Badminton: Das beste Doppel kommt aus der Ostschweiz

Aline Müller und Jenjira Stadelmann sind Schweizer Meisterinnen im Badminton und trainieren für die EM.

Robin Bleiker
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Jenjira Stadelmann (links) und Aline Müller bei ihrem Finalsieg an den Schweizer Meisterschaften.

Jenjira Stadelmann (links) und Aline Müller bei ihrem Finalsieg an den Schweizer Meisterschaften.

Bild: Kurt Frischknecht

Die beiden Spielerinnen des NLA-Vereins BV St.Gallen-Appenzell sind momentan die Besten im Doppel des Frauen-Badmintons in der Schweiz. In Brig verteidigten sie ihren Titel an der nationalen Meisterschaft. Beim zweiten Mal sei dies sogar noch etwas spezieller als beim ersten Titelgewinn, so Aline Müller. Als amtierende Schweizer Meisterinnen hätten sie einen höheren Druck gehabt, wieder zu gewinnen.

Nebst den individuellen Turnieren spielen die beiden auch in der Equipe der BV St.Gallen-Appenzell. Um das höchste Niveau zu erreichen, reicht es aber nicht, in der Ostschweiz zu bleiben. Stadelmann und Müller sind Teil des Schweizer Nationalteams und trainieren in Bern.

Zwischen Profisport und Berufsleben

Die Schweizer Meisterinnen trainieren sieben Mal pro Woche vier bis fünf Stunden, wobei zusätzlich noch drei Einheiten Krafttraining dazu kommen. An den meisten Tagen sind sie von Morgen früh bis abends in der Halle. Zum Training gehören Schnelligkeit, Technik, Ausdauer und Partien. Der Trainingsalltag kann durchaus anstrengend und ermüdend sein. Die Schweizer Meisterinnen nehmen an vielen internationalen Turnieren teil und während der Hauptsaison etwa im Zweiwochentakt an Interclubspielen der BV St.Gallen-Appenzell. Trotz der Ernsthaftigkeit im Profisport, vergessen die beiden nicht, dass es dabei auch um den Spass geht. Es sei wichtig, sich gut miteinander zu verstehen und Spass zu haben.

Bei all dieser investierten Zeit in die Sportlerkarriere stellt sich natürlich auch die Frage nach dem Verdienst. Hanspeter Kolb ist Sportchef der BV St.Gallen-Appenzell. Er sagt, dass Badminton ein Sport sei, neben dem nicht viel Zeit für einen Zweitberuf bleibt, der aber nur geringe Verdienstmöglichkeiten bietet. Auch Müller und Stadelmann betonen, dass es schwierig sei, in der Schweiz vom Sport zu leben. In Asien ist Badminton in vielen Ländern eine Hauptsportart. In der Schweiz gilt es jedoch als Randsportart und Sponsoren sind Mangelware.

Es sei also wichtig, so Müller, auch für die Zeit nach der Karriere eine Ausbildung zu haben. Stadelmann macht parallel zum Badminton eine Ausbildung zur Fitnesstrainerin. Müller ist momentan noch in einem Zwischenjahr, plant jedoch, im Herbst mit einem Studium zu beginnen. Ein Fernstudium ist jedoch bei solch einer hohen Trainingsintensität die einzige Möglichkeit, Sport und Studium zu vereinen. Kolb betont, dass das System in der Schweiz nicht geeignet sei für Profisportler, da eine Schule oder eine Lehre neben professionellem Training fast unmöglich sei.

Internationale Ambitionen

Auch wenn der Schweizer Meistertitel im Doppel wichtig ist, haben die beiden erst 20-jährigen Profis grössere Ziele. «Unsere Priorität ist international und dafür trainieren wir vor allem», so Müller. Aktuelles Ziel von Müller und Stadelmann ist die Badminton-EM 2020, was sich eher spontan aus den zuletzt sehr guten Resultaten ergeben hat. Müller nennt auch die WM, welche aber im Moment noch ein Fernziel ist. Stadelmann, die auch im Einzel zu den besten Schweizerinnen gehört und in der nationalen Rangliste auf Platz zwei steht, hat auch in dieser Disziplin grosse Ziele. Im Oktober und November des vergangenen Jahres gewann sie gleich zwei internationale Turniere nacheinander, in Zypern und in Slowenien.

Mit der BV St.Gallen-Appenzell ist das Ziel die Playoff-Qualifikation. Dies ist aber kein Leichtes. Sie hätten einige Partien knapp und unglücklich verloren, so Stadelmann. Für die Qualifikation muss in der «Regular Season» Platz vier erreicht werden. Der Schweizer Meister der Jahre 2010, 2012 und 2016 steht derzeit auf Rang sechs, jedoch nur mit zwei Punkten Rückstand auf Platz vier. Es werden noch vier Partien gespielt.