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Das Genfer Wunder

Die Genfer Curler gründeten als Schüler ein Team, das sich aufmachte, die Welt zu erobern. Zu Gold reichte es an den Winterspielen noch nicht. Das soll aber noch folgen.
Rolf Bichsel (sda)
Peter de Cruz, Claudio Pätz, Valentin Tanner und Benoît Schwarz (von links) feiern ihre Bronzemedaille. (Bild: Alexandra Wey/KEY)

Peter de Cruz, Claudio Pätz, Valentin Tanner und Benoît Schwarz (von links) feiern ihre Bronzemedaille. (Bild: Alexandra Wey/KEY)

Rolf Bichsel (SDA)

Der Jubel war nach dem 7:5 über Kanada und dem Gewinn von Bronze riesig, ausgelassen. Besen flogen durch die Luft. Die Spieler lagen sich in den Armen. «Davon haben wir geträumt», sagte Peter De Cruz, der Skip. «Es ist eine Krönung für den Werdegang ­dieser Equipe», fügte Benoît Schwarz hinzu, der als Nummer vier die wichtigsten Steine spielte. Was Schwarz als Werdegang bezeichnet, entspricht einem modernen Märchen. Peter De Cruz (17), Benoît Schwarz (15) und Valentin Tanner (14) gründen 2007 in Genf ein Curling-Team. Die Mutter von Peter De Cruz coacht das Team während der ersten Jahre. De Cruz, Schwarz und Tanner wurden belächelt – zuerst von Schulkollegen, später von den den Curlingsport dominierenden «casques à boulon» oder «bourbines», wie die Deutschschweizer genannt werden. Aber auch der Curlingverband traute dem Genfer Team nicht viel zu. Die Genfer flogen unter dem Radar des Verbandes. «Auf uns aufmerksam wurde Swiss Curling erst in dem Jahr, in dem wir die Schweizer Juniorenmeisterschaft und später die Juniorenweltmeisterschaft gewannen», so Schwarz. Das war 2010.

Der einzige Nicht-Genfer ist Claudio Pätz

Tatsächlich rollte das Team des CC Genève die Curlingwelt von unten her auf. Schwarz erzählt: «Valentin (Tanner), Peter (De Cruz) und ich waren talentiert, mehr nicht. Wir machten Fortschritte. Wir wurden besser. Und wir setzten uns immer höhere Ziele. Zuerst wollten wir einfach nur an die Schweizer Juniorenmeisterschaft. Dann wollten wir Meister werden. Dann suchten wir bei den Grossen den Anschluss. So liefen die letzten über zehn Jahre. Wir haben unsere Ziele stets erreicht. Und wir hatten sehr schnell viel Erfolg.»

In Pyeongchang holten sie an den sechsten Titelkämpfen die sechste Medaille. Am meisten Freude zeigte dabei der einzige Nicht-Genfer im Team. Der 30-jährige Claudio Pätz, ein Zürcher aus Adliswil, kegelte 2014 bei Olympia noch mit Adelboden auf den enttäuschenden achten Platz. Er wurde einen Monat später von den Genfern abgeworben. Das neue Team harmonierte seither perfekt. Nationalcoach Thomas Lips beschreibt die vier Curler des CC Genf als «unglaublich unterschiedliche Charaktere, die ohne das Curling nie zueinander gefunden hätten». Pätz sagt es so: «Valentin Tanner bringt die Lockerheit ins Team. Benoît Schwarz ist auch in den kritischsten Situationen die Ruhe selbst. Und Peter De Cruz ist der Chef. Er organisiert alles. Und ich als klar Ältester der Equipe brachte die Routine und Erfahrung mit.» Diese Mischung ermöglichte in Gangneung eine weitere Medaillenfeier.

Die Wege trennen sich für den Moment

Weitere Curlingmatches gibt es diese Saison nicht mehr. Das Team zerstreut sich vorerst in alle Himmelsrichtungen. Valentin Tanner, im Nebenjob Barkeeper in einem Sauna-Klub, bereist Indien. Benoît Schwarz verschlägt es von Korea nach Japan, ausserdem hat er einen Job bei der Swiss in Aussicht. Peter De Cruz zieht für ein paar Wochen nach Berlin, um «endlich richtig deutsch zu lernen». Pätz kehrt zurück ins Treuhandbüro in Adliswil, das er dereinst übernehmen soll. Er geht davon aus, dass seine Curlingkarriere in Korea zu Ende gegangen ist. Schon Anfang Saison hatte er seinen Teamkollegen mitgeteilt, dass sie nach dieser Saison einen neuen Mitstreiter suchen müssen.

Die drei Genfer Musketiere machen alle weiter. «Wir hatten in den vergangenen elf Jahren nie grosse Probleme. Und wenn doch etwas da war, wurde es ausdiskutiert», so Schwarz. Peter De Cruz nimmt als Skip des Teams die Planung der nächsten vier Jahre bis Peking an die Hand. Der CC Genève wird keine Probleme bekunden, Pätz zu ersetzen. Einen reizvolleren Job gibt es im Schweizer Curling derzeit nicht.

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