Das Ende der Stadtderbies

HANDBALL. Die St.Otmar-Frauen ziehen für die kommende Saison ihr NLA-Team zurück. Der Nachwuchs und der Breitensport werden in den SV Fides integriert. Die Auflösung der Frauenabteilung von St.Otmar wird in die Wege geleitet.

Rabea Huber
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Das Stadtderby zwischen St. Otmar und Brühl am 20. März war das letzte. St. Otmar wird in der kommenden Saison nicht mehr in der NLA antreten, die Auflösung der Abteilung wird in die Wege geleitet. Gestern wurden die Spielerinnen des ersten Teams informiert. Damit gibt es erstmals seit 17 Jahren kein Stadtderby mehr. So lange hatte St. Otmar in der höchsten Schweizer Liga gespielt. 1981 war es, als die ersten Mädchen dem Verein beitraten, zuvor war St. Otmar eine Männerdomäne. Die Mädchen einer Schulklasse von Fritz Bischoff wollten damals mit dem Handballspielen beginnen.

Nach zwei Saisons bei den Juniorinnen nahmen sie an der 3.-Liga-Meisterschaft teil. 1996 wurde die Handballabteilung in eine Abteilung Männer und eine Abteilung Frauen gesplittet.

15 Jahre mit Monika Simova

St. Otmar war jahrelang eng mit dem Namen Monika Simova verbunden. 1994 kam sie als 21-Jährige nach St. Gallen und spielte bis zu ihrem Karrierenende 2009 für St. Otmar.

Dass der Verein in dieser Zeit dreimal Schweizer Meister und zweimal Cupsieger wurde, ist zu einem grossen Teil ihr Verdienst. Und auch in der zu Ende gegangenen Saison gab die Slowakin ein Comeback, als es dem NLA-Team sportlich nicht lief. «Mir lag der Verein am Herzen. Deshalb habe ich ausgeholfen», sagt Simova. Auch, dass es den Club bald nicht mehr geben wird, stimmt sie traurig. «Aber es ist wohl zu vieles schiefgelaufen.»

Vor einem Jahr haben mit Simova acht Spielerinnen das Team verlassen. Vom Neustart rutschte St. Otmar direkt in die Krise. Nur mit Simovas Hilfe wurde die Finalrunde erreicht und der Ligaerhalt geschafft. Doch 2010 setzte es für die St. Gallerinnen nur noch Kanterniederlagen ab. Das letzte Derby gegen Brühl verloren sie mit 16:39. Auch finanziell geriet der Club immer mehr in Schieflage. 45 000 Franken Schulden stehen zu Buche. Auch weil der Hauptsponsor seinen Verpflichtungen nicht nachgekommen ist.

Nun wird Präsident Urs Aregger die Auflösung der Frauenabteilung in die Wege leiten. Er hofft auf ein sauberes Ende, ohne dass Konkurs angemeldet werden müsse.

«Nicht nur ein Frauenverein»

Eine Zukunft gibt es aber für den Nachwuchs und das 3.-Liga-Team von St. Otmar. Die fünf Teams werden in den SV Fides integriert. In einem Brief wurden die Juniorinnen gestern darüber informiert. Das NLA-Team zu übernehmen, stand aber nie zur Diskussion. «Wir sind ein Breitensportverein.

Uns fehlen dazu die finanziellen und personellen Mittel», sagt Präsident Patrick Keller.

Auch mit dem LC Brühl hatten die Verantwortlichen von St. Otmar das Gespräch gesucht. «Uns war es wichtig, dass St. Otmar zuerst andere Stadtvereine anfragt. In St. Gallen soll es nicht nur einen Frauenverein geben», sagt Christa Zingg von Brühl. Auch von St. Otmars NLA-Team wird keine Spielerin übernommen. Nur Simova wechselt die Seite. Dass sie bei Brühl das U19-Team trainiert, steht seit zwei Monaten fest.

«Die Entscheidung ist mir nicht leichtgefallen. Es tat mir weh, mein Team zu verlassen», so Simova. «Aber im nachhinein habe ich wohl richtig entschieden.»