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Darum überrascht der FCL-Gegner Thun alle

Der FC Thun spielt die zweiterfolgreichste Saison der Vereinsgeschichte. Dabei besitzen die Berner Oberländer ein kleines Budget, machen aber viel richtig. Heute (16.00) wollen sie gegen Luzern den dritten Rang festigen.
Raphael Gutzwiller
Macht vieles richtig: Thun-Sportchef Andres Gerber. (Bild: Patrick Hürlimann/Keystone (Thun, 29. Juli 2018))

Macht vieles richtig: Thun-Sportchef Andres Gerber. (Bild: Patrick Hürlimann/Keystone (Thun, 29. Juli 2018))

Der kleine FC Thun sorgt wieder einmal für Furore. Zwar nicht gleich in der Champions League wie 2005, als man nach dem Vizemeistertitel international überzeugte. Dennoch bedeutet die Tatsache, dass Thun nach zwei Dritteln der Meisterschaft auf Rang 3 steht, die bisher zweitbeste Saison der Vereinsgeschichte. Trotzdem sagt Sportchef Andres Gerber: «Wir heben nicht ab.»

Dabei hätte er dazu durchaus Gründe. Nicht nur sind die Thuner ausgezeichnet klassiert, sie spielen auch einen attraktiven Fussball. Überfallartig fährt Thun seine Umschaltmomente, sorgt mit schnellen Spielern für Spektakel. Nur Meister Young Boys hat in dieser Saison häufiger getroffen.

Seit zehn Jahren nie schlechter als Rang 7

Der Erfolg kommt nicht von ungefähr. Er hängt eng mit dem Sportchef zusammen. Seit zehn Jahren ist Gerber im Amt, seither übertrifft der FC Thun die Erwartungen. Nach der Rückkehr in die Super League 2010 belegte Thun stets einen Rang zwischen 4 bis 7, galt vor der Saison aber fast immer als Abstiegskandidat. Gefragt nach den konstant guten Platzierungen sagt Gerber: «Es steckt viel harte Arbeit dahinter. Wir leisten hier mit bescheidenen Mitteln viel. Entscheidend ist aber auch die Ruhe, die wir hier in Thun haben.» Im Berner Oberland ist die Erwartungshaltung geringer als in anderen Regionen, etwa in der Innerschweiz, der Ostschweiz oder im Wallis. «Wir haben nicht so schnell eine riesige Euphorie, dafür wird man auch nicht gerade nervös, wenn es mal weniger gut läuft. Aber auch bei uns werden nach drei Niederlagen negative Stimmen laut.» Dennoch sagt Gerber, dass in Thun, anders als bei einigen Ligakonkurrenten, nur wenige Menschen die Entscheidungen treffen. «Es ist wichtig, dass die Verantwortlichen ihre Arbeit in Ruhe erledigen können», sagt Gerber. «Das ist aber nicht immer so einfach, da der Fussball viele Menschen anzieht, die sich profilieren wollen. Nach zehn Jahren des sportlichen Erfolgs haben wir uns aber auch Vertrauen erarbeitet.»

Bei Thun läuft derzeit zwar alles erfreulich, aber das war nicht immer so. Noch vor einem Jahr sah die Welt des FCT deutlich weniger schön aus. Am 11. März 2018 verlor Thun beim Abstiegskonkurrenten Sion gleich mit 2:7 und lag danach auf dem letzten Platz. Trainer Marc Schneider durfte dennoch bleiben. «Ich hoffe, dass die Tatsache, dass wir am Trainer festhielten, auch ein Vorbild für andere Vereine sein kann», meint Gerber. «Aber natürlich waren wir vor allem überzeugt, dass Marc Schneider gute Arbeit leistet und wir den Ligaerhalt schaffen.» Gerber sollte recht haben: Am Ende belegte Thun den siebten Rang, die derzeitige Erfolgsgeschichte unter Trainer Schneider spricht sowieso für sich.

