Dank Gut zur Hälfte erfüllt

Ski alpin. Die Speed-Fahrerinnen und das Trainerteam mit Stefan Abplanalp an der Spitze sind in Sestriere unter Druck. Dierk Beisel, der sportliche Leiter, erwartet eine Leistungssteigerung.

Urs Huwyler
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Trainer Stefan Abplanalp und Nadia Styger: das Schweizer Speed-Team steht unter Druck. (Bild: ky/Eddy Risch)

Trainer Stefan Abplanalp und Nadia Styger: das Schweizer Speed-Team steht unter Druck. (Bild: ky/Eddy Risch)

Am 18. Oktober gab Frauen-Cheftrainer Hugues Ansermoz die Zielsetzung für den Winter 2007/08 bekannt. «Fünf Podestplätze und das Vorrücken vom fünften auf den vierten Rang im Nationenklassement», lautete die Vorgabe für das von 11 auf 17 Fahrerinnen aufgestockte Weltcup-Team. Die eine Hälfte ist derzeit erfüllt. Die Schweizerinnen sind hinter Österreich, Italien und den USA auf Platz vier klassiert. Die Deutschen haben 110 Punkte Rückstand. 2007 plazierte sich die Schweiz auf Rang fünf. Ohne Europacup-Leaderin Lara Gut wären es lediglich fünf Zähler Vorsprung auf das deutsche Team. Juniorin Gut trug bei ihrem Einstand auf der WM-Strecke in St. Moritz 105 Punkte zum Total bei.

Die Steigerung blieb aus

Ohne den Exploit der jungen Tessinerin, die von ihrem Vater und nicht von der Trainercrew betreut wird, wäre die Speed-Equipe gleichauf mit den Deutschen. Die Leistungssteigerung blieb damit bei den routinierten Athletinnen weitgehend aus. Gefordert werden von ihnen in den nächsten Wochen noch mindestens drei Podestplätze. Die Trainingsresultate auf der technisch nicht besonders schwierigen Männer-Olympiastrecke von Sestriere lassen hoffen, dass die ältere Generation mithalten kann.

Bisher hat die letztjährige Gesamtsechste Nadia Styger (12.) als Beste des Teams in der Abfahrt gleich viele Punkte gesammelt wie die österreichische Slalomspezialistin Marlies Schild. Im Super-G hält sich Martina Schild (6.) dank den 100 Zählern Anfang Saison im Spitzenfeld, obwohl seither nur 81 Punkte dazu gekommen sind. Fränzi Aufdenblatten hat einen vierten und zwei fünfte Plätze vorzuweisen. «Speziell Fränzi liess vor St. Moritz einen Aufwärtstrend erkennen. Deshalb wäre es falsch, vorzeitige Schlüsse zu ziehen. Die Heimrennen sind nicht den Erwartungen entsprechend verlaufen, doch an den Vorgaben gemessen sind wir auf dem richtigen Weg», sagt Dierk Beisel

Für die seit Jahren dem Nationalkader angehörenden Fahrerinnen kamen die Resultate von Lara Gut (3./5.) einer internen Blamage gleich. Da schaut eine Schülerin mal kurz vorbei und degradiert die nationalen Leaderinnen in ihren ersten beiden Einsätzen zu Statistinnen. «Lara hat nicht nur unsere Arrivierten, sondern beispielsweise auch Renate Götschl hinter sich gelassen. Das sollte nicht vergessen werden. Aber wir erwarten in Sestriere eine Reaktion unserer Leute», kontert Beisel.

Keine Personaldiskussion

Vor einem Jahr in Altenmarkt-Zauchensee erregten die Schweizerinnen mit den Rängen zwei (Dominique Gisin), sechs (Styger), acht (Tamara Wolf), neun (Sylviane Berthod) und zehn (Aufdenblatten) in der Abfahrt Aufsehen. Nach dem Rennen sassen die Trainer Stefan Abplanalp und Fritz Züger zusammen und sprachen davon, die psychische Barriere sei damit endlich gelöst. Drei Monate später wurde Zügers Vertrag von Swiss Ski nicht verlängert, nachdem die Barriere bis zum Weltcup-Final nicht in allen Disziplinen offengeblieben war.

Züger feiert im Team von Weltcup-Leader Bode Miller Erfolge (Miller: «Er schafft mir ein ideales Umfeld»), bei den Schweizer Frauen kann nur bei den Technikerinnen ein Aufwärtstrend ausgemacht werden. Stefan Abplanalp, der Freund von Snowboarderin Tanja Frieden, steht ebenso unter Zugzwang wie die Gruppe um Styger, Aufdenblatten, Catherine Borghi, Berthod, Schild und Monika Dumermuth. Beisel mag keine Personaldiskussion führen. Er erwähnt den zehnten Rang von Dumermuth als positives Signal und verweist auf die ausstehenden Rennen. «Unsere Planung ist auf die Olympischen Spiele 2010 ausgerichtet. Dies haben wir Anfang Saison kommuniziert. Wir müssen die Ruhe bewahren.» Ränge unter den besten fünf könnten dazu beitragen.

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