Das Experiment auf ungewohntem Terrain

Jolanda Neff ist eine der besten, wenn nicht die beste Mountainbikerin der Welt. Nun startet die 22-Jährige auf ungewohntem Terrain, an der Strassen-WM in Richmond (USA). Es ist ein Experiment im Hinblick auf Olympia in Rio, wo sie einen Doppelstart ins Auge fasst.

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Jolanda Neffam 2. August am Rennen in Mont-Sainte-Anne, Quebec. (Bild: SEAN KILPATRICK (AP CP))

Jolanda Neffam 2. August am Rennen in Mont-Sainte-Anne, Quebec. (Bild: SEAN KILPATRICK (AP CP))

2014 dominierte Neff auf Anhieb den Weltcup im Cross Country und wurde zur jüngsten Gesamt-Weltcupsiegerin aller Zeiten. Diesen Sommer wiederholte sie ihren Triumph aus dem Vorjahr und bewies erneut ihre Weltklasse. Einzig an der WM (9.) stoppten sie gesundheitliche Probleme. Quasi als Dessert und zum Abschluss der Saison misst sich Neff nun mit den Besten auf der Strasse.

Der Start der jungen St.Gallerin hat aber durchaus einen ernsten Hintergrund. Vielstarterin Neff überlegt sich, in einem Jahr an den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro nicht nur im Cross Country, sondern auch auf der Strasse zu starten − mit Ambitionen selbstverständlich. «Ein Doppelstart kann zu einer Option werden. Wir werden nach der Saison analysieren, ob es Sinn machen könnte», so Neff diplomatisch und zurückhaltend.

Erfolgreiches Weltcup-Debüt
Ganz ohne Erfahrung auf der Strasse ist Neff nicht. 2013 in Florenz startete sie bereits einmal zu einer WM. Damals hielt sie ausgezeichnet mit. Trotz eines Sturzes drei Runden vor dem Ende war sie als 29. die beste Schweizerin. Diesen Frühling startete sie an zwei Weltcuprennen. An der Trofeo Alfredo Binda in Italien klassierte sie sich bei ihrem Debüt gleich im hervorragenden 6. Rang − die Bestätigung, dass sie auch auf der Strasse mit den Besten mithalten kann. Später gewann sie in Steinmaur auch den Schweizer Meistertitel.
Trotz der Erfolge weiss Neff nicht genau, wo sie steht. «Es ist schwierig abzuschätzen. Auf dem hügeligen Rundkurs in Italien habe ich es in die Spitzengruppe geschafft. In Richmond hat der Rundkurs viel weniger Höhenmeter, deshalb bin ich gespannt darauf, wie es hier läuft», so die erfolgsverwöhnte Ostschweizerin.

Gesundheitliche Probleme überwunden
Von den gesundheitlichen Problemen habe sie sich inzwischen erholt. Ein Zusammenbruch, eine Gehirnerschütterung und ein Infekt hatten Neff im August an einer seriösen Vorbereitung für ihre erste Elite-WM im Cross Country gehindert. «Medizinisch war damals klar, dass ich nicht bereit und weit weg von meiner normalen Form bin. Wenn es nicht eine WM gewesen wäre, wäre ich wohl nicht gestartet», so die dreifache U23-Weltmeisterin.

Einen kompletten Wechsel auf die Strasse schliesst Neff aus. Dafür mache ihr das Biken viel zu viel Spass. «Das Mountainbiken wird immer mein Hauptziel bleiben. Die Rennen auf der Strasse sind für mich aber eine spannende Abwechslung. Es bringt mir neue Inputs für das Mountainbike und ich habe andere Belastungen im Training», so Neff.

Verbesserung im Ranking notwendig
Swiss Cycling sieht den Plänen von Neff mit Freude entgegen. Denn 2012 an den Olympischen Spielen in London stand im Strassenrennen keine Schweizerin am Start. Und auch aktuell ist die Schweiz im Nationenranking unter «Ferner liefen» im 29. Rang klassiert. Mit der Hilfe von Neff wäre eine Verbesserung durchaus realistisch, wenn man die bisherigen Weltcup-Resultate der Ostschweizerin als Massstab nimmt.
Um in Rio mit (zwei) Fahrerinnen starten zu dürfen, wäre im Ranking ein Vorstoss auf Platz 23 notwendig. In das Ranking mit einbezogen werden für die Quotenplätze die Resultate von einem Jahr. Die Deadline ist Ende Mai 2016. Zeit würden dem Verband und Neff also noch zur Genüge bleiben. (sda)