Das Adelbodner Publikum trotzt der Skikrise

Dem Lärm nach hat Gino Caviezel gerade den Riesenslalom in Adelboden gewonnen. Der 20jährige Bündner fährt aber im ersten Lauf nicht um den Sieg, sondern qualifiziert sich lediglich für den zweiten Durchgang – die Anhänger des Schweizer Skiteams sind aktuell mit wenig zufrieden.

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Enthusiastisch feiert das Publikum im Zielraum die Rennfahrer. (Bild: Photopress/Mischa Christen)

Enthusiastisch feiert das Publikum im Zielraum die Rennfahrer. (Bild: Photopress/Mischa Christen)

Dem Lärm nach hat Gino Caviezel gerade den Riesenslalom in Adelboden gewonnen. Der 20jährige Bündner fährt aber im ersten Lauf nicht um den Sieg, sondern qualifiziert sich lediglich für den zweiten Durchgang – die Anhänger des Schweizer Skiteams sind aktuell mit wenig zufrieden. Trotzdem hat die Krise im Männerteam Auswirkungen auf den Publikumsaufmarsch: Am Samstag kommen 28 000 Zuschauer zum Riesenslalom, gestern verfolgten 11 500 den Slalom. Dies sind 1000 Besucher weniger als an den Rennen im vergangenen Jahr. «Ich hätte mir im Riesenslalom 2000 Zuschauer mehr erhofft», sagt OK-Präsident Peter Willen. Die Stimmung im Zielraum ist aber trotz weniger Zuschauer so elektrisierend, wie in den Saisons, als die Schweizer um Podestplätze kämpften.

Ein Herz für alle Athleten

In Adelboden beginnt das Skifest bereits mit der Startnummernauslosung. Der Marktplatz ist brechend voll und die Fahrer schweben über die Köpfe der jubelnden Zuschauer an einer Tyrolienne auf die Bühne. Während der Rennen ist der Zielraum ein Fahnenmeer. Tausende Schweizer Flaggen werden geschwenkt. Den Zuschauern scheint egal zu sein, wie schlecht es um die einheimischen Alpinen bestellt ist. Selbst als Didier Défago im Riesenslalom mit Verspätung zu den Klängen des Gassenhauers «Vogellisi» über die Ziellinie fährt, ist ihm der Applaus der Zuschauer sicher. Nur als Carlo Janka nach wenigen Fahrsekunden ausscheidet, wird es in der Arena im Ziel für kurze Zeit still.

Stunden vor dem Start machen sich Tausende Zuschauer zum Kuonisbergli auf. Im Dorf deutet aber wenig darauf hin, dass ein Skifest gefeiert wird. Dieses steigt im Weltcup-Dörfli im Zielraum. Der Geruch von Käse und Glühwein ist allgegenwärtig. Das Adelbodner Publikum hat nicht nur ein Herz für die Schweizer Athleten: Jeder Fahrer, der sich den steilen Zielhang hinunterstürzt, wird gefeiert. «Hier in Adelboden werden sogar Deutsche angefeuert. Das ist andernorts nicht so», sagt Felix Neureuther, der im Riesenslalom Dritter und im Slalom Fünfter wird.

Publikumsliebling Svindal

Mit Hilfe von Fussball versucht der Speaker um Unterstützung für den Norweger Aksel Lund Svindal zu werben: «Feuern wir Svindal an und im Gegenzug lassen uns die norwegischen Fussballer an die WM fahren.» Diese Aufforderung hätte es nicht gebraucht, denn Svindal gehört im Berner Oberland zu den Publikumslieblingen – wenigstens solange die Schweizer der Weltspitze hinterherfahren.

Christof Krapf, Adelboden

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