Kontinuität und Spieler aus der Challenge League

Nicht nur beim Sportchef und Trainer steht Thun für Kontinuität. Auch bei den Spielern will Gerber wenig Wechsel. Die Routiniers sind seit vielen Jahren dabei: Captain Dennis Hediger, Torhüter Guillaume Faivre, Verteidiger Stefan Glarner sowie Ex-FCL-Spieler Nelson Ferreira. «Sie sind für das Grundgerüst der Mannschaft entscheidend. Auch deshalb können wir so einfach junge oder weniger erfahrene Spieler in der Mannschaft integrieren», weiss Gerber. Weil Thun finanziell kleinere Brötchen backt, ist diese Integration umso wichtiger. «Wenn man mehr Geld hat, kann man Spieler verpflichten, die schon bewiesen haben, dass sie auf diesem Niveau spielen können. Das können wir nicht.»

Während viele Vereine mittelklassige Ausländer verpflichten, bedient sich Gerber lieber in den unteren Schweizer Ligen. Als Musterbeispiel dafür gilt etwa Dejan Sorgic aus Unterägeri. Im Sommer 2016 holte Thun den damals 26-Jährigen vom SC Kriens, der in der Promotion League spielte. «Wir haben ihn nur in einigen Trainings und in einem Testspiel beobachtet», erzählt Gerber. «So war der Transfer natürlich ein Risiko. Wir wussten nicht, ob er für die Super League reicht.» Doch Sorgic schlug ein. In 82 Spielen in der Liga hat er für Thun inzwischen 36 Treffer erzielt. Mit 14 Toren ist er derzeit Toptorjäger der Super League.

Wie mit Sorgic lief es mit vielen Spielern, die aus unteren Ligen zu Thun stiessen. Der Grossteil des derzeitigen Kaders spielte zuvor in der Challenge League oder tiefer. «Natürlich haben wir bei solchen Transfers nie eine Garantie, ob der Spieler für die höchsten Liga reicht. Aber sie sind hungrig und besitzen viel Qualität. Meistens haben sie in der Super League einfach noch nie die Chance erhalten», sagt Gerber.

Thun als grosses Sprungbrett

Für viele Fussballer gilt Thun als Sprungbrett zu besseren Vereinen. Christian Fassnacht (Young Boys), Renato Steffen (Wolfsburg) oder Luca Zuffi (Basel) haben bei Thun ihre Chance erhalten, heute sind sie Nationalspieler. «Wir haben inzwischen bei den Spielern und Beratern einen guten Ruf. Das macht bei Verhandlungen einiges einfacher», so Gerber. Auch wenn die Ablösesummen für den klammen FC Thun – hinter dem kein Geldgeber steht – wichtig sind, denkt Gerber nicht nur an mögliche Weiterverkäufe. «In erster Linie hole ich Spieler, von denen ich erwarte, dass sie uns sportlich helfen. Aber natürlich kann man nicht nur 30-Jährige haben, dann funktioniert es wirtschaftlich nicht.»

Wie gut Thun seine Abgänge immer wieder wettmachen kann, beeindruckt. Als im letzten Sommer Sandro Lauper zu YB wechselte, holte Gerber als Ersatz Basil Stillhart von Wil. Stillhart ist inzwischen Leistungsträger. Auch Dennis Salanovic (Rapperswil) und Kenan Fatkic (Chiasso) kamen aus der Challenge League, beide spielen regelmässig.

Nun kommt es heute gegen Luzern zum Duell um Rang drei. Was hätte der dritte Rang für den kleinen FC Thun zur Folge?«Das wäre natürlich ein unglaublicher Erfolg, auf den wir stolz sein dürften. Doch auf der anderen Seite hat sportlicher Erfolg immer auch eine Schattenseite. Die Erwartungshaltung wird grösser, die Spieler stehen plötzlich noch stärker im Schaufenster.» Zwar fürchtet Gerber keinen Ausverkauf, aber auch diesmal dürften wieder Leistungsträger gehen. Marvin Spielmann etwa wird kaum mehr zu halten sein. Doch auch in diesem Fall wird Andres Gerber wieder eine Lösung finden.

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