«Dann sind die Schotten dicht»

An einer Podiumsdiskussion im Rahmen der Schweizer Tour von Mönchengladbach wünscht sich St. Gallens Präsident Dölf Früh mehr Unterstützung von der Politik. Finanziell trennen St. Gallen und Gladbach Welten. Aber auch die Deutschen setzen auf Ausbildung.

Patricia Loher
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FUSSBALL. Es war eine illustre Runde, und Dölf Früh nutzte die Chance, um vor Politikern anzumerken, dass er sich für den FC St. Gallen mehr Unterstützung erhoffe. Immer wieder höre er, wie wichtig der Club als Imageträger für die Region sei. Hinzu komme, dass der Verein mit seiner Nachwuchsarbeit auch Verantwortung in der Gesellschaft übernehme, sagte St. Gallens Präsident und fügte an: «Wenn es aber um finanzielle Unterstützung geht, macht die Politik die Schotten dicht.» Während das Stadttheater St. Gallen 28 Millionen Franken an Subventionen erhalte, «bekommt der Fussballclub, mit Ausnahme der Beteiligung an den Sicherheitskosten, keinen Franken». Als es dem FC St. Gallen vor etwas mehr als fünf Jahren schlecht gegangen sei, «hätte uns die Legislative einfach bachab geschickt».

Wichtig für die Attraktivität

Beni Würth, unterdessen Regierungspräsident des Kantons St. Gallen, war damals der geplanten Sanierung der AFG-Arena-Gesellschaften gegenüber positiv eingestellt. Er sagte, Studien belegten, dass die Wertschöpfung des Clubs quantitativ beachtlich sei. Und: «Wenn sportlich und kulturell in einer Region nichts läuft: Wie soll sie da in Zeiten von Fachkräftemangel attraktiv sein?»

Früh und Würth trafen sich im Rahmen eines Businessfrühstücks zum Abschluss von Gladbachs Fohlentour durch die Schweiz im Kurhotel Oberwaid. An der Podiumsdiskussion beteiligten sich nebst Früh und Würth auch Rolf Königs, Präsident von Mönchengladbach, Yann Sommer, Torhüter beim Bundesliga-Vierten und Schweizer Internationaler, sowie Trainer André Schubert. Thema war eigentlich die Digitalisierung im Sport und die Schwierigkeit für die Athleten, mit der rasend schnellen Medienwelt umzugehen.

Was, wenn Xhaka geht?

Allerdings war dieses Thema schnell abgehakt, weil offensichtlich wurde, dass sich die zwei Clubs finanziell zwar in anderen Welten bewegen, aber doch Gemeinsamkeiten aufweisen. Auch Gladbach – 2015 erwirtschaftete der Club einen Umsatz von 161 Millionen Euro und einen Gewinn von 21 Millionen Euro – stand schon finanziell am Abgrund. Mit Königs begann 1999 eine neue Ära. «Wir haben hundert Millionen Euro investiert und die Strukturen radikal verändert», so der Präsident. Obwohl Mönchengladbach in dieser Saison erstmals überhaupt in der Champions League spielte, will sich der Club keine 40-Millionen-Einkäufe leisten. Vielmehr gehe es darum, junge Spieler auszubilden, um sie dann zu verkaufen. So wie zum Beispiel Granit Xhaka, der in Mönchengladbach zu einem Leader wurde – und den Club wohl bald für die kolportierte Ablösesumme von 29,9 Millionen Franken in Richtung Arsenal verlässt. Was passiert, wenn Xhaka geht, André Schubert? «Dann machen wir einen nächsten Xhaka.»