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Das Beste kommt noch

Salomé Kora lief diese Saison schnell, jedoch nicht so schnell wie erhofft. «Noch nicht», sagt die Sprinterin. Die nächste Chance auf Spitzenzeiten hat sie ab Montag an der EM in Berlin.
Raya Badraun
«Die interne Konkurrenz ist extrem motivierend», sagt Salomé Kora vom LC Brühl. (Bild: Benjamin Manser)

«Die interne Konkurrenz ist extrem motivierend», sagt Salomé Kora vom LC Brühl. (Bild: Benjamin Manser)

Salomé Kora ist keine, die vor einem Rennen ein Ritual pflegt und immer das Gleiche isst oder tut. Im Hotel wäre das schwierig umzusetzen. Auch nimmt sie an Grossanlässe keine Glücksbringer mit – abgesehen von einem feinen Armband, das sie dieses Jahr von ihrer Schwester bekommen hat. Auf Bariba, der Sprache ihres Vaters, steht «Gott beschützt dich» darauf. Das Schmuckstück ist jedoch weniger eine Unterstützung am Wettkampftag als eine Verbindung zum westafrikanischen Land Benin, wo sie als kleines Mädchen fünf Jahre gelebt hat.

Um Sicherheit zu gewinnen, hat die St.Gallerin einen anderen Trick. Nimmt die Nervosität vor einem Rennen überhand, schaut sie sich ein Video an. Es ist immer das gleiche und zeigt einen Auftritt der Staffel an der Athletissima Lausanne. Bis vor kurzem war es das Rennen von 2017. Nun spielt Kora jenes aus diesem Jahr ab, als sie mit ihren Kolleginnen einen weiteren Schweizer Rekord aufstellte und gegen Nationen wie Deutschland gewann. Mit 42,29 Sekunden blieb das Quartett 21 Hundertstel unter der bisherigen Bestmarke. Im kurzen Film sieht man Koras erstauntes Gesicht nach dem Zieleinlauf, dann ein strahlendes Lachen und viele Umarmungen. «Schau ich mir den Lauf an, kann ich das Glücksgefühl von damals immer wieder abrufen», sagt die 24-Jährige.

Nur noch die Nummer vier der Schweiz

Mit der Staffel hat Kora schon einige solche Glücksmomente erlebt. An der WM in London im vergangenen Sommer etwa, als die Schweiz den fünften Rang erreichte. In diesem Jahr haben die Sprinterinnen einen weiteren Schritt nach vorne gemacht. «Die Wechsel sind nicht unbedingt besser geworden», sagt Kora.

«Wir sind schneller, weil wir uns individuell gesteigert haben.»

Die Bernerin Mujinga Kambundji lief erstmals unter elf Sekunden. Sarah Atcho und Ajla Del Ponte verbesserten sich um 13 respektive 21 Hundertstel. Kora hat diesen Leistungssprung bereits im vergangenen Jahr gemacht. Ihre Bestzeit liegt nun bei 11,25 Sekunden. Damit ist sie ganz knapp hinter ihren Kolleginnen die Nummer vier der Schweiz. In den Jahren davor belegte sie jeweils den zweiten Rang hinter Kambundji. «Die interne Konkurrenz ist extrem motivierend», sagt Kora. «Ich möchte unbedingt wieder eine bessere Platzierung erreichen.» Denn diese Liste ist nicht nur in Bezug auf die Staffelzusammensetzung wichtig. An Grossanlässen darf jede Nation pro Disziplin nur drei Athleten schicken. Aufgrund der Dichte in der Schweiz dürfte Kora so an der EM in Berlin nicht starten, obwohl sie die Limite unterboten hat. Die Ostschweizerin hat jedoch Glück. Da sich Atcho auf die 200 Meter konzentriert, erhält Kora deren Startplatz über die kürzere Distanz. Sie ist dankbar dafür. Doch lieber hätte sie sich diese Chance selbst erarbeitet. «Es könnte besser laufen in dieser Saison», sagt sie.

Insgesamt hat sie 16 Rennen über 100 Meter absolviert. Doch nur zwei haben sie überzeugt, jene an der Schweizer Meisterschaft in Zofingen. Dort lief sie im Final eine persönliche Bestzeit. Zwei Hundertstel war sie dabei schneller als 2017. Ihr Wunsch wäre jedoch eine Zeit um 11,20 Sekunden. Die Erwartungen hängen auch mit der guten Vorbereitung zusammen. Kora hatte kein Verletzungspech und konnte sich im Frühling wieder mehr der Erholung widmen, weil sie ihr Studium aufteilt. Doch die guten Zeiten liessen auf sich warten.

«Wenn es nicht um Titel geht, ist es schwierig für mich, in den Wettkampfmodus zu kommen.»

Sind dann auch noch die Gegnerinnen schwächer, fehlt ihr zusätzlich der Kampf auf den letzten Metern. So blieb es deshalb beim Höhepunkt in Zofingen. «Die Saison ist aber noch nicht vorbei», sagt Kora.

Konkurrenz soll Flügel verleihen

Am Montag beginnt in Berlin die EM mit den Vorläufen über 100 Meter. Kora möchte mindestens den Halbfinal erreichen. «Der Final wäre ein Traum, doch es wird schwierig», sagt sie. Denn nicht nur in der Schweiz ist die Leistungsdichte unter den Sprinterinnen deutlich grösser geworden, auch europäisch braucht es immer bessere Zeiten, um den Final zu erreichen. Die Konkurrenz soll Kora nun Flügel verleihen.

Und dann ist da auch noch der Auftritt mit der Staffel zum Abschluss der EM. Die vergangenen Leistungen lassen auf eine Medaille hoffen. «Das ist unser Ziel», sagt Kora. Damit die Nervosität im Vorfeld nicht überhand nimmt, wird sie sich das Rennen von Lausanne noch ein paarmal anschauen und die Glücksgefühle abrufen. Nach der EM übernimmt diese Aufgabe vielleicht schon das nächste Video.

Schweizer Favoriten

Swiss Athletics nimmt mit einem vielversprechenden Team an der am Montag beginnenden EM in Berlin teil. Selbst eine Steigerung gegenüber 2016, als es die Rekordmarke von fünf Medaillen gegeben hat, ist realistisch. Zu den Favoriten gehören unter anderen Lea Sprunger und Mujinga Kambundji. Schneller als Sprunger war in diesem Jahr über 400 m Hürden keine Europäerin. Und Kambundji blieb Mitte Juli erstmals unter elf Sekunden. Von ihren Konkurrentinnen in Berlin erzielte 2018 einzig die Britin Dina Asher-Smith (10,92) eine bessere Zeit. Auch über 200 m und mit der Staffel ist ihr ein Podestplatz zuzutrauen. Tadesse Abraham strebt eine weitere Goldmedaille an, nachdem er vor zwei Jahren in Amsterdam Europameister im Halbmarathon geworden war und auch mit dem Team Gold gewann. Ein weiterer Schweizer Medaillenkandidat ist Alex Wilson über 200 m als Europas Nummer drei in diesem Jahr. (sda)

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