Das Geheimnis um Peischl

Der Vertrag von St. Gallens Sportchef Heinz Peischl wurde noch nicht verlängert. Das könnte darauf hindeuten, dass die Zusammenarbeit endet – möglicherweise, weil sich der Österreicher gegen eine Verlängerung entscheidet.

Patricia Loher
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Unterschreibt er? Oder geht er? Heinz Peischls Vertrag beim FC St. Gallen läuft Ende dieses Jahres aus. (Bild: Michel Canonica)

Unterschreibt er? Oder geht er? Heinz Peischls Vertrag beim FC St. Gallen läuft Ende dieses Jahres aus. (Bild: Michel Canonica)

FUSSBALL. Der Vertrag von Heinz Peischl, seit bald fünf Jahren CEO und Sportchef in St. Gallen, läuft Ende 2015 aus. «Noch ist alles offen», sagt Peischl nur. Ins Detail will der 51jährige Österreicher nicht gehen. Ein neues Vertragsangebot des Clubs liegt ihm vor. Dölf Früh, Präsident des FC St. Gallen, teilt auf die Frage, weshalb der Kontrakt noch nicht verlängert wurde, mit: «Die Hektik, ihn verlängern zu müssen, wird vor allem von aussen an uns herangetragen. Heinz Peischl hat einen laufenden Vertrag bis Ende 2015.»

Hinter den Kulissen haben sich die Fronten anscheinend aber verhärtet. Einer der Gründe dürften die Vorkommnisse im Nachwuchsprojekt Future Champs Ostschweiz (FCO) sein. Peischl unternahm alles, um den technischen Leiter Roger Zürcher von einer Kündigung abzuhalten. Die Gründe, weshalb Zürcher, der dem FCO ein Gesicht gegeben hatte, sein Projekt verliess, bleiben nach wie vor im Dunkeln. Er sagt nur: «Mit Heinz Peischl hatte mein Entscheid rein gar nichts zu tun.» Natürlich seien sie nicht immer einer Meinung gewesen, aber das gehöre, wie in jedem anderen Unternehmen, dazu. Mehr will Zürcher weiterhin nicht sagen. Er ist in die Privatwirtschaft zurückgekehrt und arbeitet nun für eine Fitnesskette in der Ostschweiz im Bereich Leistungssport.

Ein Vertrauensbruch?

Peischl, dem FCO als Sportchef und CEO eigentlich unterstellt ist, war schliesslich nicht involviert in die Suche nach einem Nachfolger für Zürcher. Beim Entscheid, Marco Otero zu verpflichten, wurde Peischl übergangen. Offen bleibt, ob der Österreicher dieses Vorgehen als Vertrauensbruch empfand, der nicht mehr zu reparieren ist. Wenn dem so ist, muss sich der FC St. Gallen auf die Suche nach einem neuen Sportchef machen. Peischl blieb schon einmal konsequent: Vor zehn Jahren, als er Trainer war, verliess er den Club, weil er nicht mehr die uneingeschränkte Rückendeckung genoss. Vor allem für Trainer Jeff Saibene wäre ein Abgang Peischls ein Rückschlag. Es war der Österreicher, der Saibene nach St. Gallen holte. Der Luxemburger, der in St. Gallen einen Vertrag bis 2017 besitzt, sagte vor dem Beginn dieser Rückrunde auf die Frage, ob es für ihn ein Einschnitt wäre, wenn Peischl nicht bliebe: «Ich hoffe, dieser Moment trifft nicht ein.» In Anbetracht der Möglichkeit, dass Peischl in St. Gallen aufhört, erscheint nun plötzlich auch ein Gerücht in einem anderen Licht. Aus Luzern war zwischenzeitlich zu hören, Sportchef Rolf Fringer habe mit seinem früheren Spieler Saibene Kontakt aufgenommen, um auszuloten, ob es eine Möglichkeit gebe, ihn als Trainer in Luzern zu verpflichten.

Der FC St. Gallen wirkt im Moment jedenfalls sowohl auf als auch neben dem Platz äusserst fragil. Die Mannschaft ist auf bestem Weg, zum zweitenmal in Folge ihre gute Ausgangslage im Kampf um einen Platz in der Europa-League-Qualifikation zu verspielen. War St. Gallen im vergangenen Jahr die schlechteste Mannschaft der Rückrunde, ist sie im Moment mit sieben Niederlagen in 13 Spielen die zweitschlechteste.

Trotz zweier enttäuschender Abstürze, die auch Fragen aufwerfen: Insgesamt hat Peischl seit seinem Amtsantritt gute Arbeit geleistet. Als Vertrauensmann des eben erst eingesetzten Präsidenten Früh kam der Burgenländer, als sich St. Gallen in Not befand – sowohl sportlich als auch finanziell.

Der Höhepunkt Europa League

Nach dem direkten Wiederaufstieg erreichte St. Gallen Rang drei, danach folgten begeisternde Spiele in der Europa League mit dem Erfolg gegen Spartak Moskau als Höhepunkt. Nach einer guten ersten Saisonhälfte resultierte nach einem Absturz Platz sieben. In dieser Saison verlief die Vorrunde erneut gut, zudem erreichte St. Gallen den Cuphalbfinal. Nur lässt die zweite Saisonhälfte schon wieder zu wünschen übrig. Es scheint, als brodle es nicht bloss auf dem Platz, sondern auch hinter den Kulissen.

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