«Das Geld als Grund wäre seltsam»

Der Toggenburger Skispringer Simon Ammann spricht nach seinem Entscheid, seine Karriere fortzusetzen, über emotionale und rationale Gründe. Und er erklärt, dass er noch länger gewartet hätte, den Entscheid zu kommunizieren.

Ralf Streule
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Herr Ammann, vor Ihrem Entscheid, die Karriere weiterzuführen, sagten Sie einmal, Sie seien nicht sicher, ob Sie noch in diesen Skizirkus passen. Haben Sie diese Meinung revidiert?

Simon Ammann: Was ich damit meinte: Im Weltcup wiederholt sich sehr vieles Jahr für Jahr – für mich bald zum 18. Mal. Natürlich kommt da die Frage auf, ob man das immer und immer wieder mitmachen will. Das Skispringen ist für mich zu einem Beruf geworden. Alles ist abgesteckt, es kommt höchstens mal ein neuer Wettkampfort dazu. Ich habe aber gespürt, dass das Feuer dennoch weiter brennt.

Sie haben sich aber sehr lange Zeit gelassen für die Entscheidung. Waren Sie unsicher?

Ammann: Ich hätte mir wohl noch länger Zeit gelassen, den Entscheid zu kommunizieren, hätten Medien und Öffentlichkeit nicht unbedingt ein Ja oder Nein hören wollen. Ich hatte schon vorher das Training wieder aufgenommen, es war so etwas wie ein natürlicher Prozess, die Lust war da.

War es ein reiner Gefühlsentscheid? Oder sprachen auch rationale Gründe fürs Weitermachen?

Ammann: Das Gefühl stimmte, da ich nach dem Sturz in Bischofshofen gut zurückgekehrt bin. Es gab aber auch gute Entwicklungen im Internationalen Skiverband. Die FIS sieht für kommende Saison in Sachen Material kaum Änderungen vor. Das gibt mir Planungssicherheit. Die Änderungen in unserem Trainerteam gingen zudem harmonisch vor sich (Nationaltrainer Martin Künzle wird von Pipo Schödler ersetzt, Red.).

Andere Sportler sagen, man werde als Vater vorsichtiger. Auch Sie sind seit einem guten halben Jahr Vater. Trotz schwerem Sturz im Januar wollen Sie das Risiko weiterhin eingehen, auf die Schanze zu steigen.

Ammann: Vielleicht schwingt im Unterbewusstsein mehr Vorsicht mit. In Gesprächen mit der Frau war das aber nie Thema – zumindest hat sie mir nie auferlegt, weniger Risiken im Sport einzugehen.

Gab es Leute, die Ihnen einen Rücktritt nahegelegt haben? Die Eltern zum Beispiel?

Ammann: Nein. In der Familie ist das Thema Skispringen ohnehin nicht omnipräsent. Zum Beispiel kam ich nach meinem Sturz in Bischofshofen nach Hause ins Toggenburg, die Eltern fragten mich: <Wie geht's?>. Und das war's. Das bringt mich auf den Boden zurück, so kann ich abschalten.

Nach dem Sturz haben Sie die Landung umgestellt. Neu stellen Sie das rechte Bein nach vorne. Ist die Angewöhnungszeit vorbei?

Ammann: Nein, das ist ein längerer Prozess. Ich war Ende der 1990er-Jahre bis zu einer Verletzung schon so gelandet. Wäre das nicht so, würde ich es wohl nicht mehr hinbekommen. Ich mache täglich Trockenübungen, damit sich das im Kopf festsetzt. Es ist eher eine Koordinations- als eine Kraftfrage.

War es auch eine finanzielle Entscheidung, weiterzumachen?

Ammann: Nein. Nach einem Sturz wie in Bischofshofen wäre es seltsam, wenn das Geld der Grund wäre, weiterzumachen. Aber natürlich stehen irgendwann berufliche Änderungen an. Ich habe mich im Frühling auf die Theorieprüfungen für die Verkehrspiloten-Lizenz vorbereitet – das ist eine Option.

Angenommen, Sie könnten nicht mehr mit den Besten mithalten: Würden Sie trotzdem weitermachen?

Ammann: Das ist schwer abzuschätzen. Ich weiss aber nicht, ob der Spassfaktor noch gross wäre, wenn ich immer 20. würde.

Sind Sie 2018 an den Olympischen Spielen noch dabei?

Ammann: Diese Antwort kenne ich selber noch nicht – weil ich schlicht noch nicht so weit nach vorne schaue.

Sie suchen im Toggenburg ein Haus, heisst es. Ziehen Sie von Schindellegi zurück in die Heimat?

Ammann: Das könnte bald der Fall sein, ja. Ob es noch während der Aktivzeit sein wird, kann ich nicht sagen. Die Trainingsbedingungen sind in Schwyz gut.