Dank Debütant Cedric Itten: Die Schweiz schlägt Georgien ganz knapp mit 1:0 und steht vor der EM-Quali

Die Schweiz spielt eine ansprechende erste, dafür eine wenig berauschende zweite Halbzeit. In seinem Heimstadion lässt der eingewechselte St. Galler Debütant Cedric Itten die Schweiz gegen Georgien am Ende doch noch jubeln. Sie darf die EM 2020 planen.

Christian Brägger
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Akanji im Kopfballduell mit Khocholava (Bild: Keystone)
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Rodriguez steigt gegen Qazaishvili in den Zweikampf (Bild: Keystone)
Stephan Lichtsteiner gegen Khocholava (Bild: Keystone)
Yann Sommer muss in der 2. Halbzeit mehrmals eingreifen. (Bild: Keystone)
Torschütze Cedric Itten lässt sich feiern (Bild: Keystone)
Kakabadze und Lichtsteiner im Zweikampf. (Bild: Keystone)
Granit Xhaka organisiert das Schweizer Angriffsspiel. (Bild: Keystone)
Zakaria (hinten) und Qazaishvili kämpfen um den Ball. (Bild: Keystone)
Manuel Akanji (Bild: Keystone)
Renato Steffen ist nach der ersten Hälfte nicht zufrieden. (Bild: Keystone)
Renato Steffen im Zweikampf mit Otar Kakabadze (Bild: Keystone)
Stephan Lichtsteiner gewinnt ein Kopfballduell. (Bild: Keystone)
Denis Zakaria wird gleich von mehreren Georgiern bedrängt. (Bild: Keystone)
In dieser Szene scheitert Albian Ajeti an Giorgi Loria, dem georgischen Schlussmann. (Bild: Keystone)
Albian Ajeti (links) und Ruben Vargas (rechts) im Kofballduell mit Guram Kashia. (Bild: Keystone)
Nationaltrainer Vladimir Petkovic (Bild: Keystone)

Akanji im Kopfballduell mit Khocholava (Bild: Keystone)

Mit dem mühsam erarbeiten 1:0 gegen Georgien machen die Schweizer den wohl alles entscheidenden Schritt, im nächsten Sommer zum vierten Mal in Folge an einem Grossanlass teilzunehmen. Gegen Gibraltar, die Nummer 196 der Fifawelt, brauchen sie am Montag einen Punkt, um in jedem Fall im nächsten Juni an einem der zwölf EM-Austragungsorte ihr Lager aufzuschlagen und sich die Antrittsprämie von knapp zehn Millionen Franken zu sichern. Das alles wird nur möglich, weil der nach Mitte der zweiten Halbzeit eingewechselte Debütant Cedric Itten mit seinem Kopfballtreffer die Pflichterfüllung bringt.

Dabei ist der Weg für die Schweiz vor mit 16400 Zuschauern ausverkauftem Haus in St. Gallen kein leichter, vielmehr ein mühsamer, weil der Gegner aus dem Kaukasus aufsässig und nicht gewillt ist, Geschenke zu verteilen. Für die Mannschaft von Vladimir Weiss geht es in der EM-Qualifikation zwar um nichts mehr, aber der Test ist willkommen für die Playoffs, die sie im März absolviert dank des Siegs in ihrer Nations-League-Gruppe.

Erschwerend für die Schweizer ist kurz vor Spielbeginn die Negativmeldung, dass Haris Seferovics angeschlagener Unterschenkel der Vorsicht halber keinen Einsatz zulässt. Weshalb Nationaltrainer Vladimir Petkovic je nach Sichtweise gegen Georgien nun mit Fabian Schär, Xherdan Shaqiri, Breel Embolo und Remo Freuler mindestens fünf Stammspieler fehlen, was kaum eine Mannschaft verkraften kann, schon gar nicht die Schweiz. Für Seferovic rückt Ruben Vargas erstmals in die Startformation des A-Teams, im Sturm setzt Petkovic auf Albian Ajeti, auf den Seiten sollen Edimilson Fernandes und Renato Steffen wirbeln – letztlich sind es vier Wechsel im Vergleich zur letzten Heimpartie vor knapp einem Monat gegen die Iren. Doch die Lösung gegen den doch unterklassigen Widersacher bleibt dieselbe: «Wir suchen unser Heil im Angriff und wollen das im Guten nach Hause bringen.»

Vladimir Petkovic hatte viele Ausfälle zu beklagen. (Bild: Keystone)

Vladimir Petkovic hatte viele Ausfälle zu beklagen. (Bild: Keystone)

Guter Beginn, danach eher Magerkost der Schweizer

Vargas, Ajeti, Denis Zakaria, Ricardo Rodriguez und Steffen kommen früh zu Chancen, die Schweizer beginnen stark, sind konzentriert bei der Arbeit, die da lautet: belagern, belagern, belagern, bis die Mauer fällt. Doch das dauert, weil Giorgi Loria im Tor einen passablen Abend erwischt. Nach 20 Minuten müssen die Schweizer plötzlich gar das Glück bemühen, als nach einem Konter Giorgi Kwilitaia im Nachsetzen auf dem Boden sitzend den Ball an den Pfosten lupft. In der Folge bauen die Schweizer ab, was sie nicht daran hindert, kurz vor der Pause in Führung gehen zu müssen; Nico Elvedi und Manuel Akanji verpassen diese aber bei ihren Kopfbällen.

Je länger die Partie dauert, desto mehr kommt das Gefühl auf, dass die Schweizer in Anbetracht der Ausgangslage auch mit einem Punkt gut leben können. Und sich eine Prise Pragmatismus einschleicht. Die spielerische Offenbarung ist das jedenfalls nicht, was sie zeigen. Vielmehr ein Krampf und Kampf. Xhaka, Vargas und Elvedi spielen zwar gefällig, und da ist auch noch Yann Sommer, der mehrmals zur Stelle ist, wenn es ihn braucht. Doch das alles ist letztlich zu wenig für ein Team mit Ambitionen. Zudem haben die Schweizer ein zweites Mal Glück, als Steffen in der 74. Minute nach grobem Foulspiel nicht den Platz verlassen muss. Petkovic hat da aber schon reagiert, nimmt in der 71. Minute Ajeti raus und ermöglicht dem Lokalmatador Itten den Heimauftritt. Der Stürmer im Dienste des FC St. Gallen schreibt sechs Minuten später die fast schon kitschige Geschichte, die nur der Fussball schreiben kann: Er, der für Josip Drmic nachträglich ins Kader gerückt ist, erlöst die Schweiz mit einem herrlichen Kopfballtreffer – sein Traum geht in Erfüllung.

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