«Das Geld war zweitrangig»

Einst war Moreno Costanzo Captain bei den Young Boys, in der kommenden Rückrunde spielt er nun für den FC Aarau. Der 26jährige frühere Mittelfeldspieler des FC St. Gallen will seine ins Stocken geratene Karriere neu lancieren.

Alexandra Pavlovic
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Herr Costanzo, Sie verbrachten zuletzt in Bern mehr Zeit auf der Ersatzbank als auf dem Rasen. Wie ist es für einen Spieler, nicht mehr erste Wahl zu sein?

Moreno Costanzo: Es ist logisch, dass man nicht zufrieden ist. Jedoch gibt es das im Fussball, man muss lernen, damit umzugehen. Als Mensch darf man sich nicht zurückversetzt fühlen, sondern muss nach Lösungen suchen.

Lösungen wie einen Vereinswechsel?

Costanzo: Ja, zum Beispiel.

Wieso haben Sie sich für den FC Aarau entschieden?

Costanzo: Der Präsident, der Sportchef und auch der Trainer wollten mich. Ich spürte deren Vertrauen und sah beim FC Aarau eine Perspektive, um mehr spielen zu können. Auch dass ich an meinem alten Wohnort bleiben kann, hat eine Rolle gespielt.

Welches Ziel haben Sie nun mit dem FC Aarau?

Costanzo: Dass wir in der Super League bleiben. Ich möchte gerne meinen Beitrag dazu leisten. Da ich als offensiver Mittelfeldspieler an Toren und Assists gemessen werde, ist es mein Ziel, diese Erwartungen zu erfüllen.

In Bern gelang Ihnen das offensichtlich nicht. Wieso standen Sie zuletzt auf dem Abstellgleis, wo Sie doch mit Uli Forte einen Trainer hatten, der Sie stets förderte?

Costanzo: Ich pflege mit Uli Forte noch heute ein gutes Verhältnis. Wir haben stets offen miteinander kommuniziert, so auch, als ich mit meiner Situation nicht mehr zufrieden war. Da habe ich das Gespräch gesucht. Wenn aber von einem Spieler 15 Tore und 20 Assists pro Saison erwartet werden und er nur sieben Tore und sieben Assists macht, ist die Zufriedenheit weder beim Spieler selber noch bei den Verantwortlichen da.

Welche Gedanken macht man sich als Fussballer in einer solchen Phase über seine Karriere?

Costanzo: Viele. Ich habe bei den Young Boys Höhen und Tiefen erlebt. Als ich 2010 nach Bern kam, hatte ich ein Hoch. In der ersten Saison lief es mir perfekt. Hinzu kam das Début in der Nationalmannschaft, wo ich gleich ein Tor erzielte. Dann wurde ich auch noch Captain bei den Young Boys, das war eine grosse Ehre für mich. Mein Ziel war es, ein bis zwei Jahre weiter auf diesem Level zu spielen, um mich danach fürs Ausland zu empfehlen. Aber im Fussball läuft es nicht immer nach Plan. Das Team hatte dann eine schwache Phase. Auch ich habe zuletzt nicht wirklich gut gespielt, dazu stehe ich. So kam das eine zum anderen.

Einige behaupten, dass Ihr Wechsel von den Young Boys nach Aarau ein Rückschritt sei. Wie sehen Sie das?

Costanzo: Es ist sicherlich ein Rückschritt, da will ich nichts beschönigen. Das ist Realität. Ebenso habe ich damit gerechnet, dass sich wegen meines Wechsels kritische Stimmen melden. Damit muss jeder Spieler rechnen, sonst ist er im falschen Geschäft. Dennoch muss man im Fussball wie auch im Leben manchmal einen Schritt zurück machen, um danach zwei Schritte vorwärts zu kommen.

Sie hätten aber auch ins Ausland zu den New York Red Bulls gehen können. Wieso haben Sie dieses Angebot nicht angenommen?

Costanzo: New York Red Bulls klingt sicherlich besser als Aarau. Dennoch wird dort ein anderer Fussball gespielt. Als Spieler ist man in Amerika oft nicht zu Hause, da man aufgrund der grossen Distanzen bereits einige Tage vorher anreisen muss. Für mich als Familienvater war das nicht die ideale Lösung.

Aber in New York hätten Sie bestimmt mehr verdient.

Costanzo: Das stimmt. Das Angebot aus den USA war lukrativer. Aber für mich war das Geld zweitrangig. Dann hätte ich ja auch bei den Young Boys meinen Vertrag, der noch zwei Jahre läuft, aussitzen können. Ich will aber spielen und mich beweisen.

Sie waren auch bei einigen anderen Vereinen ein Thema. Was ist dran an den Gerüchten, dass Sie in Vaduz und beim FC St. Gallen ein Thema waren?

Costanzo: Gerüchte gibt es immer. Es ist aber richtig, dass sich der FC Vaduz stark um mich bemüht hat. Vom FC St. Gallen lag – anders als ein Jahr zuvor – jedoch keine Anfrage vor. In dieser Saison sind die St. Galler auf meiner Position bereits gut besetzt, so dass ich kein Thema war.

Ein Comeback in der Ostschweiz hätten Sie aber nicht ausgeschlossen?

Costanzo: Sicherlich nicht. Wäre ein Angebot dagewesen, hätte ich eine Rückkehr in die Ostschweiz nicht ausgeschlossen. Ausserdem leben meine Familie und viele meiner Freunde hier. Es ist mein zweites Zuhause.

Und wie sieht es mit einem Comeback in der Nationalmannschaft aus?

Costanzo: Sich in meiner aktuellen Situation Gedanken über die Nationalmannschaft zu machen, wäre übertrieben. Ich bin zunächst vier Monate leihweise beim FC Aarau und muss zuerst hier meine Leistung bringen, bevor ich mich für anderes empfehlen kann.