fragen und Antworten.
Etienne Wuillemin
Haben sich versöhnt: Vladimir Petkovic und Xherdan Shaqiri

Haben sich versöhnt: Vladimir Petkovic und Xherdan Shaqiri

#1 - Xherdan Shaqiri kehrt ins Nationalteam zurück – ist das eine gute Nachricht?

Die Meldung des Schweizer Fussballverbands kommt am Donnerstag kurz vor 14 Uhr. «Xherdan Shaqiri steht dem A-Nationalteam wieder zur Verfügung», lautet der Titel. Das tönt gut. Und noch besser ist Shaqiris Eingeständnis, dass sein Verhalten und die dadurch entstandene Unruhe «weder beabsichtigt noch zielführend» war. Im September verzichtete Shaqiri darauf, dem Aufgebot von Nationaltrainer Vladimir Petkovic für die EM-Qualifikationsspiele gegen Irland und Gibraltar Folge zu leisten. Obschon er nicht verletzt war. Begründung: Er fühle sich mental nicht fit, der Nati zu helfen.

Gleichzeitig sprach Petkovic so offen wie noch nie über sein Verhältnis mit Shaqiri. «Es könnte besser sein», sagte der Trainer, «jeder muss künftig auf den anderen zugehen.» Petkovics entwaffnende Aussage war der Beleg dafür, was Beobachter rund um das Nationalteam längst wussten: Der Trainer und sein Schlüsselspieler respektieren einander höchstens, die Beziehung ist aber ziemlich belastet. Dass nun am Mittwoch in Liverpool ein zweistündiges Gespräch stattgefunden hat, ist löblich. Es ist richtig, dass Petkovic auf Shaqiri zugeht. Und es ist wichtig, dass Shaqiri sich zu einem Bekenntnis für die Nati durchgerungen hat. Umso mehr, als dass er derzeit an der Wade verletzt ist – und darum auch in der kommenden Woche nicht beim Nationalteam sein kann. Shaqiris «Ja!» und seine Einsicht, viel Wirbel ausgelöst zu haben, sind gleichwohl die Basis für eine funktionierende Zusammenarbeit in Zukunft.

Daumen hoch: Xherdan Shaqiri ist wieder voll in der Nati dabei. Wenn er denn nicht mehr verletzt ist. (Bild: Keystone)

Daumen hoch: Xherdan Shaqiri ist wieder voll in der Nati dabei. Wenn er denn nicht mehr verletzt ist. (Bild: Keystone)

#2 - Was bleibt hängen von Petkovics Beziehungsproblem mit Shaqiri?

Ein bisschen wirkt die Geschichte so, als würde ein Krug, der zerbrochen ist, zusammengeklebt, in der Hoffnung, er halte wieder wie zuvor und für immer. So einfach ist es natürlich nicht. Und darum bleibt die Gefahr bestehen, dass Shaqiri erst dann wieder mit vollem Herzen für die Schweiz spielt, wenn der Trainer nicht mehr Petkovic heisst. Offiziell sagt Shaqiri, dass seine Absage nicht mit fehlender Wertschätzung – beispielsweise in der Captain-Frage – zu tun habe. Trotzdem ist Fakt, dass er sich über seine zu wenig einflussreiche Rolle beklagt hat. Solche Vorwürfe lassen sich nicht mit einem einzigen Gespräch aus der Welt schaffen. Die Hoffnung ist, dass sich sowohl Shaqiri wie auch Petkovic eingestehen, für den Erfolg aufeinander angewiesen zu sein. Und dass Shaqiri auch von den Teamkollegen weiter getragen wird.

#3 - Wie sieht Shaqiris sportliche Situation aus und welche Auswirkungen hat sie auf die EM 2020?

Viel schlechter könnte die sportliche Situation kaum sein. In Liverpool ist er nicht einmal mehr Ergänzungsspieler. Ganze 25 Minuten ist er diese Saison zum Einsatz gekommen – verteilt auf vier Spiele. Nun ist Shaqiri wieder einmal verletzt. Die Wade hatte ihm schon in der Saisonvorbereitung Probleme bereitet. Das bedeutet: Er wird auch in den nächsten Wochen kaum spielen.

Bei Liverpool kommt Shaqiri nicht auf viel Einsatzminuten. (Bild: Keystone)

Bei Liverpool kommt Shaqiri nicht auf viel Einsatzminuten. (Bild: Keystone)

Die Zeichen mehren sich, dass Shaqiris Liaison mit einem Weltklub erneut im Drama endet – wie damals schon bei Bayern München. Ein Wechsel im Januar wäre folgerichtig. Jedoch bleibt die Frage, ob Shaqiri bereit ist, den gut dotierten Vertrag in Liverpool aufzulösen – oder sich zu einem mittelklassigen Team ausleihen zu lassen. Klar ist: Für die Schweizer Nationalmannschaft ist Shaqiri an der EM nur dann eine Hilfe, wenn er motiviert und gesund ist. Ohne genügend Einsatzminuten wird die Ausgangslage kompliziert – und genau danach sieht es derzeit aus.

#4 - Hat der «Fall Shaqiri» auch Auswirkungen auf die Zukunft von Nationaltrainer Petkovic?

Vladimir Petkovic hat einen Vertrag als Nationaltrainer bis Ende 2019. Qualifiziert sich die Schweiz für die EM im Sommer 2020, verlängert sich die Zusammenarbeit automatisch bis nach der Endrunde. Dass dies passiert, davon ist momentan auszugehen. Die Ausgangslage der Schweiz in der EM-Qualifikation ist gut, nach den Spielen in Dänemark und zu Hause gegen Irland dürfte sie noch besser sein.

Trotzdem wird eine Frage in nächster Zukunft stetiger Begleiter der Nati sein: Wie weiter mit Petkovic? Im Sommer ist er sechs Jahre Nationaltrainer. Er hat einiges richtig gut gemacht, er hat das Team spielerisch entwickelt. Er hat auch die Haupt-Ziele erreicht, die EM wäre seine dritte Endrunde in Serie. Und doch ist der grosse Exploit ausgeblieben. Dazu kommt, dass Petkovic immer wieder Brandherde rund um die Nationalmannschaft löschen muss – teils selbst, teils nicht selbst verschuldet.

Eine Frage bleibt: Wie weiter mit dem Nationaltrainer, Vladimir Petkovic? (Bild: Keystone)

Eine Frage bleibt: Wie weiter mit dem Nationaltrainer, Vladimir Petkovic? (Bild: Keystone)

Fakt ist: Egal, ob es um Shaqiri geht, oder um Nationalmannschaftskarrieren von verdienten Spieler, die enden – man wird den Eindruck nicht los, dass immer irgendwo Probleme und Differenzen bestehen. Und es Petkovic nicht schafft, diese in den Griff zu kriegen. Es ist darum gut möglich, dass der Schweizer Verband zum Schluss kommt: Im Sommer ist es Zeit für einen Neuanfang. Heisst: Zeit für einen Wechsel auf der Trainerposition. Der Schritt wäre gut nachvollziehbar.

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