Dank 3:0-Sieg zum Abschluss: Warum die Schweizer U21-Nati wieder an die Europameisterschaft fährt

Nach einem Sieg gegen Liechtenstein ist die Schweizer U21 erstmals seit zehn Jahren wieder für eine Endrunde qualifiziert. Es ein wichtiges Signal für den Schweizer Fussball. Unsere Analyse.

Raphael Gutzwiller
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Jubel über die Qualifikation für die Schweizer U21.

Jubel über die Qualifikation für die Schweizer U21.

Claudio De Capitani / freshfocus

Der letzte Schritt für das Schweizer U21-Nationalteam ist ein leichter. In Biel versuchen die Liechtensteiner mit ihren bescheidenen Mitteln dagegen zu halten, bleiben aber chancenlos. Schon nach vier Minuten führt die Schweiz dank eines Tores von Jéremy Guillemenot mit 1:0. Andi Zeqiri kurz vor und Silvan Sidler mit einem Traumtor nach der Pause sorgen für die Entscheidung.

Dank des 3:0-Sieges ist die Schweizer U21 endlich wieder für eine Endrunde qualifiziert – zum ersten Mal seit 2011. Acht Spiele, acht Siege, bei 23 erzielten und 4 kassierten Toren. Die Bilanz in der EM-Qualifikation ist makellos. In den Begegnungen gegen Aserbaidschan und Frankreich geht es nur noch um den Gruppensieg.

Die Truppe überzeugt durch Spielfreude, offensive Variabilität, technische Finesse und eine tolle Mentalität. Die schwierige Aufgabe im windigen Georgien meisterte das Team ebenso souverän wie mühselige Duelle mit Liechtenstein. Und gegen den Topfavoriten Frankreich gab es in Neuenburg einen beeindruckenden 3:1-Erfolg. Selbst die Abgänge in Richtung A-Team von Ruben Vargas, Eray Cömert und Jordan Lotomba verkraftete das Team problemlos. Das Kader verfügt über eine grosse Breite, viele Spieler sind in der Super League Stammspieler, andere spielen schon im Ausland.

Finger in die Höhe bei Andi Zeqiri.

Finger in die Höhe bei Andi Zeqiri.

Claudio De Capitani / freshfocus

Das U21-Nationalteam verfügt nicht nur über einen guten Jahrgang, es überzeugt auch als Einheit. Mauro Lustrinelli und der sportliche Leiter Adrian Knup haben es geschafft, die Talente zusammenzuschweissen. Zum Start der Kampagne kam es zu einem Überraschungsevent mit Freundinnen und Familien der Spieler, um den Teamgeist zu stärken. Zudem vermittelten Lustrinelli und Knup den Spielern Freude. Länderspiele sollen wieder eine Ehre statt eine Pflicht darstellen.

Einst kamen Erfolge von Schweizer Juniorennationalteams in schöner Regelmässigkeit vor. 2002 wurde die U17 Europameister, im selben Jahr stand die U21 im EM-Halbfinal, ehe 2009 die U17 sogar Weltmeister wurde. Zum letzten internationalen Höhepunkt reichte es 2011. Damals standen Spieler wie Yann Sommer, Xherdan Shaqiri oder Granit Xhaka im U21-EM-Final gegen Spanien. Seither wartet der Nachwuchs auf Erfolge. Nie mehr qualifizierte sich ein Team für ein grosses Turnier. Ein Armutszeugnis für das Ausbildungsland Schweiz.

Xherdan Shaqiri (links) im Final der U21-EM 2011 gegen Dídac Vilà.

Xherdan Shaqiri (links) im Final der U21-EM 2011 gegen Dídac Vilà.

Bild: Peter Klaunzer/Keystone (25. Juni 2011)

Seither wartet der Nachwuchs auf Erfolge. Nie mehr qualifizierte sich ein Team für ein grosses Turnier. Ein Armutszeugnis für das Ausbildungsland Schweiz.

Dass es nun endlich wieder zu einer Endrunde reicht, ist ein wichtiges Signal für den Schweizer Fussball. In Zeiten, in denen der Klubfussball den internationalen Anschluss verliert, zeigt das U21-Nationalteam, dass die Schweizer Fussballtalente immer noch über viel Qualität verfügen.

Die zweiteilige EM-Endrunde in Ungarn und Slowenien ist für die Spieler eine Chance sich im Scheinwerferlicht zu präsentieren. Endlich wieder.